Rheinradweg: Koblenz – Andernach – Linz am Rhein – Remagen – Bonn (78 km, als GPX herunterladen)

Am Ende meiner Tour auf Etappe 13 des Rheinradwegs zwischen Bonn und Düsseldorf stand für mich bereits fest: Das war zweifellos schön, aber landschaftlich noch reizvoller muss es weiter südlich, auf Etappe 12, sein! Die führt von Koblenz nach Bonn, und genau diese Strecke ist mein Plan für den heutigen Tag. Der beginnt – wie bereits im Juli – unangenehm früh, aber die Anreise mit dem Zug dauert nun einmal fast drei Stunden. Die Sommerferien-Aktion des Landes NRW und seiner Verkehrsverbünde gilt noch, also zahle ich für die Strecke bis Bad Godesberg exakt nichts. Danach geht die Reise weiter nach Rheinland-Pfalz hinein, aber auch der Preis für dieses letzte Stück ist überschaubar. Wäre ich eine Stunde später unterwegs gewesen, hätte ich mir sogar noch das Fahrrad-Ticket sparen können, denn ich lerne: In Rheinland-Pfalz ist die Fahrradmitnahme im ÖPNV ab neun Uhr grundsätzlich kostenlos.

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Ist die Anreise weit, beginnt der Tag früh.

Große Freude bereitet mir auch der Zug, in dem ich reise: Der Regionalexpress 5 ist Teil des nordrhein-westfälischen Eisenbahn-Infrastrukturprojekts “Rhein-Ruhr-Express” (RRX), zum Einsatz kommen schicke und moderne Fahrzeuge vom Typ Desiro HC. Steckdosen an den Plätzen, kostenloses WLAN, Fahrradabteile, ebenerdiger Einstieg – das ist ein sehr angenehmes Zugfahren!

Ich lasse entspannt die Landschaft an mir vorbeiziehen, schmunzele bei Köln über den ICE mit Corona-Maske und erschrecke bei Sinzig über die katastrophale Urgewalt, mit der die Ahr hier kürzlich dem Rhein entgegengestürzt sein muss. Dabei sehe ich das liegengebliebene Geröll nur für einen kurzen Moment, der Zug ist hier ziemlich schnell unterwegs; aber im Laufe meines “Rückwegs” auf dem Fahrrad soll dieser Abschnitt noch einmal eine Rolle spielen.

Schließlich steige ich in Koblenz aus dem Zug und mache mich auf den direkten Weg hinab zum Rhein. Noch ein schneller Zwischenhalt beim Bäcker, und schon sitze ich mit frisch belegten Brötchen und einem dampfenden Kaffee am Rheinufer. Kaum Menschen unterwegs, die ersten landschaftlichen Eindrücke schon vor Augen, einen großartigen Tag vor mir: Ein solch herrliches Frühstück habe ich bereits auf meiner Tour im Juli genießen dürfen.

Irgendwann will ich dann aber auch los, also schwinge ich mich aufs Rad und beginne meine Reise. Die erste Station ist natürlich das Deutsche Eck, wo unterhalb der wuchtigen Festung Ehrenbreitstein die Mosel in den Rhein mündet. Hier, am ebenfalls ziemlich wuchtigen Kaiser-Wilhelm-Denkmal, sind kurz nach neun Uhr morgens nur vereinzelt Touristen unterwegs, und so kann ich die Szenerie in Ruhe auf mich wirken lassen. Dann steige ich wieder aufs Rad und beginne meine Tour “so richtig”.

Im Vergleich zur Juli-Tour verläuft der Radweg “Eurovelo 8” in diesem Abschnitt deutlich mehr direkt am Rheinufer. Dass man über lange Strecken den Fluss nicht zu sehen bekommt (und stattdessen z.B. durch Industriegebiete geleitet wird), hatte mich auf dem Abschnitt zwischen Bonn und Düsseldorf schon ein bisschen geärgert.

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Ziemlich viel Wasser im Rhein

Kurz nach Andernach, ganz in der Nähe der Burg Namedy, komme ich mit einem älteren Paar ins Gespräch, das sich als einheimisch vorstellt und mir einen wichtigen Hinweis gibt: Der linksrheinische Radweg ist im Mündungsgebiet der Ahr nicht zu befahren (wie wohl auch sämtliche Straßen dort) – offenbar hat die Ahr-Flut Mitte Juli ein komplettes Wohngebiet faktisch weggespült. Dieses Ausmaß der Zerstörung hatte ich aus dem Zugfenster nicht in Ansätzen sehen können und bin einigermaßen erschrocken. Nein, dort will ich ganz sicher nicht den zahlreich aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten (und immer noch anreisenden!) Hilfskräften als Gaffer im Weg stehen. Ich folge also dem gut- (und ernst-!) gemeinten Rat der beiden und wechsle in Bad Breisig mit der Fähre hinüber ans andere Ufer. Dort radele ich bis Linz weiter, wo mich die dortige Fähre wieder auf meine eigentliche Route zurückbringt.

Immer wieder erfreuen mich die kleinen, an die hier noch recht steilen Hänge des Rheintals gepressten Städtchen mit ihren teilweise sehr alten Häusern, Türmen und Kirchen. Mit deutlich mehr Zeit im Gepäck lässt sich hier sicher auf den Spuren so manch spannender Geschichte und Geschichten wandeln! Auch oben auf den Hängen gibt es sicher viel zu entdecken, immer wieder sehe ich kleine Aussichtspunkte und Kapellchen hoch über dem Rhein. Ich bin leider “nur” auf der Durchreise, aber fühle mich trotzdem angenehm inspiriert, hier vielleicht auch einmal auf eine ganz andere Art Urlaub zu machen.

Es ist Mittag geworden, und ich beschließe, in Remagen eine Pause einzulegen. Doch bevor ich mich um mein leibliches Wohl kümmere, halte ich an der selbst als Ruine immer noch recht beeindruckenden ikonischen Ludendorff-Brücke, vermutlich deutlich bekannter unter dem Namen “Brücke von Remagen”. Welche dramatischen Ereignisse sich hier am Ende des Zweiten Weltkriegs abspielten, beschreibt der Wikipedia-Artikel sehr anschaulich. Noch besser wäre es natürlich, das im westlichen Brückenkopf eingerichtete Friedensmuseum zu besuchen; auch das ist ein starkes Argument für mich, den Rhein noch einmal mit deutlich mehr Zeit zu bereisen. Für heute begnüge ich mich damit, einmal auf der Brückenrampe zu stehen und den Blick über die Stadt, den Fluss und die Brückenruine schweifen zu lassen.

Die Metzgerei Faßbender in Remagen hatte die clevere Idee, unten am Radweg ein Hinweisschild aufzustellen. Das lotst mich zuverlässig in den wohlduftenden Laden, wo mir auf die Frage nach einem herzhaften Mittagsimbiss zahlreiche überaus leckere Vorschläge gemacht werden. Ich entscheide mich für eine Siedewurst mit Kartoffelsalat und lasse mir, man kann ja nie wissen, auch noch ein Steak im Brötchen einpacken. Mit diesen Leckereien rolle ich hinab zur Uferpromenade, setze mich auf eine Bank und mache eine ausgiebige und äußerst köstliche Pause. Das sind diese fast schon kontemplativen Momente, für die ich auf diese Tour aufgebrochen bin!

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Von Remagen aus sieht man bereits die Burgruine Drachenfels.

Als ich dann irgendwann satt und zufrieden wieder aufs Rad steige, stelle ich ein wenig betrübt fest, dass ich das Ziel meiner heutigen Reise ja bereits fast erreicht habe. Vor Königswinter grüßt die Burgruine Drachenfels vom anderen Rheinufer, und schon bin ich auf Bonner Stadtgebiet. Das geht mir alles zu schnell, ich bin doch brutto noch keine fünf Stunden unterwegs, denke ich. Dann schaue ich auf den Tacho, der mir einen sportlichen Schnitt von 21 km/h auf deutlich mehr als 70 Kilometer Strecke präsentiert. Tja, da habe ich mich wohl vom ständig recht ordentlich wehenden Rückenwind zu ziemlich flotter Fahrweise verführen lassen! Aber ich will nicht meckern, mein Tag war großartig: So viele neue Eindrücke, so viele interessante Anregungen, hier und da auch wirklich nette Begegnungen und Gespräche, ganz nebenbei auch richtig guter Velo-Sport – einfach eine wunderbare Tour!

Am Bonner Hauptbahnhof fährt der RE 5 gen Ruhrgebiet dann quasi exakt in dem Moment ein, in dem ich den Bahnsteig betrete. Der Zug ist zwar deutlich voller als auf der morgendlichen Hinreise, aber ich finde einen Platz für mich und mein Rad und habe dann viel Zeit, mich zu entspannen und den Tag noch einmal gedanklich Revue passieren zu lassen.

Hat mir Etappe 12 des Rheinradwegs besser gefallen als Etappe 13, die ich im Juli fuhr? Ja, in allen Belangen. Die Landschaft ist einfach deutlich interessanter, die Radroute führt quasi immer direkt am Fluss entlang, und die Städte sind einfach … schöner. In letzter Konsequenz kann das ja nur heißen, dass ich nun auch noch weiter nach Süden vorstoßen muss – wie wäre es denn als nächstes mit dem Rheinradweg-Abschnitt zwischen Mainz und Koblenz…?

Rheinradweg: Bad Godesberg – Bonn – Köln – Leverkusen – Düsseldorf (116 km, als GPX herunterladen)

Hors d’œuvre: Eine Zugfahrt, die ist günstig

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Der Tag beginnt früh.

Oh Gott, was mache ich hier eigentlich? Es ist kurz nach fünf Uhr morgens, ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und zwinge mich dazu, wenigstens eine halbe Schüssel Müsli zu essen. Aber bei aller morgendlichen Trägheit: Ich habe Großes vor, und dafür lohnt es sich allemal, früh aufzustehen!
Noch vor dem ersten Hahnenschrei sitze ich in der S-Bahn und fahre bis Duisburg. Dort wechsle ich in den RE 6 nach Koblenz, aus dem ich in Bad Godesberg aussteige. Bezahlen muss ich für all das nichts: Das Land NRW und die dort ansässigen Verkehrsverbünde erweitern den Geltungsbereich diverser Abo-Tickets für die Dauer der Sommerferien auf sämtliche Nah- und Regionalverkehrsmittel landesweit – mit meinem ollen Bochumer Monatsticket komme ich also ohne Zusatzkosten überall hin in NRW, und ich kann sogar noch mein Fahrrad mitnehmen!

Amuse-Gueule: Abstecher in die Vergangenheit

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Frühstück am Rhein

In Bad Godesberg starte ich den Tag – nach einem flotten Abstecher zur Godesburg – mit einer sentimentalen Reise in meine Jugend. Hier habe ich, das ist inzwischen schon fast zwanzig Jahre her, tatsächlich einmal gewohnt. Und so besuche ich vor meiner eigentlichen Fahrradtour noch einmal die Stätten der vergangenen Zeit und freue mich, dass ich so einiges noch wiedererkenne. Dann aber genug des Gefühlsdusels, mit belegten Brötchen und einem frisch aufgebrühten Kaffee vom Bäcker radele ich durchs Villenviertel hinunter zum Rhein. Hier ist er also, der Strom, den ich heute den ganzen Tag lang begleiten will! Entspannt frühstücke ich am Ufer und sehe den Schiffen beim Vorbeiziehen zu, bevor ich mich dann endlich aufs Rad schwinge und meine eigentliche Reise starte.

Hauptgang: Ein ganzer Tag am Fluss

Mein Plan für den Tag ist die Etappe 13 des Rhein-Radwegs. Bei radkompass.de gibt es die Strecke als GPX-Datei zum Herunterladen. Die habe ich mir auf dem Handy in die passende App eingespielt, ich werde den Weg also nicht verpassen können. Die Beschilderung ist aber auch ordentlich, und auf einem Flussradweg kann man eh nicht allzu viel falsch machen: Solange du den Fluss siehst, bist du zumindest grob auf der richtigen Route!

Es ist noch nicht übermäßig warm, als ich die Bonner Innenstadt passiere. Auch hier erkenne ich einiges wieder, und so langsam fangen Kopf und Beine an, sich voll und ganz auf die Tour einzulassen. Irgendwann verschwinden hinter mir die Bonner Silhouette und die letzten Ausläufer des Siebengebirges aus dem Sichtfeld, und ich radle entspannt auf mein nächstes Zwischenziel Köln zu. Der Radweg ist super asphaltiert, das Wetter bestens, ich fühle mich rundum wohl. Herz, was willst du mehr?

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Die schiere Größe des Kölner Doms lässt sich nur schwer im Bild festhalten.

An der Rhein-Biegung in Köln-Porz erspähe ich dann zum ersten mal das ikonische Wahrzeichen der Rheinmetropole, den Dom mit seinen zwei imposanten Türmen. Okay, wenn ich einmal hier bin, will ich mir den zumindest einmal aus der Nähe angesehen haben, statt nur daran vorbeizuradeln! Eigentlich führt die Radroute rechtsrheinisch am Deutzer Hafen über eine alte Drehbrücke und wechselt erst später auf die andere Flussseite (dort, wo dann auch der Dom steht). Die Drehbrücke wird allerdings gerade saniert, also muss man bereits vorher über die Südbrücke ans Westufer queren. Die diesbezügliche Beschilderung habe ich aber offenbar vor lauter Begeisterung über das Stadtpanorama übersehen, und so muss ich noch einen unfreiwilligen Schlenker einlegen. Wenig schön ist, dass man in den Türmen der Südbrücke nur über eine Treppe nach oben gelangt, immerhin mit einer “Schiene” für Fahrräder an der Seite. Das Rad so steil da hinaufzuschieben, ist schon mit den Gepäcktaschen wenig schön, aber wie machen das Trike-Fahrer oder Radler mit Anhängern…? Immerhin hat man von der Brücke einen großartigen Blick über den Fluss und die Stadt.

Am Westufer des Rheins verschluckt mich dann das Kölner Gewühl: Auf den Straßen dicker Verkehr, daneben vollkommen überlaufene Geh- und Radwege: Wo kommen die vielen Leute her? Je weiter ich ins Stadtzentrum komme, desto unangenehmer wird das, und als ich dann die Domplatte betrete, möchte ich eigentlich gleich wieder umkehren. Zu viele Menschen! Weil ich den Dom aber noch nie aus der Nähe gesehen habe, gehe ich dann doch noch eine Runde außen herum. Ziemlich imposant, was die alten Baumeister da erschaffen haben – bei passender Gelegenheit (und außerhalb der Touristensaison!) würde ich mir das gern noch einmal in Ruhe ansehen. Für den heutigen Tag sollte eine Umrundung des Doms aber genug sein, schnell raus aus diesem Wahnsinn. Zu viel, zu laut, zu voll, das hat wirklich nur begrenzt Spaß gemacht. Wieder unten am Rhein, verlasse ich die Stadt und genieße, dass der Trubel um mich herum mit jedem gefahrenen Meter wieder nachlässt.

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Hafen Köln-Niehl: Auch das ist der Rhein.

Dass der Rhein beileibe kein entspannter Touristenfluss ist, sondern eine Hauptwasserstraße mit unzähligen anliegenden Industrien, merke ich dann deutlich in Köln-Niehl. Hier führt die Route durch das nicht enden wollende Werksgelände von Ford. Das ist nicht, wofür ich diese Tour heute angegangen bin! Zudem gehen in der Mittagshitze meine Wasservorräte zur Neige, und ich suche schon seit einer Stunde ein halbwegs passables Plätzchen für eine ausgiebige Pause. Keine Chance im Industriegebiet, also radle ich etwas frustriert weiter.

Und dann: Leverkusen. Oder eher: Riesige Industrieanlagen am Rhein, an die die umgebenden Dörfer noch als eine gesichtlose Stadt angeflanscht wurden. Sorry, liebe Leverkusener, aber selten hat mich eine Stadt so wenig begeistert wie eure. Aber immerhin habt ihr eine berühmte, weil irreparabel marode Autobahnbrücke!

In Hitdorf sehe ich dann endlich auch wieder den Rhein. Und finde, seit Beginn meiner Suche sind etwa zwei Stunden Fahrt vergangen, im Hitdorfer Biergarten auch endlich eine adäquate Gelegenheit, Mittag zu machen. Ich habe Hunger, die Frühstücksbrötchen sind nun auch schon vier Stunden her. Nach einer zünftigen Leberkäs-Semmel und angenehmem Plausch mit anderen Gästen geht es mir bedeutend besser, und ich mache mich auf den Weg in Richtung Düsseldorf.

Käseplatte: Herzhafter Abschluss der Tour

Irgendwo hinter Monheim wechselt der Radweg-Belag plötzlich von Asphalt zu einer rumpeligen wassergebundenen Decke. Und nach inzwischen neunzig Kilometern merke ich nun sehr deutlich, dass Beine und Hintern beileibe nicht mehr in Top-Zustand sind. Noch etwa zwanzig Kilometer bis Düsseldorf, das packe ich wohl noch, aber die kühn erträumte Verlängerung der Tour bis Duisburg (das sind nochmal dreißig Kilometer obendrauf) schminke ich mir ab. Das ärgert mich aber nur kurz, denn auch so habe ich bis hierhin bereits eine großartige Tour mit vielen Eindrücken hinter mir.

Durch die Düsseldorfer Vororte arbeite ich mich immer weiter ins Stadtzentrum vor, das ist touristisch natürlich alles nix mehr wert. Aber mein Ziel, der Hauptbahnhof, liegt nunmal mitten in der Stadt! Also schlängele ich mich keck durchs Verkehrsgewusel und erreiche schließlich den Bahnhof. Meine Fresse, ist der voll Menschen! Ich sehe zu, dass ich bloß schnell zum Bahnsteig gelange, wo der RE 6 in Richtung Ruhrgebiet schon wartet. Das Hinsetzen im Zug gestaltet sich gar nicht so einfach, inzwischen tut mir der Hintern äußerst unangenehm weh. Aber die Beine freuen sich, dass sie nun nichts mehr leisten müssen, und so fahre ich fix und fertig, aber sehr zufrieden mit meinem Tagwerk, zurück nach Bochum.

Rückblick aufs gesamte Menü

Das war ein toller Tag am Rhein! Sonnenbrand, schwere Beine und ein wunder Hintern, so endet eine gute Fahrradtour! Ich bin sehr zufrieden mit der Gesamtkilometerzahl und dem erreichten 20er Schnitt. Unterwegs habe ich viel gesehen, erlebt und genossen. Allerdings gibt es immer wieder auch Abschnitte, die einfach nicht schön sind.
Was mich am meisten irritiert hat: Das ist doch ein Fernradweg, wo ist die passende Infrastruktur? Ich habe zwei Stunden (!) nach einer passenden Gelegenheit zur Mittagspause gesucht, aber nichts gefunden außer Frittenbuden in der Stadt und ziemlich sterilen Cafés, in denen man eher einen hippen Latte als ein deftiges Mittagessen bekommt. Lassen die Geschäftsleute und Gemeinden entlang des Rheins da nicht massig radeltouristisches Potential liegen…?
Landschaftlich ist natürlich der erste Teil der Tour der spannendere, gerade um Bonn herum sieht man wirklich noch, dass man sich in einem Flusstal befindet. Danach wird das alles sehr flach, und oft kann man gar nicht auf den ersten Blick sagen, wo in der weiten Ebene voller Felder denn nun tatsächlich der Rhein fließt.
Für die recht unangenehmen Teilstücke durch die Industriegebiete kann ich niemandem einen Vorwurf machen, die stehen nunmal da. Und man kommt mit einem Radweg natürlich auch nicht immer auf der Flussseite an ihnen vorbei.

Als Familientour ist meine Route nicht zu empfehlen. Wer als ambitionierter Freizeitradler aber Abwechlsung und vielleicht auch einmal die eine oder andere Herausforderung sucht, wird hier sicher fündig. Nur Höhenmeter gibts natürlich nicht nennenswert zu sammeln.

Reservierung fürs nächste Mal

Gerade die landschaftlichen Reize südlich von Bonn kitzeln mich mit Nachdruck, einmal auch das nächstsüdlichere Teilstück des Rheinradwegs unter die Räder zu nehmen. Wie wäre es denn mit Etappe 12 von Koblenz nach Bonn…?
Ich komme wieder!

Bochum-Langendreer – Bochum-Zentrum – Jahrhunderthalle – Erzbahntrasse bis zum Rhein-Herne-Kanal – Zeche Ewald – Halde Hoheward – auf selbem Weg retour (62 km, als GPX herunterladen)

Wenn der Wettermann Anfang April mit Sonnenschein und zwanzig Grad so dermaßen einen gucken lässt und ich auch spontan noch einen Tag Zeit habe, muss ich ja aufs Fahrrad steigen. Der Kilometerstand fürs laufende Jahr ist noch überschaubar, also darf es ruhig etwas mehr werden als nur die Standard-Runde um den Kemnader See: Ich entscheide mich für die Halde Hoheward in Herten. Die ragt einhundert Meter aus der Umgebung auf und bietet – entsprechende Fernsicht vorausgesetzt – einen wahnsinnigen Ausblick über das gesamte Ruhrgebiet.
Meine letzte Tour nach Herten ist drei Jahre her, seinerzeit hatten wir dort spektakuläre Aufnahmen mit der Drohne gemacht. Eine solche habe diesmal ich nicht dabei, aber in Erwartung guter Fernsicht habe ich mal die “große” Kamera mitsamt Teleobjekt eingepackt. Scheint ja schließlich bei blauem Himmel die Sonne!

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Die Erzbahnschwinge an der Jahrhunderthalle: Das südliche Ende der Erzbahntrasse

Über die Wittener Straße fahre ich in die Bochumer Innenstadt. Der morgendliche Berufsverkehr ist längst durch, so geht das ganz entspannt. Gerät man hier aber ins Rushhour-Gewühl, kann diese Strecke echt nerven. Und die Stadt weigert sich hartnäckig, hier mal eine echte Infrastruktur für Freizeit- und Pendel-Radler herzustellen. Also muss man selbstbewusst auf der Straße mitschwimmen – ich für meinen Teil fahre mittig auf der rechten der beiden Fahrspuren. Damit verhindere ich, dass überholende Autofahrer auf einen Spurwechsel verzichten und sich dadurch viel zu knapp an mir vorbeipressen.
(Ach, wie schön wäre es doch auf dem autofreien Radschnellweg RS 1, der mich entlang der S-Bahn-Trasse in die Innenstadt bringen könnte! Aber der ist, zumindest hier in Bochum, seit inzwischen mehr als zehn Jahren (!) nicht mehr als ständig wiedergekäutes städtisches Marketing-Geblubbel.)

An der Jahrhunderthalle wechsele ich dann vom Innenstadtgewühl auf ein entspanntes Radweg-Radeln. Hier beginnt mit der schicken “Erzbahnschwinge” die Erzbahntrasse in Richtung Gelsenkirchen. Wo einst das Erz in langen Zügen vom Rhein-Herne-Kanal zum Bochumer Verein gefahren wurde, zieht sich nun ein sauber asphaltierter Radweg durch die Landschaft, bestens zu befahren mit Touren- und Sport-Rädern gleichermaßen. Ich bin heute auf dem Mounti unterwegs, aber das ist auf jeden Fall auch eine offene Position auf der Rennrad-Liste!
Erst kurz vorm Kanal-Hafen Grimberg, also schon in Gelsenkirchen, wird aus dem schönen Asphalt wieder eine wassergebundene Oberfläche (ganz schön staubige Angelegenheit, wenn die Sonne scheint). Hier würde die Rennrad-Freude wohl enden, aber vielleicht ließe sich von hier ja auf Straßen weiterfahren.

Auf der anderen Kanalseite biege ich noch nicht direkt in Richtung Halde Hoheward ab, sondern bleibe noch am Kanal. Ich will noch einmal zurück ans südliche Ufer wechseln und sehen, was von der Zeche “Unser Fritz I” noch zu sehen ist. Leider vergurke ich mich dann komplett und lande im Gewerbegebiet. Mist, Sackgasse!
Später stelle ich fest, dass ich nur einmal hätte anders abbiegen müssen. Wusste ich vor Ort aber nicht, und machte mich auf den Weg zur Halde. Beim nächsten Mal!

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Zeche Ewald in Herten. Vor Corona war hier mal eine Gastronomie mit Steaks und Bier :(


Unterhalb der Halde Hoheward liegt die ehemalige Zeche “Ewald”. Ich rolle erst einmal entspannt durchs Zechengelände, wo der größte Teil der Gebäude schon längst nicht mehr steht. Aber auch die verbliebenen Bauten beeindrucken mich durch ihre schiere Größe, und ich kann nur erahnen, mit welch staubigem Puls hier dereinst wohl das Herz des Ruhrgebiets geschlagen haben mag.

Dann schraube ich mich endlich auf die Halde hinauf, das eigentliche Ziel meiner Reise. Das sind von der Zeche Ewald nochmal einhundert Höhenmeter. Oben raste ich ausgiebig – und bin ein bisschen enttäuscht: Das mit der tollen Fernsicht wird diesmal nix. Obwohl der Himmel blau ist und die Sonne scheint, ist die Luft trüb und diesig. Die Innenstadt von Bochum, “nur” zehn Kilometer Luftlinie entfernt, ist nur zu erahnen. Schade, das Teleobjektiv kann ich also eingepackt lassen. Aber natürlich ist es trotzdem ein tolles Gefühl, hier oben zu stehen. Macht man sich als Zugereister klar, auf was man da gerade steht (Millionen Tonnen Abraum aus dem Bergbau) und auf was man herabschaut (eine komplette Metropolregion auf Basis eben jenes Bergbaus), ist man der Seele des Ruhrgebiets ein ganzes Stück näher gekommen.

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Blick von der Halde Hoheward: Heute leider ohne tolle Fernsicht, aber immer noch spektakulär.


Ich bleibe ziemlich lange auf der Halde und genieße diesen sehr speziellen Ort. Irgendwann muss ich dann aber wieder los, ich habe ja erst die halbe Strecke hinter mir! Vorbei an Zeche Ewald und über die Emscher komme ich wieder zum Rhein-Herne-Kanal, wo die Brückenkonstruktion “Grimberger Sichel” das Nordende der Erzbahntrasse markiert. Von nun an gehts wieder ziemlich eben auf Asphalt voran, aber ich spüre (nach inzwischen 45 Kilometern Strecke) nun sehr deutlich meine Oberschenkel. Ist halt doch noch nicht so weit her mit meinem Trainingsstand dieses Jahr. Also mache ich an einer der zahlreichen Bänke entlang der Trasse noch eine längere Pause, bevor ichs dann wieder angehe.

An der Jahrhunderthalle in Bochum folgt dann wieder der harte Wechsel ins Innenstadt-Gewühl, wo ich mich wieder selbstbewusst behaupte. Innenstadtring, Wittener Straße, ab nachhause. Dort genieße ich, was ich nach jeder Tour so gern genieße: Kalte Cola, Sonnenbrand und schwere Beine – saugeile Runde!

Sonnen-Esel

Rheinischer Esel: Bochum-Langendreer – Dortmund-Löttringhausen – BO-Langendreer (20 km)

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Viel los: Rheinischer Esel

Na klar ist viel los auf dem Rheinischen Esel: Nur eine Woche, nachdem das Ruhrgebiet spektakulär im Schnee versank, sind bei allerschönstem Sonnenschein auf einmal fast zwanzig Grad – da wollen die Leute natürlich raus! Also strömen sie auf die Aussichtspunkte, in die Wälder, auf die Radrouten. Weil alle halbwegs aufeinander Rücksicht nehmen und kaum einer hemmungslos Radsport betreiben will, klappt das aber erstaunlich gut, und so kann jeder (auch ich) diesen wunderbaren Tag genießen.
Sonderlich touristisch wertvoll ists natürlich nicht, nur einmal den Esel rauf und wieder runter zu fahren. Aber darauf kams mir diesmal auch gar nicht an, ich wollte wie alle anderen einfach nur ein wenig Sonne tanken. Und das war wirklich schön!

Bochum-Langendreer – Witten – Umrundung Kemnader See – BO-Langendreer (24 km)

Das Jahr 2020 endet mit dieser recht kühlen, aber wirklich angenehmen Runde um den Kemnader See. Nicht viel los, alle im Jahresend-Chill-Modus – kann es nicht immer so entspannt zugehen?

In die Statistik geht das scheidende Jahr mit 1157 ausschließlich auf dem Mounti abgespulten Kilometern ein. Reichen muss!

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Kemnader See