“Das wollte ich nicht, sorry”: Gesprächskultur an der Ampel

Bochum-Langendreer – Witten – Herdecke-Kirchende – Wetter – Witten – BO-Langendreer (27 km)

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Endertal: Noch im Bau.

Auf meiner Herdecke-Runde hatte ich im September 2021 ein unschönes (wohl eher unfreiwillig komisches) “Gespräch” mit einem Autofahrer. Heute, auf ebenjener Route, kommt es erneut zu einer denkwürdigen Begegnung.

Unterwegs auf einer nicht übermäßig breiten Straße, überhole ich gerade eine Gruppe anderer Radfahrer. Wir fahren auf eine rote Ampel zu. Hinter mir heult ein Motor auf, und ein junger Autofahrer fährt ziemlich flott links an mir vorbei. Um direkt darauf scharf bremsend an der Ampel vor mir wieder rechts rein zu ziehen.

Ich stelle mich neben seine offene Seitenscheibe: “Du musst dich jetzt aber auch fragen lassen, ob dieses Überholen wirklich nötig war.”
Er, irritiert: “Wieso, war doch genug Platz?”
Ich, schmunzelnd: “Nee, leider gar nicht.”
Er, nach kurzem Rekapitulieren der Situation: “Oh, das wollte ich nicht, sorry!”
Ich: “Alles gut, ist ja nix passiert.”
Er: “Danke, hab einen schönen Feiertag!”
Ich: “Ja, ebenso!”

Ein paar Ecken weiter, auf dem Radweg bin ich zwischenzeitlich wieder an ihm vorbeigefahren, überholt er mich, setzt den Blinker zum Rechtsabbiegen – und winkt mich freundlich durch. Ich rufe “danke” und grüße, er lacht.

Niemand wurde beleidigt, kein Stolz verletzt, alles ist vollkommen gechillt. Geht also auch ganz ohne Knatsch. Und über allem scheint strahlend die Frühlingssonne.

Osterspaziergang auf Asphalt

Bochum-Langendreer – BO-Zentrum – BO-Stiepel – Kemnader See – BO-Langendreer (31 km, Ø 26 km/h, als GPX herunterladen)

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Radweg Unterstraße: Hier bin ich Fahrradfahrer, hier darf ich’s sein

Der Karfreitag geizt mit Sonne, der Himmel ist zugehangen und ein wenig trostlos. Nicht allzu viel zu erspähen von des Frühlings holdem, belebendem Blick! Allerdings versprechen sämtliche befragten Wetterfrösche einhellig, dass es trocken bleiben soll, also wage ich es und starte zu meinem ganz eigenen Osterspaziergang – auf Asphalt.
In Sorge, es könnte doch noch zu regnen beginnen, entscheide ich mich für eine Innenstadt-Runde: Sollte von oben Nasses auf die grünende Flur fallen, könnte ich so jederzeit und überall die nächste Bus- oder Straßenbahnhaltestelle ansteuern und öffentlich nachhause nahverkehren.

Auf dem Weg in die Stadt freue ich mich immer wieder über den sanierten Radweg an der Unterstraße: Endlich hat das zermürbende Diagonalplatten-Gerumpel ein Ende! Das war so unangenehm, dass ich auf dem Rennrad trotz der Benutzungspflicht lieber auf der Straße quetschende Enge ausgewichen bin. Nun liegt hier herrlich ebener Asphalt, auf dem auch mit ganz viel Reifendruck wunderbar zu radeln ist.

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Bochum (Symbolbild): An Blumen fehlt’s im Revier

Offenbar haben die Menschen heute anderes vor als im Auto zu sitzen, und so stresst mich die Wittener Straße bei weitem nicht so sehr wie üblich. Auch auf dem Innenstadtring ist nur mäßig Verkehr, und ich kann ganz entspannt meinen eigenen Stiefel fahren. Die Königsallee hinaus kurble ich ziemlich flott in rauhe Stiepeler Berge hinauf, von wo aus ich mir dann eine verwegene Schussfahrt zum Kemnader See hinab gönne. Aber alles noch im Rahmen, es ist immer noch deutlich zu früh im Jahr für die Jagd nach irgendwelchen Highscores. Am See gehe ich es dann sowieso noch deutlich entspannter an, es ist ein buntes Gewimmel geputzter Menschen unterwegs, die ich ja auch nicht unnötig stressen will.

Über die Kleinherbeder Straße fahre ich dann zurück nach Langendreer – und muss feststellen, dass ich vielleicht doch ein wenig zu flott unterwegs war, auf den letzten Kilometern gehen mir nämlich ziemlich unbarmherzig die Körner aus. Trotzdem steht am Ende ein respektabler 26er Schnitt auf dem Tacho, da grünet für den Rest der Saison Hoffnungsglück!

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Arvid Zimmermann entdeckt als Zugereister das Ruhrgebiet auf dem Fahrrad. Hier führt er sein Tourenbuch. Mehr Infos…

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