City Slicker

Bochum-Langendreer - BO-Harpen - BO-Zentrum - BO-Stiepel - Kemnader See - BO-Langendreer (29,8km, Ø 24,1km/h, Route bei GPSies.com)

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Nennen wir es urbane Rennrad-Romantik.

Auf dem Fahrrad kann man in und um Bochum einiges erleben. Natur und Ruhe auf den Feldern, aber auch innerstädtisches Gewusel. Ich wollte beides, also fuhr ich zunächst über die Felder in Richtung Harpen. Dort tauchte ich dann ins Gewühl ein und folgte der Castroper Straße in die Innenstadt, wo ich frech im Verkehr mitwuselte. Wenn die Kollegen in den Autos erst einmal akzeptiert haben, dass da einer auf dem Rad genau so schnell ist wie sie, sind sie eigentlich ganz freundlich. Vielleicht gehört auch dazu, dass man sich an die Regeln hält und nicht ständig versucht, überall der Schnellere zu sein. An den Ampeln spare ich mir jedenfalls den Stress, immer bis ganz nach vorn zu drängeln, und bei Rot halte ich sowieso (Ampelignoranz ist ja ein sehr beliebter Vorwurf Fahrradfahrern gegenüber). Im Gegenzug nehme ich mir dann auch die Freiheit, eine Spur für mich zu beanspruchen und gleichberechtigt mit dem Verkehr mitzuschwimmen.

Weil ich noch Lust auf einen kleinen Anstieg hatte, fuhr ich aus der Stadt nicht direkt nachhause, sondern bog auf die Königsallee ab, nach Stiepel hinauf. Hier war mir das Glück dann noch hold, denn ein großer Reisebus vor mir hatte die selbe Route. Der hat mich so kräftig in seinen Windschatten gesogen, da konnte ich mich gar nicht wehren und musste notgedrungen mit 45 km/h bergan fahren! :)

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Dunkel ists abends am Kemnader See. Und still.

Von Stiepel ließ ich es dann hinab zur Ruhr rollen. Es war inzwischen dunkel, und überall war mit Laub auf der Straße zu rechnen. Also blieb ich hochkonzentriert und verzichtete auf Höchstgeschwindigkeitsorgien - ich hatte einfach keine Lust, mich lang zu machen.

Unten an der Ruhr verließ ich dann die Straße und schwenkte auf den Ruhrtalradweg entlang des Kemnader Sees ein. Welche Ruhe, welche Entspannung! Im Schein der Helmlampe sah ich so manches Augenpaar am Waldrand blinzeln und hatte dann schließlich auch noch die Freude, ein Reh aus allernächster Nähe zu beobachten.

Über die Kleinherbeder Straße spurtete ich dann heim - inzwischen plagte mich profaner, aber kräftiger Hunger.

Dort! Mund!

Bochum-Langendreer - Witten-Stockum - Dortmund-Eichlinghofen - DO-Hörde - Umrundung Phoenix-See - DO-Zentrum - DO-Kirchlinde - DO-Bövinghausen - BO-Gerthe - BO-Zentrum - BO-Langendreer (60,8km, Ø 25,2km/h; Route bei GPSies.com)

Diese Runde auf dem Rennrad führte mich endlich mal wieder an den Phoenix-See nach Dortmund-Hörde. Da war ich schon lange nicht mehr, und so klickte ich mir morgens bei den GPSies schnell eine Route zusammen und fütterte mein Garmin damit.
Wo heute der Phoenix-See Ausflügler (und Immobilienspekulanten) erfreut, stand früher “Phoenix Ost”, ein Stahlwerk des Hörder Vereins. (Der Unterschied zwischen damals und heute erschließt sich recht gut in diesem Bild.)
Die Tour führte mich über Witten-Stockum und Dortmund-Eichlinghofen in Richtung Hörde, wo ich zunächst “Phoenix West” besichtigte. Hier kann man noch die Reste der Hochöfen und Kühltürme sehen, die viele Jahre das Bild von Hörde geprägt haben. Inzwischen ist rund um diese Industriedenkmäler ein Gewerbegebiet entstanden, in dem sich nach und nach neue Firmen ansiedeln. Zum einen ist das natürlich ein sehr spannender Arbeitsort - zum anderen ergibt sich so natürlich auch ein interessanter Kontrast zwischen Geschichte und Gegenwart.

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Das Westende des Phoenixsees - oder auch: Ziemlich modern und hässlich, das neue Hörde. Aufs Bild klicken für volle Größe (2755 × 800 Pixel / 394 KB).

Dann durchquerte ich Hörde und genoss - teure, aber leckere Fritten im Bauch - eine wunderbare Runde um den Phoenix-See. Wenn man die Klötzchen-”Villen” der Dortmunder Schickeria links und rechts des Sees ignoriert, ist hier ein tolles Stück städtischer Naherholung entstanden. Natürlich ist auf Fuß- und Radwegen rund um den See entsprechend viel los, vor allem am Wochenende. Ich hatte es zeitlich jedoch gut abgepasst und den See schon umrundet, bevor die Nachmittagsspaziergänger einfielen.
Für den Heimweg hatte ich mir vorgenommen, den Dortmunder Innenstadtring zu streifen und dann nachhause zu fahren. Als ich dann aber durchaus noch Lust und Körner verspürte, verlängerte ich die Tour noch spontan über Gerthe in die Bochumer Innenstadt. Dann reichte es aber wirklich, eine zusätzliche Verlängerung über Witten ließ ich lieber bleiben. Vielleicht beim nächsten Mal.

In Summe war dies eine tolle Rennrad-Tour bei wunderbaren Wetter. Viel gesehen, und endlich mal wieder so richtig Meter gemacht! Wer es ruhiger mag, sollte seine Tour aber vermutlich anders planen: Die allermeiste Zeit bewegte ich mich auf gut frequentierten Straßen, auf denen ich zwar schnell vorankam, aber dafür natürlich wenig entspannt und erholsam. Rennrad-Hatz eben - muss man wollen.

Bochum-Innenstadt - Bochum-Langendreer (7,3km, Ø 32,9km/h)

An sich ist die alltägliche kurze Feierabendhatz auf der Wittener Straße stadtauswärts ja nicht jedesmal einen eigenen Eintrag hier im Tourenbuch wert. Wenn aber am Ende trotz Ampelstopps ein derart geiler Schnitt auf dem Tacho steht, möchte ich das hier schon mal festhalten.
Außerdem ist damit auch dokumentiert, dass stetig kleine Kilometerhäppchen aufs Jahreskonto tröpfeln. Wenns aktuell schon nicht zu “richtigen” Touren reicht… ;)

Bock auf Asphalt

Bochum-Langendreer - BO-Harpen - BO-Zentrum - BO-Langendreer (20,1km, Ø 26,9km/h; Route bei GPSies.com)

Auch wenns schön ist am Kemnader See: Manchmal brauche ich für meinen abendlichen Einstünder auch mal eine Abwechslung. Diesmal hatte ich schlicht und einfach Bock auf Asphalt.
Heraus kam eine ordentlich sportliche Rennrad-Runde über Harpen ins Stadtzentrum und zurück. Ohne Fotostopps diesmal, dafür mit jeder Menge roter Ampeln (grrrr) und wenigen, aber recht rücksichtsvollen Autofahrern. Mal was anderes als immer nur Kemnader See!

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Dortmund-Kirchhörde - Dortmund-Hörde - Phoenix-See - Dortmund-Brünninghausen - Dortmund-Eichlinghofen - Witten-Stockum - Bochum-Langendreer (45,1km, Ø 18,1km/h, Route bei GPSies.com)

Brrrrr, so langsam gehen die Temperaturen auch tagsüber wieder gegen den Gefrierpunkt. Was okay ist, schließlich ist Januar - fürs Fahrrad muss ich mich bei solchen Temperaturen nur immer in so viele Lagen Klamotten packen. Das tue ich heute aber mal recht gern, denn Dirk hat Radelbedarf angekündigt, und trotz der Kälte scheint die Sonne, dass es nur so eine Freude ist.
Zunächst hocken wir uns vor den Rechner und suchen uns bei GPSies eine Route aus. Der Plan: Ruhig an die fünfzig Kilometer und dabei möglichst auf Pfaden, die wir noch nicht kennen. Unsere Wahl fällt recht schnell auf eine nette Runde über den Rheinischen Esel zum Dortmunder Phoenix-See. Die wollen wir fahren!
Also ab auf die Bikes und auf zum Rheinischen Esel. Auf selbigen abgebogen, schaffen wir es etwa zweihundert Meter. Dann verschwindet Dirk, der eben noch neben mir fuhr, scheppernd aus meinem Blickfeld. Wir haben gar nicht gesehen, dass der Esel-Asphalt tückisch überfroren ist. Dirks Vorderrad rutscht weg und er mault sich herzhaft. Aber zum Glück passiert nix Schlimmeres, und wir radeln seeehr bedächtig weiter. Es dauert auch nicht lange, und wir haben das überfrorene Stück hinter uns. Nun genießen wir den Esel und die Sonne.
Am östlichen Ende des Rheinischen Esels erreichen wir Dortmund, das wir in Richtung Hörde durchqueren. Dort stehen wir fasziniert vor den letzten Überbleibseln der Zeit, die das Bild des Ruhrpotts in der Welt prägte - wie stählerne Dinosaurier-Skelette erinnern die riesigen Hochofen-Ruinen an die Ära von Kohle, Koks und Stahl.
Dann erreichen wir endlich den Phoenix-See. Wo der heute Spaziergänger und Ausflügler anlockt, stand bis vor wenigen Jahren noch das riesige Stahlwerk Phoenix West. Eine Industriestadt in der Stadt, laut und dreckig, Klischee-Ruhrpott eben. Und heute? Wassersport, Naherholung, sündhaft teure Häuser der Dortmunder Schickeria. Auch dieses Sich-Neu-Erfinden ist typisch Ruhrpott.

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Alles sehr modern am Phoenix-See - vermutlich nicht jedermanns Geschmack. Aufs Bild klicken für volle Größe (2173 × 800 Pixel / 262 KB).

Nach einer Runde um den See - Slalom durch Menschenmassen! - und einer kleinen Stärkung lassen wir den Phoenix-See wieder hinter uns und suchen uns einen Weg zurück in Richtung Bochum. Zunächst ein Stück entlang der Emscher, dann an der Dortmunder Universität vorbei und schließlich über Eichlinghofen nach Witten-Stockum lassen wir es ohne Stress rollen und freuen uns über die inzwischen schon wieder untergehende Sonne und viel Zeit zum Plauschen. Auf dem Tacho stehen am Ende wunderbare 45 Kilometer, einige davon neuentdeckt und für sehr angenehm befunden. Die Idee, einfach mal nach spannenden neuen Routen zu suchen, war eine herrvorragende - das machen wir mal wieder so.