Bochum-Langendreer – Rheinischer Esel – Witten – Umrundung Kemnader See – Bochum-Langendreer (28 km)

Nach einer liebevollen Pflege-Einheit für die Drahtesel stand noch eine Justage-Runde fürs moppernde Schaltwerk des Renners an, was vor kurzem nervig zu zicken begann. Also starte ich gen Esel, wo ich recht flott alles sauber eingestellt bekomme. Wie das nun wieder schnurrt und flutscht!

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Im April wars hier noch widersprüchlich beschildert – das ist nun endlich korrigiert

Weils so schön ist (und auch herrlich die Sonne scheint), verlängere ich spontan noch durch Witten runter zum Kemnader See, den ich aus lauter Frohsinn auch gleich noch umrunde. Dabei stelle ich erfreut fest, dass man dort – nach nur einem halben Jahr! – endlich ganz legal mit dem Rad die Steinschlag-Umleitung auf dem Skater-Weg benutzen darf. Tatsächlich hat es mal jemand geschafft, das Radfahren-Verboten-Schild abzudecken. Hooray! :D

Auch sonst gibts nichts, aber auch überhaupt nichts, was die Großartigkeit dieser Tour stört: Ich bin optimal gekleidet, weder friere noch schwitze ich. Die Autofahrer lassen mich in Ruhe, und die Beine geben anstandslos ordentlich Druck auf die Kurbel. Grande finale dann zuhause, wo ich nach einer heißen Dusche tiefenentspannt ein köstliches Abendessen genieße.

Was für ein geschmeidiger Abend!

Bochum-Langendreer – Bochum-Innenstadt – Bochum-Langendreer (21 km, Route bei GPSies.com)

Ich habe gerade etwas Zeit, und das Wetter schreit geradezu nach Radeln – also sattele ich den Renner. Zwar ohne Ambitionen auf irgendwelche Geschwindigkeitsrekorde, aber dennoch ziemlich flott jage ich auf der Wittener Straße in die Bochumer Innenstadt. Autos sind recht wenige unterwegs, es ist halt Sonntag, aber so richtige Radelfreude will nicht aufkommen. Ich drehe eine Runde um den Innenstadt-Ring und schwimme dabei selbstbewusst im Verkehr mit, aber auch hier ist es für mich nicht mehr als bloßer Sport. Etwas pathetisch könnte man auch formulieren: Ich spüre nichts. Wo ist meine Radelfreude geblieben?
Damit es nicht allzu langweilig wird, nehme ich heimzu dann die Universitätsstraße, aber außer vielen nervigen roten Ampeln erlebe ich auch hier nichts. Zu allem Überfluss spinnt dann auch noch mein Schaltwerk herum und lupft immer wieder unaufgefordert die Kette vom Ritzel. Nee, so macht das alles irgendwie keinen Spaß. Also nur noch ganz mechanisch den restlichen Heimweg abspulen – dass am Ende ein Schnitt von 27,7 km/h auf dem Tacho steht, auch ganz ohne dass ichs drauf angelegt hätte, reißt dann auch nix mehr raus.
Das nächste Mal suche ich mir wieder eine schöne Landschaftsrunde heraus. Damit es auch mal wieder mehr gibt als eine emotionslose Trainingseinheit.

Insel Usedom und Festland: Zempin – Koserow – Bansin – Katschow – Dargen – Stolpe – Karnin – Lentschow – Lassan – Wolgast – Trassenheide – Zinnowitz – Zempin (102 km, Route bei GPSies.com)

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Stubbenfelde: Blick auf die Ostsee in Richtung Osten, die Kräne gehören zum Swinemünder Hafen.

Es ist inzwischen schon wieder vier Jahre her, also wird es höchste Zeit: Eine Runde ums Achterwasser mit dem Rad! Mein Plan: Runter von der Insel Usedom, aber diesmal nicht entlang der Bundesstraße durch die Stadt Usedom, sondern “außenrum” über die Dörfer. Danach (gern weiter entlang des Achterwassers) gen Nordwest nach Wolgast, wo ich dann vom Festland zurück auf die Insel wechseln will.
Es beginnt auf bekannten Pfaden und recht unspektakulär, als ich entlang der Ostseeküste in Richtung Bansin starte. Dabei warten am Streckelsberg (Koserow) und dem Langen Berg (Bansin) einige Steigungen, unter anderem zwei knackige Sechzehnprozenter. Hat man die hinter sich, ist man aber zumindest schonmal warm.

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Bei Kachlin: Staubige, teilweise tiefsandige Feldwege.

In Bansin verlasse ich die Ostsee und biege nach Südwesten ab. Meinem Plan folgend, die großen Straßen möglichst zu meiden, durchfahre ich Mini-Ortschaften wie Reetzow, Labömitz und Katschow. Hier macht sich das erste Mal bemerkbar, was im späteren Tourenverlauf noch zu einem echten Problem werden soll: Die Straßen sind oft in miserablem Zustand. Innerorts wird man von grobem, wie soll ichs nennen, “Feldstein-Pflaster”?, durchgerüttelt. Außerorts sind die Straßen bisweilen asphaltiert, dann oft aber zigmal geflickt und damit auch recht rumpelig. Oder es gibt gar keine richtige Straße, sondern nur Feldwege – die aber durch die lange Trockenheit der letzten Monate über weite Strecken tüchtig staubig sind und immer wieder von tiefsandigen Passagen unterbrochen werden. Als wäre das alles nicht schon genug, kommt noch ein weiteres Handicap dazu: Von Südwest weht eine ordentliche – bisweilen böige – Brise, ich fahre also die ganze Zeit gegen einen ziemlich unangenehmen Gegenwind an.

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Vom Regen in die Traufe kurz vor Welzin: Abbiegen von einem sandigen Feldweg - auf einen rumpeligen.

Von Dargen an radle ich dann stets entlang des Stettiner Haffs. Ich genieße die Einsamkeit und Ruhe hier, es sind kaum Autos oder andere Radfahrer unterwegs. Ein großartiger Kontrast zum notorisch überfüllten Küstenstreifen entlang der Seebäder! Entsprechend ist hier im Hinterland auch deutlich mehr von der Natur zu sehen. Vor allem, weil ich nach Stolpe nicht auf der Straße bleibe, sondern auf den Haff-Deich abbiege. Leider ist der Weg hier aber auch wieder recht sandig und rumpelig, und so langsam frage ich mich, wieviel ungeplante Extra-Zeit mich das wohl in Summe kosten wird.

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Ostklüne: Die Fähre über die Kehle ist … ein Ruderboot! :)
(Mit freundlicher Genehmigung des Abgebildeten)

In Ostklüne wird es dann amüsant. Hier muss ich die Kehle queren, die den Usedomer See, ein Relikt der Eiszeit, mit dem Haff verbindet. In meiner Radweg-Karte ist hier eine Fährverbindung eingetragen. Leider sehe ich keine Fähre, nur ein paar kleine Boote. Also muss ich doch nochmal zurück, einmal um den Usedomer See und doch auf der ollen Bundesstraße weiterfahren? Da kommt ein Mann aus dem Haus und fragt mich freundlich, ob ich “rüber will”. Es ist tatsächlich der Fährmann, und seine Fähre ist … ein Ruderboot! :)
Wir müssen noch ein paar Minuten warten, denn der Wind drückt gerade Wellen aus dem Haff in die Kehle. Also halten wir noch einen kleinen Schnack, bevor es dann losgehen kann. Wir räumen das Fahrrad ins Boot und setzen über. Eine solch besondere Fährfahrt habe ich noch nie erlebt und muss noch Kilometer später darüber schmunzeln.

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Karnin: Eisenbahn-Hubbrücke.

In Karnin schaue ich mir dann die Reste der berühmten, im Krieg zerstörten Hubbrücke an. Über die führte einst zweigleisig eine Fernbahntrasse, auf der die Berliner in zweieinhalb Stunden auf die Insel Usedom kamen. Das Hubteil der Brücke steht noch und wäre, glaubt man dem Aktionsbündnis Karniner Brücke, für einen Wiederaufbau der Brücke bestens geeignet. Dann gäbe es nach etlichen Jahrzehnten endlich auch wieder eine Fernbahnverbindung auf die Insel Usedom, die den dort (vor allem zur Hauptsaison) herrschenden Verkehrskollaps mildern könnte. Per Eisenbahn ist Usedom bisher nur über Wolgast erreichbar – allerdings auch erst seit Ende der Neunziger, und nur mit den “kleinen” Triebwagenzügen der regional tätigen Usedomer Bäderbahn.
Für die Wiederinbetriebnahme der Karniner Trasse kämpfen die hiesigen Eisenbahnfreunde nun schon seit der Wende, mal sehen, ob diese Geduld sich am Ende auszahlt. So oder so bleibt die Karniner Hubbrücke bis dahin ein spannendes technisches Denkmal.

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Bei Johannishof: Seeadler im Horst.

Über Zecherin verlasse ich dann schließlich die Insel Usedom. Der Wind hat inzwischen von Südwest auf West gedreht, was das Fahren entlang der B 110 sehr anstrengend macht. Ich gönne mir eine kleine Pause, denn auf einem der toten Bäume im renaturierten (und deshalb gefluteten) Bereich neben der Bundesstraße wartet ein imposanter Seeadler-Jüngling im Horst darauf, dass seine Alten mit frischem Futter zurückkehren. Die Adler sind hier an der Ostsee gar nicht so selten, wie man meint; der Fährmann in Ostklüne hatte mir erzählt, dass er in seiner Umgebung drei Horste kenne und die stolzen Greifen regelmäßig sähe.
In Johannishof verlasse ich den Radweg längs der B 110 dann wieder und biege in den Wald ab. Direkt vor mir flüchten zwei Rehe ins Unterholz, und ein großer Greifvogel – ich kann leider nicht sagen, welcher Art – hebt mit kräftigen Flügelschlägen vor mir ab. Da ist sie wieder, die Ruhe und Naturnähe des Usedomer Hinterlandes, die man an der Küste schlicht nicht findet.

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Kurz vor Hohendorf: Wolgast in Sichtweite! Und ganz nebenbei: Fischreiher halbrechts auf der Wiese.

Über Pinnow und Lentschow erreiche ich Lassan, dessen schnuckeligen Hafen ich 2014 für eine Pause ansteuerte. Diesmal aber lasse ich ihn links (genauer gesagt rechts) liegen: Pflasterstraßen, Sandwege und der unablässige Gegenwind haben ihre Spuren hinterlassen, so langsam vergeht mir schlicht die Radel-Lust. Der Wind kommt immer noch steif von West, und da ich nun wieder in nordwestlicher Richtung unterwegs bin, habe ich wieder einmal gegen ihn anzukämpfen. Wie das nach inzwischen 70 gefahrenen Kilometern schlaucht! Aber dann kommt der finale Motivationsschub: Wolgast und seine Werftanlagen tauchen auf, gekrönt vom Turm der St.-Petri-Kirche. Fast geschafft also, und von Wolgast an werde ich den Wind im Rücken haben. Und noch eine positive Überraschung taucht auf: Der Weg zwischen Hohendorf und Wolgast, vor vier Jahren noch eine eklige Tiefsandpiste entlang der Bahntrasse, wurde asphaltiert und darf sich nun zu Recht “Radweg” nennen. Viel schneller als gedacht komme ich also in Wolgast an, wo ich auf der imposanten Klappbrücke die Peene quere und mich nun wieder auf der Insel Usedom befinde. Hier muss ich an der Tankstelle am Wolgaster Ortsausgang, wo ich noch eine letzte Pause einlege, etwas Trauriges erfahren: Die Tankstellenkatze Stummel, die ich auf meiner Tour vor vier Jahren im Verkaufsraum schlummern sah, lebt leider nicht mehr. Die Verkäuferin in der Tankstelle hatte Pipi in den Augen, als sie es mir erzählte…

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Küstenradweg zwischen Zinnowitz und Zempin: Meter machen!

Noch ein wenig traurig starte ich zur letzte Etappe. In nordwestlicher Richtung – endlich Rückenwind! – jage über über Mölschow nach Trassenheide. Von hier an gehts entlang der Ostseeküste ins Seebad Zinnowitz. Das muss aus Sicht eines Fahrradfahrers leider als Katastrophe bezeichnet werden. Der Radverkehr muss sich immer und überall den Fußgängern (ergo Badeurlaubern) und dem Autoverkehr (an-/abreisenden Badeurlaubern) unterordnen. Radwege und Fahrradrouten-Beschilderung sind abseits des Ostseeküstenradwegs faktisch nicht vorhanden. Und selbst dieser Radfernweg – immerhin Teil der 8000 km langen Fernradroute EuroVelo 10 rund um die Ostsee – wird kurzerhand mit einem lapidaren “Radfahrer bitte absteigen” und unnötig eng gestellten Drängelgittern unterbrochen, weil der Platz gerade für einen Veranstaltungs-Pavillon benötigt wird. Schnauze, blöder Fahrradfahrer. Schieb halt. Man stelle sich mal vor, so würde man mit den Autofahrern auf der parallel verlaufenden Bundesstraße umgehen.
Wirtschaftlich ist das alles vermutlich nachzuvollziehen – mit dem Auto anreisende und durch den Ort flanierende Urlauber lassen in Größenordnungen Geld da, auf einem Fernradweg durchreisende Fahrradfahrer nicht. Frustrierend ists trotzdem. Und eine Alternativroute zwischen westlichem und östlichem Teil der Insel Usedom gibt es einfach nicht. (Abgesehen von der Bundesstraße, aber die ist für Radfahrer wirklich indiskutabel.)
Liebe Zinnowitzer, wenn ihr partout keine Fahrradfahrer im Ort haben wollt, dann baut doch bitte einfach einen Umgehungs-Radweg außenrum.


Ich für meinen Teil hetze dann noch durch den Wald zurück ins Quartier nach Zempin, wo ich bei einem kühlen Bier erst einmal meine Beine etwas zur Ruhe kommen lasse und das Erlebte sortiere. Ich sage es schon lange und bleibe dabei: Das wahre Usedom sieht man nicht an der Küste, denn die ist touristisch pervertiert. Nein, ins Hinterland muss man reisen, wenn man mehr erleben will als Badestrand und Promenaden-Poser. Meine diesmal gefahrene Route kann ich dafür (speziell mit ungefedertem Velo) aber nur sehr bedingt empfehlen, denn die Straßen und Wege sind in teils bedauernswertem Zustand. Andererseits erlebt man großartige Landschaften, Tiere und Begebenheiten, die einem auf den “guten” Wegen wohl entgehen würden.
Und: Diese Route niemals bei Westwind in Angriff nehmen! Von den hundert Kilometern bin ich geschätzt vierzig gegen den Wind gefahren – das raubt einem irgendwann nicht nur den Nerv, sondern auch den Blick für all das Schöne links und rechts des Weges.

Ruhrtalradweg von der Quelle (Winterberg) bis zur Mündung (Duisburg) in zwei Tagesetappen (250 km, Route bei GPSies.com)

Tag 1: Von Winterberg nach Schwerte

Winterberg – Olsberg – Meschede – Arnsberg – Neheim – Wickede – Fröndenberg – Schwerte (129 km)

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Ruhrquelle in Winterberg

Ich hatte es schon lange vorbereitet und herbeigesehnt, doch nun geht es tatsächlich endlich los: Ich stehe an der Quelle der Ruhr in Winterberg und radele los in Richtung Duisburg, zur Mündung. Offiziell sind das exakt 240 Kilometer Strecke. Schon einige Male habe ich Teilstrecken absolviert, aber einmal den kompletten Ruhrtalradweg am Stück unter die Räder zu nehmen, das habe ich schon sehr lange auf dem Zettel.
Dirk und Christos wollen sich dieses Schmankerl auch nicht entgehen lassen und sind mit mir im ersten Regionalexpress des Tages nach Winterberg gereist. Übermäßig gut im Training stehen wir alle nicht, ich für meinen Teil würde mit dieser Tour meinen Jahreskilometerstand glatt verdoppeln. Aber vollkommen irre sind wir natürlich auch nicht, und so haben wir die Tour auf zwei Tage aufgeteilt. Zwischenziel und Nachtlager soll Schwerte sein, da werden wir knapp mehr als die Hälfte der Strecke schon hinter uns haben.

Nach kurzer Anfahrt vom Bahnhof Winterberg starten wir also an der Ruhrquelle. Immer wieder finde ich es schön zu sehen, wie auch der dickste Fluss erst einmal als Mini-Rinnsal unterm Stein vorsprudelt, und später werden wir staunen, wie schnell aus diesem kleinen Rinnsal ein Bach, ein Flüsschen, ein “echter” Fluss wird.

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Blick auf die Ruhr in Meschede

Die ersten Streckenkilometer sind äußerst kurzweilig, was unter anderem an der recht groben Wegoberfläche liegt, die viel Konzentration fordert. Vor allem aber ändern sich nach jeder Kurve die Ansichten des Ruhrtals. Die Ruhr sprudelt hier als Bächlein durch die malerischen Auen, umrahmt von Wäldern und Hängen. Und auch ohne tiefgehendes Ornithologenwissen ist mir klar, dass der Schwarzstorch, der sich direkt vor uns in die Lüfte erhebt, ganz sicher kein alltäglicher Anblick ist.
Ist die Ruhr hinter Olsberg gen Westen “abgebogen”, hat man den wildesten Teil der Route hinter sich. Die Abfahrten sind nun nicht mehr ganz so steil, und die Ruhr selbst ist kein munter plätscherndes Bächlein mehr, sondern ein entspannt dahinfließendes Flüsschen.
In Bestwig, nach etwa dreißig Kilometern Fahrt, legen wir eine spontane Frühstückspause ein. Um dann beim Weiterfahren festzustellen, dass der Parkplatz des örtlichen Discounters nicht eben der reizvollste Platz dafür war. Ein paarhundert Meter weiter wären wir wieder direkt an der Ruhr gewesen …
Kurz darauf halten wir für ein Foto auf einer Ruhrbrücke in Meschede, als uns eine vorbeikommende Fahrradfahrerin um Hilfe bittet: Sie hätte zu wenig Luft im Reifen, ob wir wohl eine Luftpumpe dabei hätten? Natürlich haben wir, und ich lasse es mir natürlich auch nicht nehmen, gleich selbst zu pumpen. Ein amüsanter Schwatz entsteht, und als ich fertig bin, schenkt sie uns zum Dank eine Tafel Schokolade. Wir können (und wollen!) uns nicht dagegen wehren und genießen schmatzend die unverhofft erlangte Leckerei. Mit ganfen Nüffen!

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Dellwig: Die Hälfte des Ruhrtalradwegs ist fast geschafft

Wer die Augen beim Radeln ein wenig schweifen lässt, kann am Ruhrtalradweg immer viel entdecken. Amüsant finden wir beispielsweise die ehemalige Yacht-Werft Dehler in Freienohl. Mal ganz abgesehen davon, dass hier jahrzehntelang abseits jeglicher schiffbarer Gewässer Segelyachten hergestellt wurden, ragt aus dem Gebäude ein Schiffsbug heraus. Dies ist offenbar eine Reminiszenz an einen Crashtest mit einer Dehler-Yacht, die sich dabei als überaus robust entpuppte.
In Oeventrop beweisen die Stadtwerke Arnsberg ein Herz für Radfahrer, indem sie einen Trinkwasserspender direkt am Radweg betreiben. Flasche rein, Knopf drücken, erfrischen: Eine großartige Idee, die ruhig auch in anderen Städten umgesetzt werden sollte!

Nach der Schleife, die Ruhr und Ruhrtalradweg um die Arnsberger Altstadt herum machen, treffen wir Axel. Der wohnt in der Gegend und möchte uns, wenn er schon nicht die ganze Strecke mitfahren kann, zumindest ein kleines Stück begleiten. Mit ihm fahren wir bis Neheim-Hüsten, wo wir direkt am Radweg ins R-Café einkehren. Das ist zwar “nur” Systemgastronomie und weder sonderlich urig noch recht preiswert, aber die servierten Burger mit Fritten schmecken ausgezeichnet. Zudem sind wir inzwischen etwas mehr als 80 Kilometer geradelt und hatten dabei außer dem kurzen Frühstück in Bestwig noch keine echte Pause, da tut das arg verspätete Mittagessen nun richtig gut. Und keine Frage, auch der Hintern freut sich nach mehr als vier Stunden im Sattel, endlich auch mal wieder “richtig” zu sitzen. Auch für die Drahtesel ist hier mit Luftpumpe und Pedelec-Ladestation übrigens gut gesorgt.

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Empfehlung: Diesen Schildern folgen!

Axel verlässt uns kurz vor Wickede und biegt in Richtung Heimat ab. Nun wird das Ruhrtal deutlich breiter, und bei der Fahrt durch hohe Getreidefelder sehen wir eine Zeit lang überhaupt nichts von der Ruhr. Dafür führt der Radweg ein Stück weit direkt an der Eisenbahntrasse der Sauerland-Linie entlang - hier sind wir heute morgen mit dem Zug gen Winterberg entlanggefahren.
Dann erreichen wir unser Tagesziel Schwerte. Wir übernachten im Alten Pfarrhaus Ergste, einer sehr familiären Unterkunft ein paar Pedalumdrehungen abseits des Ruhrtalradwegs. Die Preise sind mehr als fair, und in einem knuffigen roten Bauwagen schläft man auch nicht alle Tage. Es ist schön ruhig hier, und ein Edeka mit Bäcker sowie ein Grieche sind fußläufig schnell zu erreichen. Allerdings können wir das alles gar nicht so richtig genießen, nach knapp 130 Tageskilometern sind wir einfach nur platt und schlafen nach Essen und Duschen faktisch beim Hinlegen ein.

Tag 2: Von Schwerte nach Duisburg

Schwerte – Wetter – Witten – Bochum – Hattingen – Essen – Mülheim – Oberhausen – Duisburg (121 km)

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Eisenbahnviadukt Herdecke

Am nächsten Morgen gilt unsere größte Sorge zunächst unserer körperlichen Verfassung. Aber unsere schmerzenden Hintern haben sich wohl etwas regeneriert (oder einfach nur an den Schmerz gewöhnt), und so beginnen wir nach dem Frühstück und einem kurzen Plausch mit dem freundlichen Herbergsvater die zweite Etappe unserer Ruhr-Reise. Am Hengsteysee, schon nach wenigen Kilometern Fahrt, befinden wir uns dann auf wohlbekanntem Terrain – hier war ich schon desöfteren mit dem Rad. Spätestens in Wetter, wo meine Herdecke-Runde in den Ruhrtalradweg einmündet, kenne ich dann jeden Grashalm. Ein merkwürdiges Gefühl, hier nicht auf dem Heimweg, sondern auf der Durchreise zu sein!
An der Schleuse in Witten-Heven treffen wir dann auf eines meiner persönlichen Highlights am Ruhrtalradweg: In Sichtweite zur Burgruine Hardenstein setzt die Ruhrtal-Fähre Radler und Spaziergänger über die Ruhr. Der Spaß ist kostenlos, aber wer ein wenig Anstand hat, wirft etwas Klimpergeld in eine der Spendenboxen; diese Spenden tragen zu einem guten Teil zum Betrieb bei. Die kurze Zeit der Überfahrt nutze ich immer recht dankbar, um für einen Moment Körper und Geist abzuschalten. Fast schon schade, dass man so schnell schon wieder am anderen Ruhrufer ankommt. Dort wartet dann das Schleusenwärterhaus auf hungrige Gäste, und auch wir gönnen uns eine Pause mit Kaffee und Kuchen. Zweites Frühstück sozusagen!

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Ruhrtalfähre in Witten-Heven: Betrieben mit Spenden

Nachdem wir anschließend den Kemnader See passiert haben, folgen wir der Ruhr und ihren malerischen Windungen über Hattingen in Richtung Essen. Auf diesem Stück ist der Radweg bisweilen etwas schmal, aber wer hier mal abseits der Stoßzeiten vorbeikommt, kann herrliche Ruhe und viel Natur genießen. Nichts zu sehen von der Klischee-Ruhrpott-Hässlichkeit, stattdessen viel Grün und immer wieder Tiere, etwa Reiher oder Kormorane. Diesen Streckenabschnitt durfte ich auch schon einmal vom Wasser aus genießen, er ist so oder so wirklich sehenswert.
In Essen machen wir dann Mittagspause in der Bar Celona direkt am Radweg. Schon wieder ganz unromantisch eine schnöde Systemgastronomie, aber auch hier heiligt der Zweck die Mittel: Nach inzwischen schon wieder 65 Tageskilometern vermag nur ein Schnitzel mit Fritten den Akku wieder adäquat aufzuladen.

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Ruhrschleife nach Hattingen

Nach ausgiebiger Rast gehts weiter zum Baldeneysee. Wie an den anderen Ruhrseen ist es auch hier zu den Stoßzeiten recht voll, alle wollen natürlich raus und auf Skates, per Fahrrad oder zu Fuß das schöne Wetter genießen. Also schlängen wir uns durch und freuen uns, dass wir bald wieder auf weniger frequentierten Pfaden unterwegs sind.
Nach dem Kettwiger See unterqueren wir die imposante Ruhrtalbrücke, auf der sich die A52 über das Ruhrtal schwingt. Bei all der schönen Flusslandschaft untendrunter erinnert sie uns wieder daran, dass wir mitten in einer der größten europäischen Metropolregionen unterwegs sind. Kurz darauf, in Mülheim, ist man dann auch wieder mittendrin im urbanen Gewühl. Der Ruhrtalradweg wird hier mehr oder weniger kunstvoll über Brücken und Schleichwege durch Parks vom Rest der Stadt ferngehalten. Touristisch wertvoll ist das nicht, abgesehen davon, dass wir inzwischen ziemlich platt sind und die noch zu fahrenden Kilometer herunterzählen.

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Die Duisburger Karl-Lehr-Brücke kommt ursprünglich aus Köln.

Nachdem wir den Stadtrand von Oberhausen passiert haben, beginnt das ausgedehnte Gebiet des Duisburger Hafens. Wir radeln vorbei an Schleusen, Hafenmauern und Terminals. Hier treffen sich die Ruhr und der Rhein-Herne-Kanal im größten Binnenhafen der Welt. Das Ziel, die Mündung, ist schon fast zu sehen, da unterqueren wir die allerletzte Ruhr-Brücke. Sie hat eine besondere Geschichte, denn der Brückenbogen kommt aus Köln. Er war dort einst Teil der ikonischen Hohenzollernbrücke, auf der die Eisenbahn den Rhein zum Kölner Hauptbahnhof hin überquert. Nach der Zerstörung der Kölner Brücke im Krieg wurde einer der Bögen nach Duisburg gebracht, wo er seitdem die Ruhr überspannt. (Was man nicht alles bei der Sendung mit der Maus lernen kann!)

Dann kommt der Moment, auf den wir uns seit vielen Kilometern freuen: Vor uns taucht die Mündung der Ruhr in den Rhein auf, unübersehbar markiert durch die 25 Meter hohe, knallorange gefärbte Skulptur “Rheinorange”. Wir haben es geschafft!
Nach einer Pause wuseln dann noch in die Duisburger Innenstadt zum Hauptbahnhof, wo unserer Tour dann endgültig endet.

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Es gibt ihn tatsächlich: Radschnellweg RS1 in Mülheim

Auf dem Heimweg mit dem Regionalexpress springt mir dann in Mülheim noch ein unverschämt verlockend aussehender Streifen Asphalt direkt neben den Gleisen ins Auge, auf dem nur Radfahrer unterwegs sind. Topfeben, schnurgerade, keine Drängelgitter, Ampeln oder “Sicherheits”abschnitte aus Kopfsteinpflaster: Das muss er sein, der (zumindest bei mir in Bochum) sagen- und legendenumwobene Radschnellweg RS1! Der soll – irgendwann einmal – das gesamte Ruhrgebiet von West nach Ost durchqueren und dabei auf all die genannten Nickligkeiten verzichten, die einem das Radfahren so wunderbar vermiesen können. Eine A40 für Velos, sozusagen. Hiermit beneide ich all jene, die ihren Arbeitsweg schon auf dieser Herrlichkeit aus Asphalt abreißen können – und hoffe, dass uns diese Glückseligkeit auch in Bochum recht bald erreicht.

Fazit der Tour

Der Ruhrtalradweg ist für Hobby-Radler wie uns bestens geeignet. Er ist vorbildlich ausgeschildert und touristisch intensiv erschlossen, auf der Ruhrtalradweg-Website findet man umfangreiche Informationen zu Streckenverlauf, Unterkunftsmöglichkeiten und Sehenswürdigkeiten. Letzterer gibt es viele, und um auch nur ein paar davon in Ruhe besichtigen zu können, muss man deutlich mehr als zwei Tagesetappen einplanen.
Entlang der Ruhr wechselt die Umgebung in teils harten Kontrasten zwischen idyllischer Natur, Stadtgewusel und abgewracktem Industriegebiet. Besonders der letzte Streckenabschnitt ab Mülheim ist nur selten als sehenswert zu bezeichnen. Aber genau mit dieser Ambivalenz repräsentiert der Ruhrtalradweg bestens das gesamte Ruhrgebiet: Längst nicht mehr “nur hässlich”, aber auch bei weitem noch nicht “nur schön”. Dass dieser Wandel aber stetig vorangetrieben wird, sieht man unter anderem an den optisch sehr ansprechenden renaturierten Teilstücken der Ruhr.
Mir hat die Route viel Spaß gemacht, auch wenn es untrainiert hintenraus natürlich schon ein wenig schlaucht. Im Großen und Ganzen ging es mir aber körperlich bis zum Ende recht gut, nur eine Sache plagte mich etwas. Christos schleuderte es am Ende der Tour auf Griechisch dem Rhein entgegen: “O kólos ponáei!” – der Arsch tut weh :)

Bochum-Langendreer – Umrundung Kemnader See – Schleuse Witten-Heven – BO-Langendreer (25km)

Das Wetter ist offenbar viel zu gut: Die Menschenmassen am Kemnader See machen Sport nahezu unmöglich. Na dann eben entspannt, so trifft man hier und da auch ein paar bekannte Gesichter und kann einen Plausch halten. Und der Kuchen an der Schleuse in Heven schmeckt gleich nochmal so gut, wenn man ihn mit aller Ruhe genießt!

Rheinischer Esel komplett: Bochum-Langendreer – Witten – Dortmund-Löttringhausen und retour (28km)

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Was man vom Rheinischen Esel sieht, wenn man sportlich unterwegs ist.

Okay, aber mal im Ernst: Nach 25 Kilometern auf dem Rad noch nichtmal richtig warm geworden? Nee, da geht noch was! Eigentlich würde ich ja gern den Rheinischen Esel fahren, am Hülsenberg abbiegen und auf den Schnee hochschnaufen, um dann durch Herdecke das Endertal hinab zur Ruhr zu schießen. Leider wäre das aber zeitlich arg knapp, also mach ichs ganz simpel: Einmal Rheinischer Esel, vom Anfang bis zum Ende und wieder zurück. Der Fokus liegt ganz auf dem Sport – keine navigatorischen Ansprüche, kein Rumärgern mit Ampeln oder Autos, einfach nur Pedalrundschlag, bis die Waden glühen. Und wie sie glühen! Am Ende steht ein 26er Schnitt auf dem Tacho, auf dem Rückweg kurz vor Langendreer knalle ich mit fast vierzig den Esel runter.
Großartiger Sport, zum Schluss bis fast in den Krampf, das musste einfach mal wieder sein.