Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten - Herdecke - Wengern - Ruhrtalradweg bis Witten - Rheinischer Esel - BO-Langendreer (44km, Route bei GPSies.com)

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Dass der Rhei­nische Esel früher einmal eine Bahn­trasse war, …

Nach Herdecke wollte ich schon lange mal wieder. Das hat nun endlich einmal wieder geklappt, auch unter freundlicher Mithilfe des einen oder anderen Feiertags.
Ich starte bei recht angenehmen 13 Grad Außentemperatur in Langendreer und beeile mich, zum Rheinischen Esel zu gelangen. Dort ists durch das feuchte Laub ein wenig glitschig, aber weil so wenig los ist, brauche ich eh keine wilden Ausweichmanöver zu fahren. Entspannt gehts auf dem Esel durch Witten, in Sichtweite schon den Schnee. Auf diesen Bergrücken will ich rauf, das letzte Mal ist schon eine Weile her. Entsprechend habe ich irgendwie schon vergessen, wie steil die 17 Prozent den Hülsenberg hinauf wirklich sind – meine Fresse, das schlaucht aber gewaltig. Die Stimme in meinem Kopf hält dagegen: Hey, das Ding hast du früher schon mit dem Anhänger geschafft, also reiß dich gefälligst zusammen! Ein bisschen stolz bin ich dann schon, als ichs bis nach oben geschafft habe, und staune wieder einmal, wie weit man vom Schnee ins Land schauen kann. Dann stürze ich mich in südlicher Richtung wieder talwärts, um in Kirchende ins malerische Endertal einzubiegen. Für Straßenradler wie mich ist das eine wirklich schöne Strecke, landschaftlich sehr reizvoll und abseits des ganz großen Verkehrstrubels.

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… erkennt man deutlich. Auch, dass auf dem Heim­weg meine Kör­ner schon auf­ge­braucht sind.

Als ich dann im Ruhrtal in Richtung Wetter abbiege (ich will dort die Ruhrseite wechseln), überholen mich drei Rennradler. Mich sticht der Hafer und ich gebe ordentlich Kette, um an den Buben dranzubleiben. Das gelingt mir, und so rasen wir gemeinsam über die Ruhrbrücke. Dann biege ich allerdings hinunter zum Ruhrtalradweg ab, der mich zurück nach Witten bringen soll, und muss mich schon wieder von den Rennern verabschieden.
Ein paar Kilometer weiter merke ich dann, dass mich dieses kurze Vollgasstück ziemlich viel Kraft gekostet hat. Die Oberschenkel fangen nun ordentlich an zu zwicken, also verwerfe ich alle Pläne zur Streckenverlängerung und entschließe mich, durch Witten hindurch zum Rheinischen Esel und auf diesem dann nachhause zu fahren. Unterwegs mache ich noch eine kleine Pause – die Körner sind einfach aufgebraucht. Daheim stell ich mich dann ziemlich platt unter die heiße Dusche und veratme eine Pizza, um wieder ein wenig Energie zu tanken. Das Einschlafen abends geht dann wie von ganz allein … :)

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten - Umrundung Kemnader See - BO-Langendreer (30,2km)

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An der Autobahnbrücke am Kemnader See: Kunstwerk eines Couch-Potatoes? ;)

Am Abend eines wunderbar sonnigen Oktobertages öffnet sich unerwartet ein Zeitfenster zum Fahrradfahren. Warum eigentlich nicht? Zur Feier des Tages sattle ich den Renner und mache mich bestens gelaunt auf den Weg zum Rheinischen Esel. Dort sind nur wenige Radler und Jogger unterwegs, und so flitze ich flott, aber stressfrei in Richtung Witten. Rekorde breche ich dabei keine, dazu fehlen mir schlicht die Körner, aber ein bisschen kann ichs schon laufen lassen. Das ist eine wahre Wohltat nach einem langen Tag im Büro – Kopf aus, Beine an!
In Witten knubbele ich mich einmal durchs Verkehrsgewühl hinunter zur Ruhr (ob ich es wohl noch erleben werde, dass es auf dieser Strecke mal eine sichere und komfortable Radwegführung gibt?) und biege ab in Richtung Kemnader See. Auf dieser Strecke, vor allem auf der Herbeder Straße, bin ich knapp überholende Autos gewohnt, aber zu meiner Überraschung und Freude verhalten sich die Autofahrer heute ausnahmslos rücksichtsvoll. Danke dafür! :)
Als ich dann am Kemnader See stehe, checke ich kurz die Waden: Noch eine Runde um den See – oder lieber direkt nachhause? Ich entscheide mich für die Extrarunde und bereue es nicht. Der Radweg um den See ist nur wenig frequentiert, und so genieße ich völlig stressfrei die frische Luft, den Radsport und das herrliche Abendrot. Kleinherbeder und Universitätsstraße bringen mich zurück nach Langendreer, wo ich meinem Renner auch gleich nochmal den neuen Radweg auf der Unterstraße vorstelle.

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Panorama-Ansicht: Kemnader See am Abend

 
Der genussvolle Radel-Abend wird zuhause durch eine heiße Dusche und ein leckeres Abendessen komplettiert – und durch die überraschende Feststellung, dass trotz miserablen Trainingsstands tatsächlich noch ein glatter 25er Schnitt auf dem Tacho steht. Läuft!

Voll am See

Bochum-Langendreer - Umrundung Kemnader See - BO-Langendreer (22,8km)

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Suchbild am querenden Radweg: Wo ist das Vorfahrt-gewähren-Schild?

Weil das Wetter ausnahmsweise mal mitspielt (was ist denn das für ein Sommer dieses Jahr…?) und der Zeitplan es erlaubt, gönne ich mir eine Heimatrunde um den Kemnader See. Leider ist dort ziemlich voll, was viel Aufmerksamkeit erfordert. Zudem habe ich diesmal das Gefühl, dass sich die drei Hauptgruppen, die den See umrunden – Fußgänger, Skater und Radfahrer – regelrecht belauern, um sich gegenseitig Fehlverhalten vorwerfen zu können. Krönung des Ganzen ist ein Radfahrer, der mich auf dem Radweg anmeckert, dass ich da nicht zu fahren hätte. Das es sich um einen Radweg handelt, will er nicht mehr hören und schiebt abwinkend und schimpfend weiter. Mein lieber Scholli, entspannt ist aber anders.

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Auflösung: Von einem merkbefreiten Primaten um 90 Grad gedreht.

Mein negatives Highlight ist allerdings die Zufahrt zum See-Parkplatz (Google Maps). Diese wird vom Radweg gekreuzt, Radfahrer haben dort Vorfahrt. Dementsprechend ist die Parkplatzzufahrt für Autos in beiden Richtungen mit Vorfahrt-gewähren-Zeichen beschildert. Ein “Spaßvogel” hat nun eines dieser Schilder um 90 Grad gedreht (”höhö, da müssen die blöden Radfahrer jetzt warten!”). Das wiederum hat zur Folge, dass sich im schlechtesten Fall Fahrrad- und Autofahrer ihrer Vorfahrt gewiss sind und es herzhaft scherbelt. (Was während der fünf Minuten, die ich an dieser Stelle stand, einmal tatsächlich fast passierte.)
Da sonntags nicht mit Einsatzfähigkeit des Tiefbauamts zu rechnen ist, melde ich diesen gefährlichen Missstand der Polizei – und ärgere mich auf dem Heimweg (mehr als mir lieb ist) über derartige Idiotie.

Darß: Im Uhrzeigersinn um Bodstedter und Saaler Bodden.
Zingst - Pruchten - Bodstedt - Saal - Damgarten - Ribnitz - Dierhagen Dorf - Wustrow - Ahrenshoop - Born - Wieck - Prerow - Zingst (91,2km, Route bei GPSies.com)

 

Und es begab sich zu einer Zeit, dass der Wettermann sprach: Ich schenke euch einen ganzen Tag voll Sonne, nutzet ihn zu eurer Gunst. Und die Menschen verstanden; und der, den sie schickten, der hatte ein blaues Fahrrad, und unten am Kopfe trug er einen stattlichen Bart.

So steht es schon in den alten Schriften! Naja, oder so ähnlich. Jedenfalls hatte der Wetterbericht tolles Wetter versprochen, und da ich sowieso am liebsten den ganzen Tag auf dem Fahrrad herumlümmele, gehe ich mein lang ersehntes Urlaubsfinale an: Einmal aufs Festland, den Barther und den Saalstedter Bodden umrunden und über Fischland wieder zurück auf den Darß. Vom Himmel prasselt die Sonne, dass es nur so eine Freude ist, nur der Wind geht recht ordentlich von Westen. Ich verlasse den Darß auf inzwischen wohlbekannten Pfaden über die Meiningenbrücke und biege in Pruchten nach Westen ab. Hier beginnt unbekanntes Terrain, aber ich bin frohen Mutes dank meines GPS-Helferleins am Lenker und der Fahrradkarte im Gepäck.

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Schön ists im Wald bei Neuendorf.

Ich bin nun auf dem Radwanderweg “Östliche Backstein-Route” (ÖBR) unterwegs, bekomme aber den Tipp von einem einheimischen Radler: Fahr lieber durch den Wald nach Neuendorf, das ist die schönere Strecke. Ich folge seinem Rat, und es lohnt sich. Still ists im Wald, angenehm schattig und wirklich schön zu radeln. Dann folge ich wieder der ÖBR und komme nach Saal, wo mich ein kleines Brückenstück neugierig macht. Die alten Schwellen auf der dahinrostenden Konstruktion deuten auf eine Eisenbahnstrecke hin, die hier wohl mal entlangführte; für Regelspur sind sie aber zu schmal. Ein paarhundert Meter weiter, auf einem Radweg, der verdammt nach einer alten Bahntrasse aussieht, treffe ich dann einen Ortsansässigen, den ich freundlich frage. Er erzählt mir mit leuchtenden Augen von den Zeiten, als hier noch die Eisenbahn die Rüben nach Barth brachte (und abends die Bauern aus der Kneipe nachhause). Der Radweg liegt tatsächlich auf der alten Trasse der Franzburger Kreisbahnen, die meterspurig von Damgarten über Saal nach Barth führte. In den Sechzigern sei die Strecke dann aber stillgelegt worden, erzählt er mir, und aus dem Saaler Bahnhof ist das Gemeindehaus mit Kindergarten geworden ‒ unter anderem durch seiner Hände Arbeit. Ein Stück weiter steht in Kückenshagen an der Molkerei noch ein altes marodes Bahngebäude, gibt er mir noch mit auf den Weg. Und tatsächlich, nach Jahrzehnten ist immer noch zu sehen, dass hier weiland eine Bahn entlangzuckelte.

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Im Hafen Ribnitz

Über Damgarten erreiche ich dann Ribnitz (was, wie ich lernte, übrigens nicht “Riebnitz”, sondern “Ribbnitz” gesprochen wird) und mache am Hafen eine kurze Mittagsrast. Am Ribnitzer See entlang geht es dann weiter in Richtung Dändorf. Immer wieder schmunzele ich über die kreativen Radwegweiser: Einfach die Ortsnamen und Entfernungsangaben auf einen großen Findling pinseln, auch sowas schmückt eine Radroute! Offenbar hatten die Urheber dabei mächtig Spaß, denn neben den eigentlichen Wegweisern findet man dann auch Kuriositäten wie die extra beschilderte “Opi-Wolter-Kurve”: “Zu Ehren von Opi Wolter, der hier die Kurve nicht bekam”. Ein amüsierendes Gedankenspiel, wie es wohl dazu gekommen sein mag…
Ich habe inzwischen die Östliche Backsteinroute verlassen und befinde mich auf dem Fischland-Darß-Zingst-Rundweg. Immer am Bodden entlang, erreiche ich über Dändorf Dierhagen. Dort gönne ich mir am Hafen ein herzhaftes Fischbrötchen und fülle die Zuckerspeicher mit Cola neu auf.

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Pause in Dierhagen: Fischbrötchen am Hafen

In Dierhagen komme ich nun wieder an die Ostsee und biege auf den Ostseeküsten-Radweg ein. Bisher hatte ich oft und viel Gegenwind, das ändert sich nun ‒ ich komme verdammt flott voran. Ich jage über Wustrow bis Ahrenshoop, wo ich die Ostsee wieder verlasse und am Saaler Bodden entlang fahre. Ach was, fahre: Rase! Der Wind bläst kräftig von Westen, und nun bin ich exakt in seiner Richtung unterwegs. Trotz mehr als 65 bereits gefahrener Kilometer habe ich keine Probleme, stets knapp an der Dreißig zu kratzen. Sehr zum Unmut der mir entgegenkommenden, sich gegen den Wind stemmenden Pedalisten…
Ich flitze durch Born und Wieck, vorbei an schicken kleinen Reetdach-Häuschen mit den so typischen bunten Darßer Türen. Unterwegs sehe ich in der Ferne die Meiningenbrücke, Luftlinie vielleicht nur drei Kilometer entfernt. Allerdings liegen Bodstedter Bodden und Prerow-Strom dazwischen, die ich noch umrunden muss, also habe ich noch einige Zusatzkilometer vor mir. Dabei wird es dann auch nochmal ordentlich anstrengend, denn ein, zwei Kilometer muss ich nochmal gegen den Wind fahren. Wie das nach der langen Strecke schlaucht! Irgendwann habe ich Prerow dann aber erreicht und kann von nun an wieder mit vollem Rückenwind auf dem Ostsee-Deich ostwärts nach Zingst jagen, wo meine Runde begann und nun wieder endet.

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Sieht näher aus, als sie ist: Die Meiningenbrücke.

Auf die mehr als neunzig gefahrenen Kilometer schaue ich mit größter Freude zurück: Die Boddenrunde hat immer wieder Abwechslung zu bieten, sie führt über Felder, durch Wälder, mal an der Ostsee entlang, mal am Bodden. Auch und vor allem abseits der Küstenlinie gibt es so viele Orte, Landschaften und Kleinode zu entdecken, dass ein flotter Tagesritt auf dem Fahrrad längst nicht ausreicht, um alles gesehen zu haben. Die Radweg-Ausschilderung ist vielleicht nicht perfekt, aber meist ausreichend und bisweilen sehr hübsch und kreativ umgesetzt. Und auch wenn doch mal an entscheidender Stelle ein Schild fehlt, kommt man mit ein wenig Intuition und grobem Richtungsverständnis stets weiter. Ich kann Ostsee-Urlaubern nur wärmstens empfehlen, den touristisch vollkommen überlaufenen Küstenstreifen zu verlassen und das vorpommersche Hinterland zu entdecken. Es lohnt sich!

Darß: Zingst - Bresewitz - Barth - Bresewitz - Zingst (31,3km, Route bei GPSies.com)

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Der Radweg auf der Darßbahn-Trasse: Nicht viel breiter als das Gleis, das vorher hier lag

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs führte eine Eisenbahnstrecke von Barth über Zingst nach Prerow: Die Darßbahn. Von ihr ist noch so einiges zu sehen: Der Bahndamm und einige Brücken stehen noch, und wo noch nicht der Radweg auf den Bahndamm gebaut wurde, liegen auch noch die Gleise. Schon lange wird darüber nachgedacht, diese Strecke zu reaktivieren. Nicht nur von Eisenbahn-Enthusiasten, sondern offenbar auch von der Usedomer Bäderbahn (UBB), der die Strecke (oder das, was davon noch da ist) gehört. Der Radweg von Zingst hinüber aufs Festland nach Barth führt die ganze Zeit parallel zur Darßbahn-Trasse, da gibt es natürlich viel zu entdecken. Genau das wollte ich auf dieser Tour nach Barth tun.
Fährt man auf dem alten Bahndamm aus Zingst heraus, fällt auf, wie schmal der Radweg ist ‒ mit den gleichen Folgen wie am Radweg auf dem Ostsee-Deich: Bei Gegenverkehr, insbesondere mehrspurigem, kann es ganz schön eng werden. Zusätzlich stehen aus dem an sich sehr guten Asphalt immer wieder recht steile Wurzelaufbrüche heraus, die man im Schattenspiel des Laubwerks nur selten früh genug sieht. Man muss also stets sehr konzentriert sein, was das Radfahren an dieser Stelle ziemlich unentspannt macht. Das passt nicht so ganz dazu, dass auch diese Strecke ein Teilabschnitt des touristisch vermutlich nicht ganz unbedeutenden Ostsee-Küstenradwegs ist. Auch sonst ists schade, denn an sich ist man an dieser Stelle mitten in der Natur unterwegs und durch einen schmalen Waldstreifen und ein Feld akustisch auch gut von der parallel verlaufenden Straße abgeschirmt.

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Gefahrenstelle: Querung der L21.

Die Querung der L21 kurz vor der Meiningenbrücke kann dann getrost als Gefahrenstelle bezeichnet werden. Hier muss man den flott dahinbrausenden Autoverkehr gut beobachten, um “die Lücke” zu finden. Da sämtlicher Verkehr zwischen Barth und Prerow hier durch muss, ist das vor allem an An- und Abreisetagen der Touristen keine Freude.
Dann erreichte ich die Meiningen-Brücke. Über diese schmale Drehbrücke gelangten früher Autos und Eisenbahn auf den Darß ‒ ein echtes Nadelöhr. Die Eisenbahn fährt schon lange nicht mehr, und dem restlichen Verkehr hat man parallel eine Ersatzbrücke gebaut. An deren Ende sah ich Interessantes: Auf dem dort wieder beginnenden Gleis der Darßbahn in Richtung Bresewitz stand ein Schienen-Unimog, und die Presse war auch vor Ort. Ein wenig abseits stand ein Auto der UBB, in dem zwei Arbeiter saßen und offenbar warteten. Ich kam mit Ihnen ins Gespräch und wollte wissen, ob denn eine Reaktivierung der Darßbahn geplant sei ‒ oder was denn der Unimog da auf dem Gleis mache? Sie erzählten mir, dass aktuell vor allem der Bahndamm und die verbliebenen Gleisanlagen gepflegt würden. Über eine Wiederaufnahme des Verkehrs würden höhere Instanzen diskutieren ‒ wie immer sei alles eine Frage des Geldes. Die UBB wollen die Strecke gern wieder in Betrieb nehmen, auch die Gemeinden und deren Tourismusbetriebe würden sich darüber sicher freuen. Auf Usedom sieht man ja die positiven Effekte regelmäßigen Bahnverkehrs. Allerdings kann die “kleine” UBB die nötigen Millionen nicht mal eben selbst auf den Tisch legen, da wird noch viel Arbeit bei Bund, Land, EU und der Deutschen Bahn (als UBB-Muttergesellschaft) zu leisten sein.

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Der Bodden links und rechts der Meiningen-Brücke gehört noch zum Nationalpark.

Was ich nicht wusste: An diesem Tag war der Infrastruktur-Chef der DB vor Ort, um die Möglichkeiten für den Wiederaufbau der Darßbahn auszuloten. Deswegen die Presse! Aber da an diesem Tag nur nichtssagende Aussagen à la “wir haben die Bereitschaft, alles mögliche zu denken” (Profalla laut OZ-Artikel) herauskamen, wird der UBB-Techniker wohl recht haben: Bis das nötige Geld zusammen ist, die Planungen abgeschlossen sind und die Bauarbeiten beginnen, wird es wohl tatsächlich noch eine Dekade dauern.
Ich für meinen Teil fuhr weiter, immer entlang der Trasse in Richtung Barth. Auch hier ist der Radweg zu schmal ‒ vielleicht sind das nicht umstandsbedingte Einzelfälle, sondern eine generelle Planungsschwäche der beteiligten Behörden?

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Nicht (mehr) viel los am Bresewitzer Bahnhof

Nachdem ich in Barth einige Besorgungen und am Hafen Mittag gemacht hatte, fuhr ich auf gleichem Weg wieder zurück. Unterwegs schaute ich mir endlich einmal das alte Bahnhofsgelände in Bresewitz an, an dem ich bisher immer nur vorbeigefahren war. Hier soll sich laut Karte das Darßbahn-Museum befinden; auf den Gleisen stehen einige alte Waggons. Leider erfuhr ich nicht wie erhofft mehr Details zur Darßbahn ‒ sondern nur, dass es das Darßbahn-Museum gar nicht mehr gäbe. Ein Ortsansässiger erzählte mir, dass es auf dem Bahnhofsgelände vor einigen Jahren tatsächlich noch viele Aktivitäten des Museumsvereins gab, eine Ausstellung zur Geschichte der Bahn und viel Musik und Kultur. Aber so nach und nach schwand das Engagement der Mitglieder, es mangelte an Nachwuchs … und so finden aktuell nur noch ein paar wenige Konzerte pro Jahr auf dem Bahnhofsgelände statt. Das Bahn-Museum selbst und die angeschlossene Kunstgalerie gibt es nicht mehr. Schade, da hätte man sicher noch ein paar spannende Geschichten erfahren können.
Wer weiß, in zehn Jahren hat die UBB die Trasse bis Prerow ja vielleicht wiederbelebt ‒ dabei blieben dann bestimmt auch ein paar Mittel für ein schickes kleines Darßbahn-Museum übrig. Aus touristischer Sicht wäre das zu begrüßen, ich finde, da liegt gerade ein gutes Potential brach.