Voll am See

Bochum-Langendreer - Umrundung Kemnader See - BO-Langendreer (22,8km)

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Suchbild am querenden Radweg: Wo ist das Vorfahrt-gewähren-Schild?

Weil das Wetter ausnahmsweise mal mitspielt (was ist denn das für ein Sommer dieses Jahr…?) und der Zeitplan es erlaubt, gönne ich mir eine Heimatrunde um den Kemnader See. Leider ist dort ziemlich voll, was viel Aufmerksamkeit erfordert. Zudem habe ich diesmal das Gefühl, dass sich die drei Hauptgruppen, die den See umrunden – Fußgänger, Skater und Radfahrer – regelrecht belauern, um sich gegenseitig Fehlverhalten vorwerfen zu können. Krönung des Ganzen ist ein Radfahrer, der mich auf dem Radweg anmeckert, dass ich da nicht zu fahren hätte. Das es sich um einen Radweg handelt, will er nicht mehr hören und schiebt abwinkend und schimpfend weiter. Mein lieber Scholli, entspannt ist aber anders.

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Auflösung: Von einem merkbefreiten Primaten um 90 Grad gedreht.

Mein negatives Highlight ist allerdings die Zufahrt zum See-Parkplatz (Google Maps). Diese wird vom Radweg gekreuzt, Radfahrer haben dort Vorfahrt. Dementsprechend ist die Parkplatzzufahrt für Autos in beiden Richtungen mit Vorfahrt-gewähren-Zeichen beschildert. Ein “Spaßvogel” hat nun eines dieser Schilder um 90 Grad gedreht (”höhö, da müssen die blöden Radfahrer jetzt warten!”). Das wiederum hat zur Folge, dass sich im schlechtesten Fall Fahrrad- und Autofahrer ihrer Vorfahrt gewiss sind und es herzhaft scherbelt. (Was während der fünf Minuten, die ich an dieser Stelle stand, einmal tatsächlich fast passierte.)
Da sonntags nicht mit Einsatzfähigkeit des Tiefbauamts zu rechnen ist, melde ich diesen gefährlichen Missstand der Polizei – und ärgere mich auf dem Heimweg (mehr als mir lieb ist) über derartige Idiotie.

Darß: Im Uhrzeigersinn um Bodstedter und Saaler Bodden.
Zingst - Pruchten - Bodstedt - Saal - Damgarten - Ribnitz - Dierhagen Dorf - Wustrow - Ahrenshoop - Born - Wieck - Prerow - Zingst (91,2km, Route bei GPSies.com)

 

Und es begab sich zu einer Zeit, dass der Wettermann sprach: Ich schenke euch einen ganzen Tag voll Sonne, nutzet ihn zu eurer Gunst. Und die Menschen verstanden; und der, den sie schickten, der hatte ein blaues Fahrrad, und unten am Kopfe trug er einen stattlichen Bart.

So steht es schon in den alten Schriften! Naja, oder so ähnlich. Jedenfalls hatte der Wetterbericht tolles Wetter versprochen, und da ich sowieso am liebsten den ganzen Tag auf dem Fahrrad herumlümmele, gehe ich mein lang ersehntes Urlaubsfinale an: Einmal aufs Festland, den Barther und den Saalstedter Bodden umrunden und über Fischland wieder zurück auf den Darß. Vom Himmel prasselt die Sonne, dass es nur so eine Freude ist, nur der Wind geht recht ordentlich von Westen. Ich verlasse den Darß auf inzwischen wohlbekannten Pfaden über die Meiningenbrücke und biege in Pruchten nach Westen ab. Hier beginnt unbekanntes Terrain, aber ich bin frohen Mutes dank meines GPS-Helferleins am Lenker und der Fahrradkarte im Gepäck.

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Schön ists im Wald bei Neuendorf.

Ich bin nun auf dem Radwanderweg “Östliche Backstein-Route” (ÖBR) unterwegs, bekomme aber den Tipp von einem einheimischen Radler: Fahr lieber durch den Wald nach Neuendorf, das ist die schönere Strecke. Ich folge seinem Rat, und es lohnt sich. Still ists im Wald, angenehm schattig und wirklich schön zu radeln. Dann folge ich wieder der ÖBR und komme nach Saal, wo mich ein kleines Brückenstück neugierig macht. Die alten Schwellen auf der dahinrostenden Konstruktion deuten auf eine Eisenbahnstrecke hin, die hier wohl mal entlangführte; für Regelspur sind sie aber zu schmal. Ein paarhundert Meter weiter, auf einem Radweg, der verdammt nach einer alten Bahntrasse aussieht, treffe ich dann einen Ortsansässigen, den ich freundlich frage. Er erzählt mir mit leuchtenden Augen von den Zeiten, als hier noch die Eisenbahn die Rüben nach Barth brachte (und abends die Bauern aus der Kneipe nachhause). Der Radweg liegt tatsächlich auf der alten Trasse der Franzburger Kreisbahnen, die meterspurig von Damgarten über Saal nach Barth führte. In den Sechzigern sei die Strecke dann aber stillgelegt worden, erzählt er mir, und aus dem Saaler Bahnhof ist das Gemeindehaus mit Kindergarten geworden ‒ unter anderem durch seiner Hände Arbeit. Ein Stück weiter steht in Kückenshagen an der Molkerei noch ein altes marodes Bahngebäude, gibt er mir noch mit auf den Weg. Und tatsächlich, nach Jahrzehnten ist immer noch zu sehen, dass hier weiland eine Bahn entlangzuckelte.

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Im Hafen Ribnitz

Über Damgarten erreiche ich dann Ribnitz (was, wie ich lernte, übrigens nicht “Riebnitz”, sondern “Ribbnitz” gesprochen wird) und mache am Hafen eine kurze Mittagsrast. Am Ribnitzer See entlang geht es dann weiter in Richtung Dändorf. Immer wieder schmunzele ich über die kreativen Radwegweiser: Einfach die Ortsnamen und Entfernungsangaben auf einen großen Findling pinseln, auch sowas schmückt eine Radroute! Offenbar hatten die Urheber dabei mächtig Spaß, denn neben den eigentlichen Wegweisern findet man dann auch Kuriositäten wie die extra beschilderte “Opi-Wolter-Kurve”: “Zu Ehren von Opi Wolter, der hier die Kurve nicht bekam”. Ein amüsierendes Gedankenspiel, wie es wohl dazu gekommen sein mag…
Ich habe inzwischen die Östliche Backsteinroute verlassen und befinde mich auf dem Fischland-Darß-Zingst-Rundweg. Immer am Bodden entlang, erreiche ich über Dändorf Dierhagen. Dort gönne ich mir am Hafen ein herzhaftes Fischbrötchen und fülle die Zuckerspeicher mit Cola neu auf.

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Pause in Dierhagen: Fischbrötchen am Hafen

In Dierhagen komme ich nun wieder an die Ostsee und biege auf den Ostseeküsten-Radweg ein. Bisher hatte ich oft und viel Gegenwind, das ändert sich nun ‒ ich komme verdammt flott voran. Ich jage über Wustrow bis Ahrenshoop, wo ich die Ostsee wieder verlasse und am Saaler Bodden entlang fahre. Ach was, fahre: Rase! Der Wind bläst kräftig von Westen, und nun bin ich exakt in seiner Richtung unterwegs. Trotz mehr als 65 bereits gefahrener Kilometer habe ich keine Probleme, stets knapp an der Dreißig zu kratzen. Sehr zum Unmut der mir entgegenkommenden, sich gegen den Wind stemmenden Pedalisten…
Ich flitze durch Born und Wieck, vorbei an schicken kleinen Reetdach-Häuschen mit den so typischen bunten Darßer Türen. Unterwegs sehe ich in der Ferne die Meiningenbrücke, Luftlinie vielleicht nur drei Kilometer entfernt. Allerdings liegen Bodstedter Bodden und Prerow-Strom dazwischen, die ich noch umrunden muss, also habe ich noch einige Zusatzkilometer vor mir. Dabei wird es dann auch nochmal ordentlich anstrengend, denn ein, zwei Kilometer muss ich nochmal gegen den Wind fahren. Wie das nach der langen Strecke schlaucht! Irgendwann habe ich Prerow dann aber erreicht und kann von nun an wieder mit vollem Rückenwind auf dem Ostsee-Deich ostwärts nach Zingst jagen, wo meine Runde begann und nun wieder endet.

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Sieht näher aus, als sie ist: Die Meiningenbrücke.

Auf die mehr als neunzig gefahrenen Kilometer schaue ich mit größter Freude zurück: Die Boddenrunde hat immer wieder Abwechslung zu bieten, sie führt über Felder, durch Wälder, mal an der Ostsee entlang, mal am Bodden. Auch und vor allem abseits der Küstenlinie gibt es so viele Orte, Landschaften und Kleinode zu entdecken, dass ein flotter Tagesritt auf dem Fahrrad längst nicht ausreicht, um alles gesehen zu haben. Die Radweg-Ausschilderung ist vielleicht nicht perfekt, aber meist ausreichend und bisweilen sehr hübsch und kreativ umgesetzt. Und auch wenn doch mal an entscheidender Stelle ein Schild fehlt, kommt man mit ein wenig Intuition und grobem Richtungsverständnis stets weiter. Ich kann Ostsee-Urlaubern nur wärmstens empfehlen, den touristisch vollkommen überlaufenen Küstenstreifen zu verlassen und das vorpommersche Hinterland zu entdecken. Es lohnt sich!

Darß: Zingst - Bresewitz - Barth - Bresewitz - Zingst (31,3km, Route bei GPSies.com)

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Der Radweg auf der Darßbahn-Trasse: Nicht viel breiter als das Gleis, das vorher hier lag

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs führte eine Eisenbahnstrecke von Barth über Zingst nach Prerow: Die Darßbahn. Von ihr ist noch so einiges zu sehen: Der Bahndamm und einige Brücken stehen noch, und wo noch nicht der Radweg auf den Bahndamm gebaut wurde, liegen auch noch die Gleise. Schon lange wird darüber nachgedacht, diese Strecke zu reaktivieren. Nicht nur von Eisenbahn-Enthusiasten, sondern offenbar auch von der Usedomer Bäderbahn (UBB), der die Strecke (oder das, was davon noch da ist) gehört. Der Radweg von Zingst hinüber aufs Festland nach Barth führt die ganze Zeit parallel zur Darßbahn-Trasse, da gibt es natürlich viel zu entdecken. Genau das wollte ich auf dieser Tour nach Barth tun.
Fährt man auf dem alten Bahndamm aus Zingst heraus, fällt auf, wie schmal der Radweg ist ‒ mit den gleichen Folgen wie am Radweg auf dem Ostsee-Deich: Bei Gegenverkehr, insbesondere mehrspurigem, kann es ganz schön eng werden. Zusätzlich stehen aus dem an sich sehr guten Asphalt immer wieder recht steile Wurzelaufbrüche heraus, die man im Schattenspiel des Laubwerks nur selten früh genug sieht. Man muss also stets sehr konzentriert sein, was das Radfahren an dieser Stelle ziemlich unentspannt macht. Das passt nicht so ganz dazu, dass auch diese Strecke ein Teilabschnitt des touristisch vermutlich nicht ganz unbedeutenden Ostsee-Küstenradwegs ist. Auch sonst ists schade, denn an sich ist man an dieser Stelle mitten in der Natur unterwegs und durch einen schmalen Waldstreifen und ein Feld akustisch auch gut von der parallel verlaufenden Straße abgeschirmt.

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Gefahrenstelle: Querung der L21.

Die Querung der L21 kurz vor der Meiningenbrücke kann dann getrost als Gefahrenstelle bezeichnet werden. Hier muss man den flott dahinbrausenden Autoverkehr gut beobachten, um “die Lücke” zu finden. Da sämtlicher Verkehr zwischen Barth und Prerow hier durch muss, ist das vor allem an An- und Abreisetagen der Touristen keine Freude.
Dann erreichte ich die Meiningen-Brücke. Über diese schmale Drehbrücke gelangten früher Autos und Eisenbahn auf den Darß ‒ ein echtes Nadelöhr. Die Eisenbahn fährt schon lange nicht mehr, und dem restlichen Verkehr hat man parallel eine Ersatzbrücke gebaut. An deren Ende sah ich Interessantes: Auf dem dort wieder beginnenden Gleis der Darßbahn in Richtung Bresewitz stand ein Schienen-Unimog, und die Presse war auch vor Ort. Ein wenig abseits stand ein Auto der UBB, in dem zwei Arbeiter saßen und offenbar warteten. Ich kam mit Ihnen ins Gespräch und wollte wissen, ob denn eine Reaktivierung der Darßbahn geplant sei ‒ oder was denn der Unimog da auf dem Gleis mache? Sie erzählten mir, dass aktuell vor allem der Bahndamm und die verbliebenen Gleisanlagen gepflegt würden. Über eine Wiederaufnahme des Verkehrs würden höhere Instanzen diskutieren ‒ wie immer sei alles eine Frage des Geldes. Die UBB wollen die Strecke gern wieder in Betrieb nehmen, auch die Gemeinden und deren Tourismusbetriebe würden sich darüber sicher freuen. Auf Usedom sieht man ja die positiven Effekte regelmäßigen Bahnverkehrs. Allerdings kann die “kleine” UBB die nötigen Millionen nicht mal eben selbst auf den Tisch legen, da wird noch viel Arbeit bei Bund, Land, EU und der Deutschen Bahn (als UBB-Muttergesellschaft) zu leisten sein.

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Der Bodden links und rechts der Meiningen-Brücke gehört noch zum Nationalpark.

Was ich nicht wusste: An diesem Tag war der Infrastruktur-Chef der DB vor Ort, um die Möglichkeiten für den Wiederaufbau der Darßbahn auszuloten. Deswegen die Presse! Aber da an diesem Tag nur nichtssagende Aussagen à la “wir haben die Bereitschaft, alles mögliche zu denken” (Profalla laut OZ-Artikel) herauskamen, wird der UBB-Techniker wohl recht haben: Bis das nötige Geld zusammen ist, die Planungen abgeschlossen sind und die Bauarbeiten beginnen, wird es wohl tatsächlich noch eine Dekade dauern.
Ich für meinen Teil fuhr weiter, immer entlang der Trasse in Richtung Barth. Auch hier ist der Radweg zu schmal ‒ vielleicht sind das nicht umstandsbedingte Einzelfälle, sondern eine generelle Planungsschwäche der beteiligten Behörden?

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Nicht (mehr) viel los am Bresewitzer Bahnhof

Nachdem ich in Barth einige Besorgungen und am Hafen Mittag gemacht hatte, fuhr ich auf gleichem Weg wieder zurück. Unterwegs schaute ich mir endlich einmal das alte Bahnhofsgelände in Bresewitz an, an dem ich bisher immer nur vorbeigefahren war. Hier soll sich laut Karte das Darßbahn-Museum befinden; auf den Gleisen stehen einige alte Waggons. Leider erfuhr ich nicht wie erhofft mehr Details zur Darßbahn ‒ sondern nur, dass es das Darßbahn-Museum gar nicht mehr gäbe. Ein Ortsansässiger erzählte mir, dass es auf dem Bahnhofsgelände vor einigen Jahren tatsächlich noch viele Aktivitäten des Museumsvereins gab, eine Ausstellung zur Geschichte der Bahn und viel Musik und Kultur. Aber so nach und nach schwand das Engagement der Mitglieder, es mangelte an Nachwuchs … und so finden aktuell nur noch ein paar wenige Konzerte pro Jahr auf dem Bahnhofsgelände statt. Das Bahn-Museum selbst und die angeschlossene Kunstgalerie gibt es nicht mehr. Schade, da hätte man sicher noch ein paar spannende Geschichten erfahren können.
Wer weiß, in zehn Jahren hat die UBB die Trasse bis Prerow ja vielleicht wiederbelebt ‒ dabei blieben dann bestimmt auch ein paar Mittel für ein schickes kleines Darßbahn-Museum übrig. Aus touristischer Sicht wäre das zu begrüßen, ich finde, da liegt gerade ein gutes Potential brach.

Darß: Zingst - Prerow - Leuchtturm Darßer Ort - Prerow - Zingst (32,0km, Route bei GPSies.com)

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Der Radweg auf dem Deich: Viel los, leider recht laut und zu schmal.

Petrus lässt keinen Zweifel aufkommen: Heute gehts aufs Rad! Nachdem ich ein paar Tage zuvor bereits das Ostende des Darß bereist hatte, soll es nun nach Westen gehen: Mein Ziel ist der Leuchtturm Darßer Ort; auf dem Weg dahin liegt Prerow. Die einzige Verbindung für Fahrradfahrer zwischen Zingst und Prerow ist der Radweg auf dem Ostsee-Deich. Der beherbergt auf diesem Streckenabschnitt auch den Fischland-Darß-Zingst-Rundweg und den Ostseeküsten-Radweg, letzterer eine Fernradwanderroute mit allein 660 Kilometern Länge nur in Mecklenburg-Vorpommern. Dieser Bedeutung wird der Radweg baulich leider nicht gerecht, er ist schlicht zu schmal. Und so ist es auf Dauer recht anstrengend, immer hochkonzentriert mit den anderen Radlern zu interagieren ‒ erfahrene Langstreckentourer, Familien mit radelnden Kids, aber auch Urlauber, die auf ihren mit allerlei Strandutensilien beladenen Leihrädern zum nächsten Dünenübergang schlingern. Dazu kommen noch die Fußgänger, die den Radweg queren müssen, um zum Strand zu gelangen. Zu allem Überfluss verläuft direkt neben dem Deich die Straße, sodass es auch relativ laut ist. Vermutlich radelt es sich hier in der Nebensaison bedeutend entspannter.
In Prerow selbst ist dann natürlich auch viel los, auch hier ist noch einmal einiges an Konzentration nötig. Aber schließlich bin ich im Urlaub, also schalte ich einen Gang runter und ertrage das Geknubbel stoisch. Gelassen läufts!

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Im Darßer Urwald bei Prerow

Westlich von Prerow geht es dann in den Darßer Urwald. Große Schilder weisen darauf hin, dass man nun wieder im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft ist und sich entsprechend verhalten sollte. Die Wege sind nach dem Regen der letzten Wochen hier und da ein wenig aufgeweicht, aber meist gut zu fahren. Es ist still, die Luft riecht wunderbar nach Wald, und die Bäume zaubern Schattenspiele auf den Boden. Die Radroute verläuft auf einem Parallelweg zum ausgeschilderten (Fuß-) Wanderweg. Ein schlauer Kniff ‒ damit kommen sich Radler und Wanderer nicht in die Quere, was die Reise noch entspannter macht.
Die letzten anderthalb Kilometer zum Leuchttum Darßer Ort teilen sich Fahrradfahrer und Wanderer dann wieder einen Weg ‒ der dummerweise aus rumpeligen Betonplatten besteht. Das ist nicht sonderlich angenehm, aber irgendwann auch wieder vorbei. Dann hat man nämlich den Fahrradparkplatz am Fuß dem Leuchtturms erreicht. Von hier aus ist der Strand zu Fuß zu erreichen, oder man erklimmt den Leuchtturm oder besucht das Natureum.
Interessanter Fakt: Die Ostsee knabbert permanent an der Westküste des Darß. Wo heute noch der Leuchtturm steht, wird in 50 Jahren schon das Wasser branden. Die abgetragenen Sandmassen verteilt die Strömung dann in östlicher Richtung ‒ der Darß “wandert” also nach Osten.

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Panorama-Ansicht: Leuchtturm Darßer Ort.

 
Leider bin ich ‒ mitten in der Hauptsaison! ‒ natürlich nicht der einzige, der hierher unterwegs ist. Der Fahrradparkplatz ist groß, aber komplett voll, und sowohl am Turm als auch am Strand sind überall Leute unterwegs. Auch hier ist es in der Nebensaison sicher bedeutend entspannter.

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Darßer Ort: Völlig überlaufen :(

Nach kurzer Rast nehme ich den Rückweg unter die Räder und variiere die Route durch den Darßer Urwald ein wenig: Statt nach Süden der ausgeschilderten Radroute zu folgen, biege ich nach Norden ab und passiere parallel zur Küstenlinie die nicht enden wollenden Prerower Zelt- und zugehörigen Parkplätze. Wahnsinn, welche Menschenmassen hier Jahr für Jahr den Urlaub verbringen. Immerhin lässt es sich auf der Straße recht entspannt fahren, vielleicht sitzen die alle grad beim Mittag.
Der Rest des Rückwegs ist dann nichts Neues mehr: Geknubbel in Prerow, zu schmaler Radweg bis Zingst. Bei leckerem Softeis (an der vermutlich am chaotischsten geführten Imbissbude von ganz Mecklenburg-Vorpommern) lasse ich die Tour Revue passieren. Schön hier auf dem Darß!

Darß: Zingst - Pruchten - Barth - Fuchsberg - Barth - Pruchten - Zingst (38,2km, Route bei GPSies.com)

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Blick zurück nach Barth. Ab hier wirds mückig.

Kurz nach sieben abends fällt mir auf, dass ich immer noch keine Strandmuschel habe. Und morgen soll tolles Strandwetter werden! Also schnell in die Radklamotten und ab nach Barth ‒ hatte der Laden, der die Strandmuscheln draußen in der Grabbelkiste stehen hatte, nicht auch am Sonntag bis acht abends geöffnet? Bis dort sind es laut meiner Fahrradkarte geschätzte 15 Kilometer, das sollte in einer Dreiviertelstunde zu schaffen sein. Also los!
Mit dem Ziel, es nur ja bis um acht nach Barth zu schaffe, jage ich los und ignoriere die landschaftlichen Schönheiten links und rechts des Wegs. Leichter Gegenwind und der Mangel an Trainingskilometern machen die Hatz ziemlich anstrengend, und so bin ich froh, als ich eine Minute vor acht (!) auf den Parkplatz des Ladens einbiege. Im Kopf lege ich mir einen freundlichen Satz zurecht, um die Kassiererin, die ihren Feierabend sicher schon herbeisehnt, milde zu stimmen. Und dann: Alles geschlossen. Ja, die haben auch sonntags auf ‒ aber eben nur bis um sieben. Mëh.

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Nicht nur an der Küste ists schön, sondern auch im Hinterland.

Okay, dann kann nun der touristische Teil der Fahrt beginnen. Laut Karte ragt eine Landzunge in den Barther Bodden hinein, dort als “Hinterste Berge” bezeichnet. Der Radwegweiser beschildert den Abzweig mit “Wandergebiet Fuchsberg”. Wie auch immer, das sieht nach einem kleinen Abenteuer und viel, viel Natur aus. Los gehts! Der Weg ist etwas rumpelig und für eine Familientour nicht zu empfehlen. Dafür ist es sehr ruhig, und ein Blick zurück zeigt Barth mit seiner Marienkirche im abendlichen Licht am Ufer des Boddens. Nur kann ich leider nicht allzu lange anhalten, hier befinde ich mich mitten im Mückenparadies. Die sind überall ‒ und was das für Riesenviecher sind! Die warme Feuchtigkeit der letzten Wochen hat die Mücken dieses Jahr zur echten Plage werden lassen. Was am Ostseestrand mit einer kleinen Brise kein Problem darstellt, ist hier, feuchte Wiesen auf der einen, das Schilfufer des Boddens auf der anderen Seite des Wegs, einfach nicht auszuhalten. Also halte ich mich nicht lange mit Fotografieren auf, sondern fahre weiter in Richtung des vor mir liegenden Waldes. An dessen Rand stehen einige hohe hölzerne Aussichtstürme, von denen man weit über den Bodden und seine Ufer sehen kann. Überall hört und sieht man allerlei Wasservögel, das ist sicher ein Paradies für (mückenresistente) Ornithologen. Ich selbst folge weiter dem Weg, der an der Spitze der Landzunge nicht mehr als eine kleine schlammige Schneise durch Wald und Schilf ist. Auf der Karte ist dieses Wegstück als “mäßige Oberfläche (feste und etwas unebene Wege)” ausgezeichnet ‒ eine glatte Lüge.

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Spätabends an der Meiningenbrücke

Der sich anschließende, noch recht intakte Plattenweg bringt mich ‒ vorbei an der Gedenkstätte für das Strafgefangenenlager “Stalag Luft I” ‒ wieder zurück nach Barth. Von dort aus führt der Radweg (hier übrigens als Abschnitt des Ostseeküstenradwegs) an der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Barth-Zingst-Prerow entlang. Über die Meiningenbrücke geht es hinüber auf den Zingst, wo mich noch einmal Wolken von Mücken erwarten. Ich ziehe mir das Tuch über Mund und Nase und sehe zu, dass ich flott mein Ferienquartier erreiche.
Obwohl ich keine Strandmuschel bekommen konnte, war das eine wirklich lohnende Tour mir durchaus abenteuerlichen Abschnitten. Einiges am Wegesrand bleibt noch auf meinem Zettel für spätere Touren, zum Beispiel das Darßbahn-Museum in Bresewitz.