Saisonauftakt

Bochum-Langendreer – Witten-Zentrum – Rheinischer Esel – BO-Langendreer (13,8km, Ø 25,5km/h)

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Saisonauftakt.

Die Abendsonne zwinkert mir aufmunternd zu. Ab aufs Rad, ich habe dir den Frühling ins Land gezaubert. Wer könnte da widerstehen?

Das Fahrrad blinzelt noch verschlafen, als ich den Reifendruck an der Tankstelle erneuere. Aber dann erwacht es, jubelt, galoppiert. Frische Wiesen und Wälder ziehen vorbei, es duftet unverschämt gut nach Frühling. Die Kaninchen hoppeln vergnügt über den Radweg und rufen leise, auch wir sind wieder da.

Die meisten Autofahrer wissen vor lauter Schreck noch gar nicht, was sie mit den vielen Fahrradfahrern anfangen sollen, die plötzlich wieder das Revier bevölkern.

Mein Herz hüpft, genießt, will mehr. Schneller. Weiter. Nur die Waden mahnen schmunzelnd zur Ruhe. Mach sachte, du Heißsporn. Es geht doch gerade erst wieder los.

Saisonauftakt.

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - WIT-Herbede - Umrundung Kemnader See - BO-Langendreer (29,1km, Ø 25,4km/h, Route bei GPSies.com)

Offenbar hat Petrus ein Einsehen mit mir (und meinem dieses Jahr nur spärlichst gefüllten Tourenbuch) - und stellt zu Weihnachten den Regler auf Frühling. Fünfzehn Grad, sonnig und nur wenig Wind, das schreit nach einer kleinen Runde. Klein, da die Zeit begrenzt und der Trainingsstand miserabel ist. Aber immerhin: Ich schaffe es nochmal nennenswert aufs Rad dieses Jahr!
Unterwegs staune ich über Jogger im T-Shirt (Ende Dezember!) und freue mich über eine überraschende Begegnung (Mensch, ewig nicht gesehen!). Der Rest ist moderat-sportliches Rennradfahren auf Radwegen, die ob des überraschend milden Wetters ziemlich voll sind. Ich genieße jeden Meter, denn diese schönen Momente auf dem Rad waren leider äußerst rar* dieses Jahr. Danke, Petrus :)

* In Summe waren es nur 290 km auf dem Renner und lächerliche 55 auf dem Mounti. Reden wir nicht drüber…

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - Witten-Heven - Bochum-Langendreer (24,4km, Ø 17,8km/h, Route bei GPSies.com)

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Rheinischer Esel: Weiß. Brille: Nass.

Es schneit! Bei drei Grad plus bleibt zwar nur spärlich etwas liegen, aber: Es schneit! Hier im Ruhrpott kommt das ja leider nicht allzu oft vor, entsprechend nervös wirkt der Radiosprecher dann auch beim Verlesen der Verkehrsmeldungen.
Ich für meinen Teil will die rare Gelegenheit nutzen, meine Umgebung auch mal wieder in weiß zu betrachten. Zwar habe ich nur Slicks auf dem Mounti, aber vermutlich wird mein Problem eh mehr die Nässe als die Glätte sein. Ich werfe mich also in diverse Lagen Trikotage und steige aufs Rad. Langs ists her, alter Freund - schön, mal wieder mit dir auszureiten! Auch die eher miesen Bedigungen - der fallende Schnee sticht im Gesicht, es ist ziemlich frisch und auf den Straßen steht das matschige Wasser - machen mich tatsächlich froh: Endlich mal wieder mit dem Rad draußen, besonders nach der tagelangen Weihnachtsschlemmerei. Und es ist ja auch ein schönes Gefühl, wenn Autofahrer und Fußgänger irritiert schauen, welcher Bekloppte bei dem Wetter wohl Rad fährt.
Nach einiger Matscherei durch Langendreer komme ich am Rheinischen Esel an, wo ich endlich so etwas wie eine geschlossene Schneedecke vorfinde - zwar immer noch alles ein wenig weich und matschig, aber immerhin weiß. Die oft etwas ins Gelände eingeschnitte und von Bäumen überdachte Trasse des Rheinischen Esels ist generell eine gute Kältefalle und dadurch zu allen Jahreszeiten spürbar kühler als die Umgebung. Was im Sommer eine willkommene Erfrischung ist, sorgt im Winter nun eben für etwas stabileren Schnee.
Meine Geschwindigkeit passe ich den Gegebenheiten an, nur selten springt der Tacho über Zwanzig. Damit bin ich sicherer unterwegs - gleichzeitig habe ich so aber natürlich auch entspannt ein Auge für das zarte weiße Kleid, das sich die Landschaft angelegt hat.

In Witten verlasse ich den Esel in Richtung Ruhr. Unten am Fluss ist es sichtbar wärmer, es bleibt kaum Schnee liegen. Der Ruhrtalradweg ist auf seinen nicht asphaltierten Abschnitten dann auch entsprechend pfützig und schmockig. Schnell weiter! An der Schleuse in Heven liegen die beiden Ruhrtalfähren an Land und warten auf geschäftigere, wärmere Monate. Auch hier weile ich nur kurz, denn meine Füßlinge halten das Wasser inzwischen nicht mehr fern, und ich bekomme eiskalte Füße. Am östlichen Ende des Kemnader Sees vorbei mache ich mich also auf den Heimweg und genieße die Ruhe in der Landschaft. Ist wirklich schön hier!
Zuhause werfe ich dann alle Klamotten in die Waschmaschine und stelle mich unter die heiße Dusche. Kein sportliches Meisterwerk ists gewesen heute, und das Wetter war wirklich ungünstig - und doch war es ein Genuss, endlich wieder unterwegs zu sein. Ohne Hatz, ohne Gedränge, ohne Lärm. Zufrieden genieße ich ein kühles Feierabendbier und überlege, ob es bis zum Jahreswechsel wohl noch einmal so gut klappt.

Nachtrag 01.01.2015:

Nein, bis zum Jahresende sollte es das tatsächlich gewesen sein. Ich schließe das Jahr 2014 mit immerhin 865 Mounti-Kilometern und mageren 307 auf dem Rennrad ab - macht in Summer wenig berauschende 1172 Jahreskilometer. Wir sehen, was 2015 so geht…

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - Witten-Heven - Bochum-Langendreer (20,3km, Ø 27,4km/h)

Wenn der Abend die Ruhrauen mit leisen Nebelschwaden überzieht und sich ein warmes Spätsommer-Wochenende entspannt dem Ende neigt, ist selbst der quirlige Ruhrpott für einen Moment eine sanfte Oase der Ruhe. Und wenn ich dann auch noch die Zeit finde, diese Idylle auf dem Fahrrad zu genießen, könnte ein Sonntagabend doch einfach nicht schöner sein.
Tiefenentspannt lasse ich mir nach einer langen, heißen Dusche genussvoll ein kühles Blondes schmecken und freue mich über das leichte Zwicken in den Oberschenkeln. Vielleicht ist dieses Jahr ja doch nochmal ein dreißiger Schnitt drin … aber das ist im Moment völlig unwichtig. Jetzt lege ich erstmal die Füße hoch.

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - Witten-Heven - Umrundung Kemnader See - Bochum-Langendreer (27,7km, Ø 26,5km/h)

Während anderswo mal wieder Steine fliegen, lasse ich den ersten Mai lieber friedlich ausklingen. Wie ginge das besser als mit einer Runde auf dem Fahrrad?


Ich flitze also auf dem Renner den Rheinischen Esel entlang, den ich mir zu dieser abendlichen Stunde nur noch mit querenden Schnecken und in Wolken herumschwirrenden Insekten teile. Auf dem Rennrad macht die anschließende Querung der Wittener Innenstadt sogar ziemlich Spaß; dann fahre ich an der Ruhr entlang zum Kemnader See. Schön ruhig hier zu dieser Zeit, und es riecht wunderbar nach Frühling. Na los, eine Runde um den See herum geht auch noch! Über die Kleinherbeder Straße beschließe ich meine Tour, die recht flott, aber ohne übertriebene Sportlichkeit mal wieder eine wunderbare Abwechslung für Kopf und Waden ist.
Wollte ich nicht eigentlich wieder regelmäßig abends radeln…?

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So überlaufen der Kemnader See tagsüber bisweilen ist, so idyllisch und beruhigend ist er in der Abenddämmerung. Aufs Bild klicken für volle Größe (1529 × 800 Pixel / 126 KB).