Erzgebirge: Großolbersdorf - Scharfenstein - Wilischthal - Gelenau - Thum - Venusberg - Scharfenstein - Großolbersdorf (30,4km, Ø 18,3km/h; Route bei GPSies.com)

Auch im Erzgebirge macht das Radeln immer wieder Spaß. Vor allem, wenn ich - wie zuhause im Ruhrpott - auf ehemaligen Bahntrassen unterwegs bin. So führte mich meine Tour von Großolbersdorf nach Thum auf der Trasse der damaligen Schmalspurbahn Wilischthal–Thum entlang. Von der ist nur noch wenig bis überhaupt nichts mehr zu sehen, wurde sie doch bereits Anfang der Siebziger stillgelegt. (Interessierten empfehle ich die Website der IG Schmalspurbahn Thumer Netz e.V., die zwar technisch und optisch nicht ganz up to date ist, aber jede Menge Detailinformationen bereithält.)

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Erzgebirgs-Idylle mit Fahrradfahrer und Kühen. Aufs Bild klicken für volle Größe (2.500 × 800 Pixel / 381 KB).
Umso spannender ist es, den Trassenverlauf zu erkunden und einzelne Überbleibsel aus alten Zeiten zu entdecken. Dabei half mir natürlich auch, dass ich einen orts- und geschichtskundigen Begleiter hatte. Diesem war es ein großes Vergnügen, mir zu vielen Trassen-Details, Landschaftsmerkmalen und Industrieruinen Fakten nennen zu können - und manchmal auch die eine oder andere lustige Anekdote. So wurde die Tour mal nicht übermäßig sportbetont, sondern vor allem sehr kurzweilig und lehrreich.
Nur das Wetter spielte nicht so recht mit, und so mussten wir den Rückweg ganz schnöde auf der Straße antreten. Mein Begleiter hatte mir eigentlich eine sportliche “Kletterpartie” durch den Wald hinauf versprochen, gekrönt von einer tollen Erzgebirgs-Aussicht ganz oben. Ins Wasser gefallen…
Das holen wir aber irgendwann noch nach, versprochen!

Erzgebirge: Großolbersdorf - Hohndorf - Wilischthal - Großolbersdorf (14,6km, Ø 12,5km/h; Route bei GPSies.com)

Durchs Land des legendären erzgebirgischen Volkshelden Stülpner-Karl führen viele Wanderwege. Sie bringen den Wandersmann durch Wälder und Felder, über Berge und durch Täler. Nur: Wer sagt, dass man auf Wanderwegen nicht auch radfahren darf?

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Panoramablick von Großolbersdorf in Richtung Scharfenstein. Aufs Bild klicken für volle Größe (4896 x 800 Pixel / 1,3 MB).

Meine kleine Rundreise entlang ausgeschilderter Wanderrouten führte mich von Großolbersdorf vorbei an Hohndorf nach Wilischthal, von wo aus ich eigentlich noch bis Zschopau fahren wollte. Leider war der Weg dahin versperrt, also drehte ich nach Wilischthal ab und fuhr zurück nach Großolbersdorf.
Da mein Fahrrad nicht gerade offroad-tauglich ist, gab es einige Steilpassagen, an denen ich absteigen und schieben musste. Nix zu machen mit Straßenreifen am moosigem Anstieg - Grobstollenfully-Fahrer haben da sicher mehr Spaß. Ansonsten war es aber eine tolle, wenn auch kurze Erzgebirgsrunde - mit überraschend vielen Höhenmetern und faktisch komplett abseits befestigter Straßen.

Böhmische Dörfer

Ostsachsen/Tschechien: Schmilka - Děčín - Děčínský Sněžník - Ostrov - Rájec - Bahratal - Langenhennersdorf - Pirna (70,0km, Ø 18,8km/h; Route bei GPSies.com)

Die Einladung meiner Brüder, meinen Osterurlaub in Sachsen mit einer gemeinsamen Fahrradtour zu krönen, konnte ich einfach nicht ausschlagen. Schließlich hatte der Wetterbericht über zwanzig Grad und Sonne ohne Ende versprochen! In aller Frühe holte mich André also an der Elbfähre in Birkwitz ab und rüstete mich mit Fahrrad und -klamotten aus. Die S-Bahn, in der wir dann auch den Arild trafen, brachte uns nach Schmilka, von wo aus wir dann entlang der Elbe nach Děčín radelten.
Fast 600 Meter über der Stadt thront der Děčínský Sněžník, den sieht man auch noch von Dresden aus. Dort wollten wir hinauf, nahmen aber nicht den direkten Weg (den ich 2006 als Betreuer eines Fahrradferienlagers schon einmal unter die Räder genommen hatte), sondern fuhren in einer großen Spirale durch den Wald faktisch “von hinten” hinauf. Das letzte Stück zum Sněžník-Plateau war für mich dann Neuland, ganz oben war ich bis dahin noch nie. Vom Aussichtsturm hat man einen senationellen Blick in alle Himmelsrichtungen, den uns in der Ferne leider ein leichter Dunst trübte:

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360°-Blick vom Sněžník. In der linken Bildhälfte kann man die Festung Königstein und den Lilienstein erahnen, im rechten Bilddrittel liegt Děčín im Tal. Aufs Bild klicken für volle Größe (9404 × 800 Pixel / 1,2 MB).

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Blick vom Sněžník hinunter nach Děčín. Unten sitzen André und Arild und langweilen sich.

Als wir unsere Anwesenheit in feierlichen Posen fotografisch festgehalten und uns am grandiosen Panorama sattgesehen hatten, schossen wir wieder hinab. Durch das (zumindest bei Kennern) legendenumwobene Ostrov gings im Wald weiter nach Rájec, wo man einige Meter weiter schon wieder in Deutschland ist. Wir fuhren tolle Waldweg-Passagen, die mit meinem eigenen, ungefederten Bike sicher keine Freude gewesen wären - mit Andrés Mounti aber wurde gerade das losere Geläuf zu einem wahren Genuss. “Eine Lecke!”, sozuagen.

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Ich fahre im Gelände!

Bei Bahratal kamen wir dann irgendwann auch wieder auf Asphalt und spurten entlang der Bahra und Gottleuba hinunter nach Pirna. Dabei legten wir noch einen spannenden Zwischenhalt am Langenhennersdorfer Wasserfall ein, zu dessen oberem Ende man durch einen engen Höhlengang hinaufkrauchen kann - der Sage nach hier sollen in diesen Gängen einst Zwerge gehaust haben. Das glaub ich aufs Wort - für alle anderen ists zwischen den Felsblöcken nämlich entschieden zu eng.
In Pirna trennten sich unsere Wege dann erst einmal, und die S-Bahn brachte mich zum Osterschmaus bei der lieben Verwandtschaft. Etwas später trafen dort auch André und Arild wieder ein, und wir resümierten diese wundervolle Ostertour beim Betrachten der zahlreich geschossenen Bilder. Die besten davon gibts hier:

Chemnitz: Euba - Niederwiesa - Euba (3x)
Euba - Niederwiesa - Flöha - Augustusburg - Erdmannsdorf - Euba
(70,4km, Ø 24,2km/h)

2010-07-24_1.jpgEs ist echt enttäuschend: Da ist das Wetter entgegen aller Voraussagen schonmal gut, seit Wochen wurde alles groß angekündigt, viele Leute zeigten Interesse - und dann erscheint trotzdem keiner zum Chemnitzer 24-Stunden-Radeln. Nur Rico (aus Berlin angereist) und ich waren mit dem Rad am Startpunkt; außer uns schafften es über den Tag verteilt nur noch ein paar Zuschauer (danke dafür!).
Optimistisch starteten wir trotzdem auf die klassische Runde: Von der Talsperre Euba zum Weißen Weg, rechts in die Beuthenbergstraße und dann ganz Euba hinunter bis nach Niederwiesa; dort vorm Bahnhof rechts und über die Alte Bierstraße wieder hinauf bis nach Euba.

2010-07-24_2.jpgIm ersten Durchgang regnete es an manchen Stellen noch ein wenig, im Großen und Ganzen wurde das Wetter aber immer besser. Der Wind sorgte dafür, daß die Straßen schnell abtrockneten, es waren wirklich gute Bedingungen zum Radeln. Leider waren aber auch nach drei gefahrenen Runden keine weiteren Radler zu uns gestoßen, und so beschlossen wir, das ganze Thema abzuhaken, die Standardrunde zu verlassen und lieber noch eine schöne Tour auf die Augustusburg zu machen. Das entsprach so ziemlich der Streckenführung des allerersten 24-Stunden-Radelns 2007 - wir schwelgten in herrlichen Erinnerungen, als wir die Burg erklommen. Hinunter nach Erdmannsdorf ließen wir es dann richtig rollen, fuhren entlang der Flöha und kämpften uns die Struth hinauf zurück nach Euba. Leider hatte Ricos Rad unterwegs einige nervige Macken, und bevor es ihm noch ganz auseinanderfiele, beendeten wir die ganze Aktion und fuhren ziemlich enttäuscht nachhause.

Großolbersdorf - Wiesenbad - Wiesa - Frohnau - Sehma - Cranzahl - Hammerunterwiesenthal - Oberwiesenthal - Fichtelberg und retour (112,0km, Ø 26,4km/h, Vmax 78,57km/h; Route bei GPSies.com)

Das stand schon lange auf meinem Zettel: Den Fichtelberg mit dem Rad bereisen! Der ist immerhin 1214 Meter hoch, was von meinem Startpunkt Großolbersdorf aus etwas mehr als 830 Netto-Höhenmeter bedeutet. Brutto sinds durch diverse Talquerungen natürlich bedeutend mehr - vielleicht finde ich mal eine ruhige Minute und die passende Software, um das mal auszurechnen. Nachtrag: Es sind etwa 1800 Höhenmeter, siehe GPSies.com.
Ich startete früh und war recht fix auf der B101 im Zschopautal, der ich bis Wiesenbad folgte. Dort bog ich nach Wiesa ab und fuhr bis Frohnau, wo ich wieder auf die B101 kam - sie aber in Cunersdorf schon wieder verließ und über Sehma, Crahnzahl und Neudorf bis Hammerunterwiesenthal radelte. Es ging die ganze Zeit (natürlich) bergauf, allerdings recht gemächlich, und mit dem richtigen Gang kam ich recht konstant mit 25km/h voran.
Ab Hammerunterwiesenthal fuhr ich dann auf der zu diesem Zeitpunkt glücklicherweise recht leeren B95, die am Wintersport-Mekka Oberwiesenthal vorbeiführt und danach ziemlich steil an der Flanke des Fichtelbergs emporsteigt. Dabei hat man die Grenze quasi immer in Rufweite - wenn dann ein Stück weiter oben die Fichtelbergstraße nach rechts in Richtung Gipfel abbiegt, ist man in der anderen Richtung schon nach wenigen Metern in Tschechien.
Ich bog natürlich rechts ab und kämpfte mich hochmotiviert bis auf den Gipfel. Gemein dabei: Es geht die ganze Zeit bergan, logisch, aber das steilste Stück wartet erst auf den allerletzten Metern. Reserven einplanen!
Oben angekommen, rastete ich ausgiebig bei Schnitzel, Fritten und Unmengen Cola, bevor ich mich auf den Rückweg machte. Dabei erreichte ich auf dem oberen Stück der B95 auch gleich noch meine neue Maximalgeschwindigkeit von 78,57km/h - was man dort aber nur bei wenig Verkehr probieren sollte. Auch gilts, die gleich darauf folgenden Spitzkehren mit Bedacht anzubremsen, da liegt nämlich auch mal das eine oder andere Steinchen auf der ansonsten hervorragenden Fahrbahn.
Der Weg zurück verlief dann unspektakulär, ich konnte es gut laufen lassen, wollte mich aber nicht zu sehr verheizen. Einen Kracher hatte ich mir nämlich noch aufgehoben: Aus dem Zschopautal fuhr ich nicht den “normalen” Weg nach Großolbersdorf hinaus, sondern bog in Hopfgarten rechts zum Hopfgärtner Berg ab - ein direkter Stich aus dem Tal hinaus, an einigen Stellen bis zu 21 Prozent steil. Da konnten die Waden nochmal tüchtig glühen, bevor ich sie nach tadelloser Pflichterfüllung nebst Restrumpf unter die Dusche stellte. Geile Tour!