Voll am See

Bochum-Langendreer - Umrundung Kemnader See - BO-Langendreer (22,8km)

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Suchbild am querenden Radweg: Wo ist das Vorfahrt-gewähren-Schild?

Weil das Wetter ausnahmsweise mal mitspielt (was ist denn das für ein Sommer dieses Jahr…?) und der Zeitplan es erlaubt, gönne ich mir eine Heimatrunde um den Kemnader See. Leider ist dort ziemlich voll, was viel Aufmerksamkeit erfordert. Zudem habe ich diesmal das Gefühl, dass sich die drei Hauptgruppen, die den See umrunden – Fußgänger, Skater und Radfahrer – regelrecht belauern, um sich gegenseitig Fehlverhalten vorwerfen zu können. Krönung des Ganzen ist ein Radfahrer, der mich auf dem Radweg anmeckert, dass ich da nicht zu fahren hätte. Das es sich um einen Radweg handelt, will er nicht mehr hören und schiebt abwinkend und schimpfend weiter. Mein lieber Scholli, entspannt ist aber anders.

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Auflösung: Von einem merkbefreiten Primaten um 90 Grad gedreht.

Mein negatives Highlight ist allerdings die Zufahrt zum See-Parkplatz (Google Maps). Diese wird vom Radweg gekreuzt, Radfahrer haben dort Vorfahrt. Dementsprechend ist die Parkplatzzufahrt für Autos in beiden Richtungen mit Vorfahrt-gewähren-Zeichen beschildert. Ein “Spaßvogel” hat nun eines dieser Schilder um 90 Grad gedreht (”höhö, da müssen die blöden Radfahrer jetzt warten!”). Das wiederum hat zur Folge, dass sich im schlechtesten Fall Fahrrad- und Autofahrer ihrer Vorfahrt gewiss sind und es herzhaft scherbelt. (Was während der fünf Minuten, die ich an dieser Stelle stand, einmal tatsächlich fast passierte.)
Da sonntags nicht mit Einsatzfähigkeit des Tiefbauamts zu rechnen ist, melde ich diesen gefährlichen Missstand der Polizei – und ärgere mich auf dem Heimweg (mehr als mir lieb ist) über derartige Idiotie.

Reboot.

Bochum-Langendreer – Kemnader See – BO-Langendreer (17,5km)

Tja, das hat ja nicht so toll geklappt mit dem Radeln letztes Jahr. Neustart, ich geh es ohne Hatz frisch an.

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - WIT-Herbede - Umrundung Kemnader See - BO-Langendreer (29,1km, Ø 25,4km/h, Route bei GPSies.com)

Offenbar hat Petrus ein Einsehen mit mir (und meinem dieses Jahr nur spärlichst gefüllten Tourenbuch) - und stellt zu Weihnachten den Regler auf Frühling. Fünfzehn Grad, sonnig und nur wenig Wind, das schreit nach einer kleinen Runde. Klein, da die Zeit begrenzt und der Trainingsstand miserabel ist. Aber immerhin: Ich schaffe es nochmal nennenswert aufs Rad dieses Jahr!
Unterwegs staune ich über Jogger im T-Shirt (Ende Dezember!) und freue mich über eine überraschende Begegnung (Mensch, ewig nicht gesehen!). Der Rest ist moderat-sportliches Rennradfahren auf Radwegen, die ob des überraschend milden Wetters ziemlich voll sind. Ich genieße jeden Meter, denn diese schönen Momente auf dem Rad waren leider äußerst rar* dieses Jahr. Danke, Petrus :)

* In Summe waren es nur 290 km auf dem Renner und lächerliche 55 auf dem Mounti. Reden wir nicht drüber…

City Slicker

Bochum-Langendreer - BO-Harpen - BO-Zentrum - BO-Stiepel - Kemnader See - BO-Langendreer (29,8km, Ø 24,1km/h, Route bei GPSies.com)

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Nennen wir es urbane Rennrad-Romantik.

Auf dem Fahrrad kann man in und um Bochum einiges erleben. Natur und Ruhe auf den Feldern, aber auch innerstädtisches Gewusel. Ich wollte beides, also fuhr ich zunächst über die Felder in Richtung Harpen. Dort tauchte ich dann ins Gewühl ein und folgte der Castroper Straße in die Innenstadt, wo ich frech im Verkehr mitwuselte. Wenn die Kollegen in den Autos erst einmal akzeptiert haben, dass da einer auf dem Rad genau so schnell ist wie sie, sind sie eigentlich ganz freundlich. Vielleicht gehört auch dazu, dass man sich an die Regeln hält und nicht ständig versucht, überall der Schnellere zu sein. An den Ampeln spare ich mir jedenfalls den Stress, immer bis ganz nach vorn zu drängeln, und bei Rot halte ich sowieso (Ampelignoranz ist ja ein sehr beliebter Vorwurf Fahrradfahrern gegenüber). Im Gegenzug nehme ich mir dann auch die Freiheit, eine Spur für mich zu beanspruchen und gleichberechtigt mit dem Verkehr mitzuschwimmen.

Weil ich noch Lust auf einen kleinen Anstieg hatte, fuhr ich aus der Stadt nicht direkt nachhause, sondern bog auf die Königsallee ab, nach Stiepel hinauf. Hier war mir das Glück dann noch hold, denn ein großer Reisebus vor mir hatte die selbe Route. Der hat mich so kräftig in seinen Windschatten gesogen, da konnte ich mich gar nicht wehren und musste notgedrungen mit 45 km/h bergan fahren! :)

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Dunkel ists abends am Kemnader See. Und still.

Von Stiepel ließ ich es dann hinab zur Ruhr rollen. Es war inzwischen dunkel, und überall war mit Laub auf der Straße zu rechnen. Also blieb ich hochkonzentriert und verzichtete auf Höchstgeschwindigkeitsorgien - ich hatte einfach keine Lust, mich lang zu machen.

Unten an der Ruhr verließ ich dann die Straße und schwenkte auf den Ruhrtalradweg entlang des Kemnader Sees ein. Welche Ruhe, welche Entspannung! Im Schein der Helmlampe sah ich so manches Augenpaar am Waldrand blinzeln und hatte dann schließlich auch noch die Freude, ein Reh aus allernächster Nähe zu beobachten.

Über die Kleinherbeder Straße spurtete ich dann heim - inzwischen plagte mich profaner, aber kräftiger Hunger.

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - Ruhrtalradweg über Witten-Heven zum Kemnader See - BO-Langendreer (23,9km, Ø 18,2km/h; Route bei GPSies.com)

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Da staunt der Besuch: Diese schnucklige Fähre wird uns - kostenlos! - über die Ruhr bringen.

Nach langer Zeit besuchte der Arild mich mal wieder in Bochum. Das wollte er auch dazu nutzen, sich die Schönheiten des Ruhrtals, die ich hier im Tourenbuch stets beschreibe, auf einer Fahrradtour endlich auch einmal persönlich anzusehen. Da er sein Rad nicht dabei hatte, setzte ich ihn auf mein ATB und radelte selbst auf dem Renner. Petrus spielte bestens mit, und weil wir leider nicht übermäßig viel Zeit hatten, plante ich “nur” eine flotte Runde über den Rheinischen Esel und den Ruhrtalradweg.
Wir durchquerten Langendreer zum Rheinischen Esel, auf dessen - ich zitiere mich Arild zuliebe selbst - “topfebenem” Belag wir gen Witten schwebten. Besonders fiel meinem Besuch dabei der Schotter links und rechts des Asphalts auf, der davon erzählt, dass dieser Radweg früher mal eine Bahntrasse war. Auch einige Gleis-Meter, die hier und da noch zu sehen sind, erinnern an diese Zeiten.

In Witten vermisse ich auch nach Jahren noch eine Möglichkeit, die Innenstadt vom Rheinischen Esel hinunter zur Ruhr stressfrei zu durchqueren. Aber Arild ist auf dem Fahrrad ja auch kein Kind von Traurigkeit, und so bahnten wir uns flott und gewitzt den Weg durchs Verkehrsgewühl. Nachdem wir schließlich die Ruhr überquert und den Ruhrtalradweg erreicht hatten, wurde die Umgebung wieder grün und das Radeln wieder entspannt. Auf dem Weg ruhrabwärts schmunzelten wir in Bommern noch kurz über die Lok-Namen der Muttentalbahn (hihi, “Gertrud”), bevor wir uns an der Burgruine Hardenstein von der gleichnamigen Ruhrtalfähre übersetzen ließen. Die Überfahrt ist grundsätzlich kostenlos, aber natürlich hat der aufmerksame Fahrgast immer etwas Klimpergeld für die Unterstützung dieses Unikums dabei.

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Toller Service für Radler an der Schleuse in Heven: Eine Pumpstation!

An der Schleuse in Heven (die, wie ich lernte, offiziell eigentlich “Schleuse Herbede” heißt), gönnten wir uns eine kleine Pause. Hier ist man - wie übrigens überall am Ruhrtalradweg zwischen Winterberg und Duisburg! - immer um das Wohl der Fahrradfahrer bemüht. So kann man sich nicht nur mit Eis und Bratwurst stärken, sondern dank der prominent platzierten Standluftpumpe auch dem Velo etwas Gutes tun. Ein toller Service!

Ein Stück weiter flussabwärts speist die Ruhr dann den Kemnader See. Hier konnte ich noch ein letztes Mal meine Fähigkeiten als Touristen-Guide beweisen und klärte meinen Besuch darüber auf, dass der Kemnader See der einzige Binnensee Deutschlands ist, der über eine komplette Hafenbefeuerung verfügt. Mit Leuchtturm! Damit kann man in der hiesigen Wassersportschule - mitten im Ruhrpott - sogar den Sportbootschein See machen. Okay, das mag jetzt nicht die ganz wertvolle touristische Information sein, aber zum Abschluss unserer kleinen Tour war das zumindest ein sehr amüsanter Fakt. Man soll ja auf Reisen auch was lernen!

Arild jedenfalls fuhr später recht beeindruckt wieder nachhause - derart grün, geschichtsbewusst und abwechslungsreich hatte er den Ruhrpott wohl nicht erwartet. Komm bald wieder vorbei, dann zeige ich dir auch mal das Ardeygebirge … oder das Bergische Land … oder das Sauerland … oder … :)