Bochum-Langendreer – Witten – Wengern – Gevelsberg – Hagen – Herdecke – Dortmund-Syburg – Herdecke-Kirchende – Schnee – Witten – BO-Langendreer (56 km, Route bei AllTrails.com)

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Mit dem Charme eines Meters Autobahn: Hagen Hauptbahnhof

Ich habe große Lust auf eine Runde über Land. Her mit dem Asphalt, her mit den Landstraßen! Ich schaue auf die Karte: Wie wäre es denn mit einem Ausflug nach Süden? Gevelsberg, da könnte ich mal hinfahren. Und da geht doch auch eine Straße nach Hagen, und wenn ich einmal dort bin, könnte ich ja auch gleich nochmal das Rondell zur Syburg hochkurbeln.

Gedacht, getan! Und schon sitze ich auf dem Rad und fahre aus Witten in Richtung Wengern hinauf. So hatte ich mir das vorgestellt: Mitschwimmen im Verkehr, guter Asphalt, ordentlich Druck auf den Reifen. Straßenhatz eben!
In Wengern biege ich rechts in Richtung Silschede ab. Bis dorthin gehts bergan, mal mehr, mal weniger steil. Aber weil recht wenig Autoverkehr ist, das Wetter gerade perfekt mitspielt und die Landschaft das Übrige dazu tut, macht die Steigung nichts. Im Gegenteil, ein wenig Sport soll es ja auch sein.

Silschede markiert direkt den höchsten Punkt der ganzen Tour. Nun geht es wieder hinab nach Gevelsberg, und dort – immer entlang der Ennepe – nach Hagen. Diese Stadt glänzt wahrlich nicht durch Anmut, der Hauptbahnhof und die danebenliegende Brache geben dieses traurige Bild ganz gut wieder. Aber ich bin ja auch nicht des Tourismus’ wegen hier, also weiter!

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Herdecke: Ruhrviadukt und Heizkraftwerk Cuno

Ich möchte zum Hengsteysee, um von dort aus das Rondell zur Syburg hinaufzuschnaufen. Allerdings verpasse ich in Hagen erst einmal den Abzweig und komme deutlich zu weit westlich an der Ruhr raus, nämlich in Herdecke. Der direkte Weg von dort zum Hengsteysee ist der Ruhrtalradweg, und so fahre ich dann doch noch einen der überfüllten Touri-Radwege. Das wollte ich heute eigentlich vermeiden und hatte ja ganz bewusst die großen Straßen gesucht. Verdammt, und dann ist der Ruhrtalradweg an dieser Stelle auch noch so rumpelig von all den Wurzelaufbrüchen.

Am Hengsteysee gönne ich mir nach etwa 35 Kilometern die erste echte Pause. Kekse und Äpfel müssen als Verpflegung reichen, die Beine können sich ein Viertelstündchen ausruhen. War eine ziemliche Hatz bis hierhin, ein paar Körner muss ich mir noch für die Syburg aufheben. Nach oben gehts im Rondell, im kleinen Gang mit konstanter Drehzahl geht das ganz gut. Das gute Wetter hat die Leute nach draußen gelockt, in den engen Kurven frohlocken die Fahrer von Motorrädern, Cabrios und Oldtimern. Letztere sind heute überaus zahlreich unterwegs, da hat wohl ein Club eine Ausfahrt.

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Über dem Hengstey thront die Syburg.

Die Syburg selbst lasse ich links liegen und quere zur B 54. Die führt im Schuss hinunter nach Herdecke-Kirchende, das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Im freien Fall jage ich hinab. Ja, das ist die Asphalt-Freude, die ich heute gesucht habe!

Kirchende liegt leider unten im Tal, und Witten, das nächste Zwischenziel, liegt hinterm Berg. Hinter dem Schnee, um genau zu sein. Also wieder: Kleinster Gang, Drehzahl konstant halten und hoch. Allerdings merke ich nun, dass ich schon einiges an Kilometern in den Beinen habe: So langsam wirds schmerzhaft. Aber dann habe ich die Strapazen hinter mir und kann mich auf der Ardeystraße nach Witten hineinfallen lassen. Genug Asphalt für heute, ab nachhause! Und diese Runde kommt auf den Zettel fürs Rennrad, das ist auch irgendwann mal wieder dran.

Bochum-Langendreer – Bochum-Innenstadt – Bochum-Langendreer (21 km, Route bei GPSies.com)

Ich habe gerade etwas Zeit, und das Wetter schreit geradezu nach Radeln – also sattele ich den Renner. Zwar ohne Ambitionen auf irgendwelche Geschwindigkeitsrekorde, aber dennoch ziemlich flott jage ich auf der Wittener Straße in die Bochumer Innenstadt. Autos sind recht wenige unterwegs, es ist halt Sonntag, aber so richtige Radelfreude will nicht aufkommen. Ich drehe eine Runde um den Innenstadt-Ring und schwimme dabei selbstbewusst im Verkehr mit, aber auch hier ist es für mich nicht mehr als bloßer Sport. Etwas pathetisch könnte man auch formulieren: Ich spüre nichts. Wo ist meine Radelfreude geblieben?
Damit es nicht allzu langweilig wird, nehme ich heimzu dann die Universitätsstraße, aber außer vielen nervigen roten Ampeln erlebe ich auch hier nichts. Zu allem Überfluss spinnt dann auch noch mein Schaltwerk herum und lupft immer wieder unaufgefordert die Kette vom Ritzel. Nee, so macht das alles irgendwie keinen Spaß. Also nur noch ganz mechanisch den restlichen Heimweg abspulen – dass am Ende ein Schnitt von 27,7 km/h auf dem Tacho steht, auch ganz ohne dass ichs drauf angelegt hätte, reißt dann auch nix mehr raus.
Das nächste Mal suche ich mir wieder eine schöne Landschaftsrunde heraus. Damit es auch mal wieder mehr gibt als eine emotionslose Trainingseinheit.

Bochum: Langendreer - Harpen - Innenstadt - Universitätsstraße - Langendreer (22km, Ø 28,4km/h)

Nach erledigtem Tagwerk zieht es mich nochmal aufs Rad. Für einen touristisch wertvollen Velo-Ausflug reicht die Zeit leider nicht - na dann halt Sport!
Ich entscheide mich für die recht rennradtaugliche Runde über Harpen und die Castroper Straße in die Innenstadt, dort einmal um den Ring und über die Universitätsstraße wieder heim. Unterwegs benutze ich Radwege nur, wo ich unbedingt muss, und schwimme sonst einfach selbstbewusst im Verkehr mit. Dabei verzichte ich auf übermütige Stunts, lasse es aber durchaus auf Geschwindigkeit ankommen, um auch mal wieder so richtig “auf Puls” zu fahren. Der Tacho zeigt am Ende dann auch einen äußerst knackigen Schnitt an, trotz der unzähligen Ampelstopps zwischendurch.
Die auf dem letzten Kilometer aufkommenden Krämpfe in Wade und Fußsohle (!) zeigen mir dann, dass das für den aktuellen Trainingsstand genau die richtige Dosis war. Ab nachhause, Dusche, Pizza! :)

Bochum: Langendreer - Kirchharpen - Zentrum - Universität - Langendreer (23km, Route bei GPSies.com)

Das Jahr endet mit geradezu frühlingshaften 13 Grad, leider bei recht heftigem Wind. Die Wetterfrösche warnen vor Böen bis Stärke acht – naja, das werd ich schon überleben. Mein ganz persönliches Radelfinale 2017 gehe ich auf dem Renner an, der hat dieses Jahr wirklich wenig erlebt. Nun darf er noch einmal auf die Straße für eine schnörkellose Runde in die Bochumer Innenstadt.
Schon in Werne und Kirchharpen genieße ich den Platz, den ich auf der Straße habe. Autos sind nur sehr wenige unterwegs, auch abseits der Straßen sind kaum Menschen zu entdecken. Ob die alle schon die Raclette-Platten vorheizen…?
Fast schon gespenstisch still ist es dann in der Innenstadt, ich habe Bochum wohl noch nie so ruhig erlebt. Kaum Spaziergänger, nicht einmal im innersten Stadtzentrum, und auch die Autos sind nur ampelphasenweise in kleinen Grüppchen unterwegs. Sehr ungewöhnlich, aber nicht unangenehm :) Nur der Wind pfeift immer wieder recht heftig (wobei die Bochumer City auch bei ruhigeren Wetterverhältnissen den Eindruck erweckt, als Windkanal konzipiert worden zu sein).
Nach der obligatorischen Runde um den Innenstadtring biege ich für den Weg zurück nach Langendreer nicht wie gewohnt auf die Wittener Straße ab, sondern entscheide ich mich für die etwas sportlichere Variante über die Universitätsstraße. Da gibts noch ein paar Höhenmeter zu holen, und vielleicht lege ich so auch noch ein, zwei Kilometer mehr aufs recht klamme Jahreskonto.

Die finale Auswertung 2017 ergibt 450 Kilometer auf dem Mounti und magere 86 auf dem Renner. In Summe immerhin über fünfhundert, das muss das absolute Minimalziel für nächstes Jahr sein.

Bochum am Abend

Bochum-Langendreer - BO-Harpen - BO-Zentrum - BO-Langendreer (20km, Route bei GPSies.com)

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Hauptbahnhof Bochum

Wenn ich die warmen Klamotten schon einmal draußen liegen hab, kann ich die Jahresend-Freizeit ja gleich noch für eine weitere Abendrunde nutzen. Der weihnachtlich-prall gefüllte Leib mahnt eh zu etwas Bewegung, also verpacke ich mich wieder in diverse Lagen Textil und starte in Richtung Innenstadt. Kleine Runde durch Harpen, kleine Runde durchs Stadtzentrum, Foto hier und da – und schon bringt mich die Wittener Straße wieder nachhause. Dabei probiere ich auch zum ersten Mal die Fahrrad-Umleitung um die aktuell abgerissene stadtauswärtige Brücke der Wittener Straße über den Sheffieldring aus. Diese führt über die Mette- und Dannenbaumstraße und ist bestens mit gelben Vorwegweisern ausgeschildert. Lob ans Tiefbauamt :)