Runde eins: Herdecke auf steilen Pfaden

Bochum-Langendreer – Rheinischer Esel – Witten – Schnee – Herdecke – Wetter – Ruhrtalradweg – Witten – BO-Langendreer (40 km)

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Direttissima vom Rheinischen Esel auf den Schnee hinauf: Hülsenberg.

Warum ich am Sonntag schon kurz vor fünf Uhr wach bin, soll hier unbeantwortet bleiben. Ich bin es, und ich stehe vor der Entscheidung: Nochmal ins Bett (und vermutlich eh nicht mehr einschlafen können) – oder lieber spontan eine Runde mit dem Rad? Ich brauche nur kurz zum Überlegen, Punkt fünf sitze ich auf dem Velo. Die Sonne schläft noch, genauso wie der Rest der Welt. Ich quere auf dem Rheinischen Esel die A44, und sie ist: Leer. Das geht hier im Ruhrgebiet vermutlich als Sehenswürdigkeit durch.
Meine Tour soll mich von Witten aus über den Schnee (ein Bergrücken im Ardeygebirge) nach Herdecke führen, und dann auf der anderen Seite im Ruhrtal wieder zurück. Doch zumindest auf dieser Route gilt: Vor den Schnee haben die Götter den Hülsenberg gesetzt! Diese Straße führt mit Maximalsteigung von 17% auf den Schnee hinauf. Was bei gutem Trainingsstand schon recht knackig für die Waden ist, erweist sich für mich aktuell als echte Herausforderung. Das habe ich doch früher sogar mit Trailer am Haken geschafft, denke ich grummelnd, während ich nach Luft japsend emporschleiche.
Irgendwann habe ich den Schnee endlich bezwungen und lasse mich auf seiner Südseite nach Herdecke hinein fallen, wo mich dann auch die ersten Sonnenstrahlen empfangen. Im Endertal, das ich Richtung Wetter zur Ruhr hinabfahre, begrüßen auch Rehe und Füchse den Tag (und mich). Bis auf ein paar Autofahrer, die zum Schichtbeginn im Herdecker Krankenhaus eilen, ist keine Menschenseele unterwegs.

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Noch im Bau: Renaturierte Ruhr-Auen zwischen Wetter und Witten.



In Wetter quere ich die Ruhr, um selbiger dann gen Westen zu folgen. Hier in den Flussauen zwischen Wetter und Witten hat man großflächig gebaggert, da läuft aktuell eine großangelegte Renaturierungsmaßnahme. Zitat:

“Bis 2027 muss nach den Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie die Ruhr in einen naturnahen Zustand versetzt werden.”

Dabei entstehen am Ruhrtalradweg auch “neue Rast- und Attraktionspunkte”, z.B. aufgeschüttete Hügel, von denen aus sich wunderbar über die Ruhrauen blicken lässt. Deren zukünftige Schönheit muss man sich aktuell noch ein wenig vorstellen, aber grundsätzlich finde ich diese Veränderungen großartig. Bei meiner Ruhrtalradweg-Tour letztes Jahr hatten mich schon die renaturierten Ruhr-Abschnitte bei Arnsberg beeindruckt. Mal sehen, wie sich das die nächsten Jahre hier im Gebiet weiter entwickelt.
Halb acht bin ich dann wieder daheim und lasse unter der Dusche die Eindrücke dieser ersten Tour nach langer, langer Zeit Revue passieren. Jetzt erstmal Frühstück, ich brauche Kaffee!

Runde zwei: Entspannt zum Kemnader See

Bochum-Langendreer – Rheinischer Esel – Witten – Kemnader See – BO-Langendreer (22 km)

Weil der Tag so schön ist, hänge ich mittags gleich noch eine Runde dran. Eigentlich nur, um die Eisdiele meines Vertrauens in Witten zu besuchen :) Ganz nebenbei nutze ich dann auch zum ersten Mal dieses Jahr die Ruhrtalfähre und lasse etwas Klimpergeld in deren Spenden-Kiste. Gehört sich so, schließlich kostet die Überfahrt nichts.

Bochum-Langendreer – Rheinischer Esel – Witten – Umrundung Kemnader See – Bochum-Langendreer (28 km)

Nach einer liebevollen Pflege-Einheit für die Drahtesel stand noch eine Justage-Runde fürs moppernde Schaltwerk des Renners an, was vor kurzem nervig zu zicken begann. Also starte ich gen Esel, wo ich recht flott alles sauber eingestellt bekomme. Wie das nun wieder schnurrt und flutscht!

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Im April wars hier noch widersprüchlich beschildert – das ist nun endlich korrigiert

Weils so schön ist (und auch herrlich die Sonne scheint), verlängere ich spontan noch durch Witten runter zum Kemnader See, den ich aus lauter Frohsinn auch gleich noch umrunde. Dabei stelle ich erfreut fest, dass man dort – nach nur einem halben Jahr! – endlich ganz legal mit dem Rad die Steinschlag-Umleitung auf dem Skater-Weg benutzen darf. Tatsächlich hat es mal jemand geschafft, das Radfahren-Verboten-Schild abzudecken. Hooray! :D

Auch sonst gibts nichts, aber auch überhaupt nichts, was die Großartigkeit dieser Tour stört: Ich bin optimal gekleidet, weder friere noch schwitze ich. Die Autofahrer lassen mich in Ruhe, und die Beine geben anstandslos ordentlich Druck auf die Kurbel. Grande finale dann zuhause, wo ich nach einer heißen Dusche tiefenentspannt ein köstliches Abendessen genieße.

Was für ein geschmeidiger Abend!

Bochum-Langendreer – Umrundung Kemnader See – Schleuse Witten-Heven – BO-Langendreer (25km)

Das Wetter ist offenbar viel zu gut: Die Menschenmassen am Kemnader See machen Sport nahezu unmöglich. Na dann eben entspannt, so trifft man hier und da auch ein paar bekannte Gesichter und kann einen Plausch halten. Und der Kuchen an der Schleuse in Heven schmeckt gleich nochmal so gut, wenn man ihn mit aller Ruhe genießt!

Rheinischer Esel komplett: Bochum-Langendreer – Witten – Dortmund-Löttringhausen und retour (28km)

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Was man vom Rheinischen Esel sieht, wenn man sportlich unterwegs ist.

Okay, aber mal im Ernst: Nach 25 Kilometern auf dem Rad noch nichtmal richtig warm geworden? Nee, da geht noch was! Eigentlich würde ich ja gern den Rheinischen Esel fahren, am Hülsenberg abbiegen und auf den Schnee hochschnaufen, um dann durch Herdecke das Endertal hinab zur Ruhr zu schießen. Leider wäre das aber zeitlich arg knapp, also mach ichs ganz simpel: Einmal Rheinischer Esel, vom Anfang bis zum Ende und wieder zurück. Der Fokus liegt ganz auf dem Sport – keine navigatorischen Ansprüche, kein Rumärgern mit Ampeln oder Autos, einfach nur Pedalrundschlag, bis die Waden glühen. Und wie sie glühen! Am Ende steht ein 26er Schnitt auf dem Tacho, auf dem Rückweg kurz vor Langendreer knalle ich mit fast vierzig den Esel runter.
Großartiger Sport, zum Schluss bis fast in den Krampf, das musste einfach mal wieder sein.

Abends nochmal raus

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Tunnelblick unter der Autobahnbrücke

Bochum-Langendreer – Rheinischer Esel – Witten – Umrundung Kemnader See – BO-Langendreer (30km)

Nach dem Essen sollst du ruh’n – oder Pedalumdrehungen tun!
Diese Runde zum Kemnader See ist weder spektakulär noch sonderlich sportlich, es ist einfach nur ein etwas längerer Verdauungsspaziergang auf dem Rad. Das Wetter spielt allerbestens mit, auch die Beine haben vorm Zubettgehen nochmal richtig Lust. Vielleicht sollte ich, solange der Sommer noch so aktiv ist, öfter mal nach dem Abendessen aufs Rad steigen. Macht den Kopf frei – und die Waden fit für die noch anstehenden Großtaten dieses Jahr.

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Die Ruhr in Witten

Bochum-Langendreer – Rheinischer Esel – Witten – Schnee – Herdecke – Wetter – Ruhrtalradweg – Witten – BO-Langendreer (35km, Route bei GPSies.com)

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Weiter Blick vom Schnee

Bevor die neue Woche startet, möchte ich gern nochmal nach Herdecke radeln. Dort will ich nämlich unbedingt den Waldweg erkunden, den ich bei der Schussfahrt durchs Endertal auf der anderen Talseite immer sehe.
Ich starte also auf dem Rheinischen Esel in Richtung Witten. Weil die Zeit nicht für die ganz große Runde über den Hülsenberg reicht, verlasse ich hier den Esel schon wieder und nehme den direkten Weg über die Ardeystraße auf den Schnee hinauf. Das schlaucht ganz schön, auch weil die Sonne von einem völlig wolkenlosen Himmel herunterknallt. Aber ich lege es heute nicht auf Puls-Rekorde an und kurble ohne Hektik, aber konstant den Berg hinauf. Das zieht sich ganz schön, bis man dann endlich mal ganz oben ist!

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Der Ruhrtalradweg in Wengern: Langfristig umgeleitet

Nach flotter Schussfahrt nach Herdecke-Kirchende hinab biege ich ab ins beschauliche Endertal, was ich sonst über die Ender Talstraße hinabjage. Diesmal biege ich am Krankenhaus aber nach links auf den Waldweg ab, den ich schon so lange mal unter die Räder nehmen wollte. Leider ist das Erlebnis dann mehr als enttäuschend: Der Weg ist rumpelig und knüppelhart, das kann man sich eigentlich nur vollgefedert zumuten. Zudem besteht die Decke auf dem ersten Stück, soweit ich das sehen kann, vermutlich aus kleingeschreddertem Bauschutt – mit unzähligen Keramik- und Glasscherben darin. Wer kommt denn bitte auf so eine Idee…? Weiter unten ist dieser Graus dann vorbei, dafür rüttelt mich die katastrophal unebene Wegoberfläche brachial durch. Nee, das war vielleicht das erste, ganz sicher aber auch das letzte Mal, dass ich hier entlang gefahren bin – das nächste Mal nehm ich wieder die Straße!
Unten im Ruhrtal angekommen, biege ich links in Richtung Wetter ab, um dort die Ruhrseite zu wechseln und auf dem Ruhrtalradweg zurück nach Witten zu fahren. Unterwegs in Wengern ist der Radweg für den Rest des Jahres gesperrt (was machen die da eigentlich?), die Umleitung auf der anderen Seite der Eisenbahntrasse ist aber bestens ausgeschildert.
In Witten angekommen, entscheide ich mich dann für die Direttissima zurück nachhause: Nachtigallbrücke, Sprockhöveler Straße, Bochumer Straße. Reicht für heute, das Abendessen wartet!

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Leider nur mit dem ollen Handy geschossen: Panoramablick von der Wetterer Ruhrbrücke in Richtung Wengern.