Rheinradweg: Bad Godesberg – Bonn – Köln – Leverkusen – Düsseldorf (116 km, als GPX herunterladen)

Hors d’œuvre: Eine Zugfahrt, die ist günstig

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Der Tag beginnt früh.

Oh Gott, was mache ich hier eigentlich? Es ist kurz nach fünf Uhr morgens, ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und zwinge mich dazu, wenigstens eine halbe Schüssel Müsli zu essen. Aber bei aller morgendlichen Trägheit: Ich habe Großes vor, und dafür lohnt es sich allemal, früh aufzustehen!
Noch vor dem ersten Hahnenschrei sitze ich in der S-Bahn und fahre bis Duisburg. Dort wechsle ich in den RE 6 nach Koblenz, aus dem ich in Bad Godesberg aussteige. Bezahlen muss ich für all das nichts: Das Land NRW und die dort ansässigen Verkehrsverbünde erweitern den Geltungsbereich diverser Abo-Tickets für die Dauer der Sommerferien auf sämtliche Nah- und Regionalverkehrsmittel landesweit – mit meinem ollen Bochumer Monatsticket komme ich also ohne Zusatzkosten überall hin in NRW, und ich kann sogar noch mein Fahrrad mitnehmen!

Amuse-Gueule: Abstecher in die Vergangenheit

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Frühstück am Rhein

In Bad Godesberg starte ich den Tag – nach einem flotten Abstecher zur Godesburg – mit einer sentimentalen Reise in meine Jugend. Hier habe ich, das ist inzwischen schon fast zwanzig Jahre her, tatsächlich einmal gewohnt. Und so besuche ich vor meiner eigentlichen Fahrradtour noch einmal die Stätten der vergangenen Zeit und freue mich, dass ich so einiges noch wiedererkenne. Dann aber genug des Gefühlsdusels, mit belegten Brötchen und einem frisch aufgebrühten Kaffee vom Bäcker radele ich durchs Villenviertel hinunter zum Rhein. Hier ist er also, der Strom, den ich heute den ganzen Tag lang begleiten will! Entspannt frühstücke ich am Ufer und sehe den Schiffen beim Vorbeiziehen zu, bevor ich mich dann endlich aufs Rad schwinge und meine eigentliche Reise starte.

Hauptgang: Ein ganzer Tag am Fluss

Mein Plan für den Tag ist die Etappe 13 des Rhein-Radwegs. Bei radkompass.de gibt es die Strecke als GPX-Datei zum Herunterladen. Die habe ich mir auf dem Handy in die passende App eingespielt, ich werde den Weg also nicht verpassen können. Die Beschilderung ist aber auch ordentlich, und auf einem Flussradweg kann man eh nicht allzu viel falsch machen: Solange du den Fluss siehst, bist du zumindest grob auf der richtigen Route!

Es ist noch nicht übermäßig warm, als ich die Bonner Innenstadt passiere. Auch hier erkenne ich einiges wieder, und so langsam fangen Kopf und Beine an, sich voll und ganz auf die Tour einzulassen. Irgendwann verschwinden hinter mir die Bonner Silhouette und die letzten Ausläufer des Siebengebirges aus dem Sichtfeld, und ich radle entspannt auf mein nächstes Zwischenziel Köln zu. Der Radweg ist super asphaltiert, das Wetter bestens, ich fühle mich rundum wohl. Herz, was willst du mehr?

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Die schiere Größe des Kölner Doms lässt sich nur schwer im Bild festhalten.

An der Rhein-Biegung in Köln-Porz erspähe ich dann zum ersten mal das ikonische Wahrzeichen der Rheinmetropole, den Dom mit seinen zwei imposanten Türmen. Okay, wenn ich einmal hier bin, will ich mir den zumindest einmal aus der Nähe angesehen haben, statt nur daran vorbeizuradeln! Eigentlich führt die Radroute rechtsrheinisch am Deutzer Hafen über eine alte Drehbrücke und wechselt erst später auf die andere Flussseite (dort, wo dann auch der Dom steht). Die Drehbrücke wird allerdings gerade saniert, also muss man bereits vorher über die Südbrücke ans Westufer queren. Die diesbezügliche Beschilderung habe ich aber offenbar vor lauter Begeisterung über das Stadtpanorama übersehen, und so muss ich noch einen unfreiwilligen Schlenker einlegen. Wenig schön ist, dass man in den Türmen der Südbrücke nur über eine Treppe nach oben gelangt, immerhin mit einer “Schiene” für Fahrräder an der Seite. Das Rad so steil da hinaufzuschieben, ist schon mit den Gepäcktaschen wenig schön, aber wie machen das Trike-Fahrer oder Radler mit Anhängern…? Immerhin hat man von der Brücke einen großartigen Blick über den Fluss und die Stadt.

Am Westufer des Rheins verschluckt mich dann das Kölner Gewühl: Auf den Straßen dicker Verkehr, daneben vollkommen überlaufene Geh- und Radwege: Wo kommen die vielen Leute her? Je weiter ich ins Stadtzentrum komme, desto unangenehmer wird das, und als ich dann die Domplatte betrete, möchte ich eigentlich gleich wieder umkehren. Zu viele Menschen! Weil ich den Dom aber noch nie aus der Nähe gesehen habe, gehe ich dann doch noch eine Runde außen herum. Ziemlich imposant, was die alten Baumeister da erschaffen haben – bei passender Gelegenheit (und außerhalb der Touristensaison!) würde ich mir das gern noch einmal in Ruhe ansehen. Für den heutigen Tag sollte eine Umrundung des Doms aber genug sein, schnell raus aus diesem Wahnsinn. Zu viel, zu laut, zu voll, das hat wirklich nur begrenzt Spaß gemacht. Wieder unten am Rhein, verlasse ich die Stadt und genieße, dass der Trubel um mich herum mit jedem gefahrenen Meter wieder nachlässt.

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Hafen Köln-Niehl: Auch das ist der Rhein.

Dass der Rhein beileibe kein entspannter Touristenfluss ist, sondern eine Hauptwasserstraße mit unzähligen anliegenden Industrien, merke ich dann deutlich in Köln-Niehl. Hier führt die Route durch das nicht enden wollende Werksgelände von Ford. Das ist nicht, wofür ich diese Tour heute angegangen bin! Zudem gehen in der Mittagshitze meine Wasservorräte zur Neige, und ich suche schon seit einer Stunde ein halbwegs passables Plätzchen für eine ausgiebige Pause. Keine Chance im Industriegebiet, also radle ich etwas frustriert weiter.

Und dann: Leverkusen. Oder eher: Riesige Industrieanlagen am Rhein, an die die umgebenden Dörfer noch als eine gesichtlose Stadt angeflanscht wurden. Sorry, liebe Leverkusener, aber selten hat mich eine Stadt so wenig begeistert wie eure. Aber immerhin habt ihr eine berühmte, weil irreparabel marode Autobahnbrücke!

In Hitdorf sehe ich dann endlich auch wieder den Rhein. Und finde, seit Beginn meiner Suche sind etwa zwei Stunden Fahrt vergangen, im Hitdorfer Biergarten auch endlich eine adäquate Gelegenheit, Mittag zu machen. Ich habe Hunger, die Frühstücksbrötchen sind nun auch schon vier Stunden her. Nach einer zünftigen Leberkäs-Semmel und angenehmem Plausch mit anderen Gästen geht es mir bedeutend besser, und ich mache mich auf den Weg in Richtung Düsseldorf.

Käseplatte: Herzhafter Abschluss der Tour

Irgendwo hinter Monheim wechselt der Radweg-Belag plötzlich von Asphalt zu einer rumpeligen wassergebundenen Decke. Und nach inzwischen neunzig Kilometern merke ich nun sehr deutlich, dass Beine und Hintern beileibe nicht mehr in Top-Zustand sind. Noch etwa zwanzig Kilometer bis Düsseldorf, das packe ich wohl noch, aber die kühn erträumte Verlängerung der Tour bis Duisburg (das sind nochmal dreißig Kilometer obendrauf) schminke ich mir ab. Das ärgert mich aber nur kurz, denn auch so habe ich bis hierhin bereits eine großartige Tour mit vielen Eindrücken hinter mir.

Durch die Düsseldorfer Vororte arbeite ich mich immer weiter ins Stadtzentrum vor, das ist touristisch natürlich alles nix mehr wert. Aber mein Ziel, der Hauptbahnhof, liegt nunmal mitten in der Stadt! Also schlängele ich mich keck durchs Verkehrsgewusel und erreiche schließlich den Bahnhof. Meine Fresse, ist der voll Menschen! Ich sehe zu, dass ich bloß schnell zum Bahnsteig gelange, wo der RE 6 in Richtung Ruhrgebiet schon wartet. Das Hinsetzen im Zug gestaltet sich gar nicht so einfach, inzwischen tut mir der Hintern äußerst unangenehm weh. Aber die Beine freuen sich, dass sie nun nichts mehr leisten müssen, und so fahre ich fix und fertig, aber sehr zufrieden mit meinem Tagwerk, zurück nach Bochum.

Rückblick aufs gesamte Menü

Das war ein toller Tag am Rhein! Sonnenbrand, schwere Beine und ein wunder Hintern, so endet eine gute Fahrradtour! Ich bin sehr zufrieden mit der Gesamtkilometerzahl und dem erreichten 20er Schnitt. Unterwegs habe ich viel gesehen, erlebt und genossen. Allerdings gibt es immer wieder auch Abschnitte, die einfach nicht schön sind.
Was mich am meisten irritiert hat: Das ist doch ein Fernradweg, wo ist die passende Infrastruktur? Ich habe zwei Stunden (!) nach einer passenden Gelegenheit zur Mittagspause gesucht, aber nichts gefunden außer Frittenbuden in der Stadt und ziemlich sterilen Cafés, in denen man eher einen hippen Latte als ein deftiges Mittagessen bekommt. Lassen die Geschäftsleute und Gemeinden entlang des Rheins da nicht massig radeltouristisches Potential liegen…?
Landschaftlich ist natürlich der erste Teil der Tour der spannendere, gerade um Bonn herum sieht man wirklich noch, dass man sich in einem Flusstal befindet. Danach wird das alles sehr flach, und oft kann man gar nicht auf den ersten Blick sagen, wo in der weiten Ebene voller Felder denn nun tatsächlich der Rhein fließt.
Für die recht unangenehmen Teilstücke durch die Industriegebiete kann ich niemandem einen Vorwurf machen, die stehen nunmal da. Und man kommt mit einem Radweg natürlich auch nicht immer auf der Flussseite an ihnen vorbei.

Als Familientour ist meine Route nicht zu empfehlen. Wer als ambitionierter Freizeitradler aber Abwechlsung und vielleicht auch einmal die eine oder andere Herausforderung sucht, wird hier sicher fündig. Nur Höhenmeter gibts natürlich nicht nennenswert zu sammeln.

Reservierung fürs nächste Mal

Gerade die landschaftlichen Reize südlich von Bonn kitzeln mich mit Nachdruck, einmal auch das nächstsüdlichere Teilstück des Rheinradwegs unter die Räder zu nehmen. Wie wäre es denn mit Etappe 12 von Koblenz nach Bonn…?
Ich komme wieder!

Bochum-Langendreer – Bochum-Zentrum – Jahrhunderthalle – Erzbahntrasse bis zum Rhein-Herne-Kanal – Zeche Ewald – Halde Hoheward – auf selbem Weg retour (62 km, als GPX herunterladen)

Wenn der Wettermann Anfang April mit Sonnenschein und zwanzig Grad so dermaßen einen gucken lässt und ich auch spontan noch einen Tag Zeit habe, muss ich ja aufs Fahrrad steigen. Der Kilometerstand fürs laufende Jahr ist noch überschaubar, also darf es ruhig etwas mehr werden als nur die Standard-Runde um den Kemnader See: Ich entscheide mich für die Halde Hoheward in Herten. Die ragt einhundert Meter aus der Umgebung auf und bietet – entsprechende Fernsicht vorausgesetzt – einen wahnsinnigen Ausblick über das gesamte Ruhrgebiet.
Meine letzte Tour nach Herten ist drei Jahre her, seinerzeit hatten wir dort spektakuläre Aufnahmen mit der Drohne gemacht. Eine solche habe diesmal ich nicht dabei, aber in Erwartung guter Fernsicht habe ich mal die “große” Kamera mitsamt Teleobjekt eingepackt. Scheint ja schließlich bei blauem Himmel die Sonne!

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Die Erzbahnschwinge an der Jahrhunderthalle: Das südliche Ende der Erzbahntrasse

Über die Wittener Straße fahre ich in die Bochumer Innenstadt. Der morgendliche Berufsverkehr ist längst durch, so geht das ganz entspannt. Gerät man hier aber ins Rushhour-Gewühl, kann diese Strecke echt nerven. Und die Stadt weigert sich hartnäckig, hier mal eine echte Infrastruktur für Freizeit- und Pendel-Radler herzustellen. Also muss man selbstbewusst auf der Straße mitschwimmen – ich für meinen Teil fahre mittig auf der rechten der beiden Fahrspuren. Damit verhindere ich, dass überholende Autofahrer auf einen Spurwechsel verzichten und sich dadurch viel zu knapp an mir vorbeipressen.
(Ach, wie schön wäre es doch auf dem autofreien Radschnellweg RS 1, der mich entlang der S-Bahn-Trasse in die Innenstadt bringen könnte! Aber der ist, zumindest hier in Bochum, seit inzwischen mehr als zehn Jahren (!) nicht mehr als ständig wiedergekäutes städtisches Marketing-Geblubbel.)

An der Jahrhunderthalle wechsele ich dann vom Innenstadtgewühl auf ein entspanntes Radweg-Radeln. Hier beginnt mit der schicken “Erzbahnschwinge” die Erzbahntrasse in Richtung Gelsenkirchen. Wo einst das Erz in langen Zügen vom Rhein-Herne-Kanal zum Bochumer Verein gefahren wurde, zieht sich nun ein sauber asphaltierter Radweg durch die Landschaft, bestens zu befahren mit Touren- und Sport-Rädern gleichermaßen. Ich bin heute auf dem Mounti unterwegs, aber das ist auf jeden Fall auch eine offene Position auf der Rennrad-Liste!
Erst kurz vorm Kanal-Hafen Grimberg, also schon in Gelsenkirchen, wird aus dem schönen Asphalt wieder eine wassergebundene Oberfläche (ganz schön staubige Angelegenheit, wenn die Sonne scheint). Hier würde die Rennrad-Freude wohl enden, aber vielleicht ließe sich von hier ja auf Straßen weiterfahren.

Auf der anderen Kanalseite biege ich noch nicht direkt in Richtung Halde Hoheward ab, sondern bleibe noch am Kanal. Ich will noch einmal zurück ans südliche Ufer wechseln und sehen, was von der Zeche “Unser Fritz I” noch zu sehen ist. Leider vergurke ich mich dann komplett und lande im Gewerbegebiet. Mist, Sackgasse!
Später stelle ich fest, dass ich nur einmal hätte anders abbiegen müssen. Wusste ich vor Ort aber nicht, und machte mich auf den Weg zur Halde. Beim nächsten Mal!

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Zeche Ewald in Herten. Vor Corona war hier mal eine Gastronomie mit Steaks und Bier :(


Unterhalb der Halde Hoheward liegt die ehemalige Zeche “Ewald”. Ich rolle erst einmal entspannt durchs Zechengelände, wo der größte Teil der Gebäude schon längst nicht mehr steht. Aber auch die verbliebenen Bauten beeindrucken mich durch ihre schiere Größe, und ich kann nur erahnen, mit welch staubigem Puls hier dereinst wohl das Herz des Ruhrgebiets geschlagen haben mag.

Dann schraube ich mich endlich auf die Halde hinauf, das eigentliche Ziel meiner Reise. Das sind von der Zeche Ewald nochmal einhundert Höhenmeter. Oben raste ich ausgiebig – und bin ein bisschen enttäuscht: Das mit der tollen Fernsicht wird diesmal nix. Obwohl der Himmel blau ist und die Sonne scheint, ist die Luft trüb und diesig. Die Innenstadt von Bochum, “nur” zehn Kilometer Luftlinie entfernt, ist nur zu erahnen. Schade, das Teleobjektiv kann ich also eingepackt lassen. Aber natürlich ist es trotzdem ein tolles Gefühl, hier oben zu stehen. Macht man sich als Zugereister klar, auf was man da gerade steht (Millionen Tonnen Abraum aus dem Bergbau) und auf was man herabschaut (eine komplette Metropolregion auf Basis eben jenes Bergbaus), ist man der Seele des Ruhrgebiets ein ganzes Stück näher gekommen.

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Blick von der Halde Hoheward: Heute leider ohne tolle Fernsicht, aber immer noch spektakulär.


Ich bleibe ziemlich lange auf der Halde und genieße diesen sehr speziellen Ort. Irgendwann muss ich dann aber wieder los, ich habe ja erst die halbe Strecke hinter mir! Vorbei an Zeche Ewald und über die Emscher komme ich wieder zum Rhein-Herne-Kanal, wo die Brückenkonstruktion “Grimberger Sichel” das Nordende der Erzbahntrasse markiert. Von nun an gehts wieder ziemlich eben auf Asphalt voran, aber ich spüre (nach inzwischen 45 Kilometern Strecke) nun sehr deutlich meine Oberschenkel. Ist halt doch noch nicht so weit her mit meinem Trainingsstand dieses Jahr. Also mache ich an einer der zahlreichen Bänke entlang der Trasse noch eine längere Pause, bevor ichs dann wieder angehe.

An der Jahrhunderthalle in Bochum folgt dann wieder der harte Wechsel ins Innenstadt-Gewühl, wo ich mich wieder selbstbewusst behaupte. Innenstadtring, Wittener Straße, ab nachhause. Dort genieße ich, was ich nach jeder Tour so gern genieße: Kalte Cola, Sonnenbrand und schwere Beine – saugeile Runde!

Sonnen-Esel

Rheinischer Esel: Bochum-Langendreer – Dortmund-Löttringhausen – BO-Langendreer (20 km)

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Viel los: Rheinischer Esel

Na klar ist viel los auf dem Rheinischen Esel: Nur eine Woche, nachdem das Ruhrgebiet spektakulär im Schnee versank, sind bei allerschönstem Sonnenschein auf einmal fast zwanzig Grad – da wollen die Leute natürlich raus! Also strömen sie auf die Aussichtspunkte, in die Wälder, auf die Radrouten. Weil alle halbwegs aufeinander Rücksicht nehmen und kaum einer hemmungslos Radsport betreiben will, klappt das aber erstaunlich gut, und so kann jeder (auch ich) diesen wunderbaren Tag genießen.
Sonderlich touristisch wertvoll ists natürlich nicht, nur einmal den Esel rauf und wieder runter zu fahren. Aber darauf kams mir diesmal auch gar nicht an, ich wollte wie alle anderen einfach nur ein wenig Sonne tanken. Und das war wirklich schön!

Bochum-Langendreer – Witten – Umrundung Kemnader See – BO-Langendreer (24 km)

Das Jahr 2020 endet mit dieser recht kühlen, aber wirklich angenehmen Runde um den Kemnader See. Nicht viel los, alle im Jahresend-Chill-Modus – kann es nicht immer so entspannt zugehen?

In die Statistik geht das scheidende Jahr mit 1157 ausschließlich auf dem Mounti abgespulten Kilometern ein. Reichen muss!

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Kemnader See

Bochum-Langendreer – Witten – Rheinischer Esel – Dortmund-Löttringhausen – Dortmund-Schnee – Herdecke-Kirchende – Wetter – Ruhrtalradweg – Witten – BO-Langendreer (36 km, als GPX herunterladen)

Na, da habe ich ja mal ordentlich übernommen: Vollkommen ausgelaugt komme ich nach 45 Kilometern zuhause an und will einfach nur noch heiß duschen und ins Bett.

Aber der Reihe nach: Das gute Wetter stupst und zieht an mir: Los, ab aufs Rad! Sonnige Fünfzehn Grad, was willst du mehr Mitte November? Ich gebe dem Drängen nach und starte auf eine Herdecke-Runde. Fix gehts zum Rheinischen Esel, wo das Fahren ein ganz und gar entspanntes ist. Allerdings nach fünf Kilometern der erste herbe Dämpfer: Wichtige Utensilien daheim vergessen. Also umdrehen, zurück nachhause. Als ich dort ankomme, habe ich die ersten zehn Kilometer schon in den Beinen. Drehung, zurück zum Esel. Dem folge ich bis zu seinem östlichen Ende in Dortmund-Löttringhausen, aber ich merke schon unterwegs: Der bevorstehende Weg hinauf den Schnee wird kein leichter werden, schon auf der Ebene fehlen mir die Körner. Und dann stehe ich vor der ersten Steigung: Kleinster Gang und hochorgeln. Das ging alles schonmal besser, heute ist wirklich der Wurm drin.

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Dortmund von der Blickstraße aus gesehen


Schwer schnaufend – und ein bisschen über mich selbst fluchend – komme ich schließlich oben auf dem Schnee an. Nun kann ich mich immerhin nach Herdecke hinab rollen lassen und dabei auch den Puls wieder ein wenig normalisieren. Durch Kirchende gehts noch ein wenig bergab, aber dann: Wieder eine Steigung, wieder kleinster Gang, wieder schnaufen. So macht das keinen Spaß :(

Das Endertal hinab kommt dann wieder Freude auf, aber ich merke schon lange: Die Beine machen heute einfach nicht gescheit mit. Bis heim muss ichs aber noch schaffen, also schnaufe ich in Wetter über die Ruhrbrücke und fahre den Ruhrtalradweg gen Witten. Es zwickt gemein in den Oberschenkeln, jetzt bloß keine Schnörkel mehr: Diretissima nachhause! Auch kleine Steigungen drücken nun gewaltig aufs Tempo, aber darauf kommts jetzt auch nicht mehr an. Irgendwann habe ich es dann geschafft und stolpere kaputt unter die Dusche. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Ach, mimimi. Beim nächsten Mal wird alles besser!