Usedom: Zempin - Koserow - Pudagla - Usedom - Lassan - Wolgast - Zinnowitz - Zempin (88,7km, Ø 22,6km/h; Route bei GPSies.com)

2014-08-08_00.jpg
Bockwindmühle Pudagla

Diese Tour führte mich einmal komplett ums Achterwasser herum. Das hatte ich seit Jahren vor, endlich hat es auch mal geklappt. Ich startete in Zempin und fuhr durch Koserow und Ückeritz auf dem bestens beschaffenen Radweg entlang der B 111 bis zum Abzweig nach Pudagla. Dort, am UBB-Haltepunkt Schmollensee, bog ich mit der B 111 nach Süden in Richtung Usedom ab. Kurz nach Mellenthin trifft die Bundesstraße dann auf die B 110. Hier endet auch der Radweg - und damit das Vergnügen. Meine nicht mehr ganz taufrische Radwegkarte vom Verlag Grünes Herz hatte optimistisch das Gegenteil vermutet (”Radweg geplant 2012”) - über die Planung ist das offensichtlich nicht hinausgekommen. Bis Usedom musste ich also auf der Bundesstraße fahren und hatte permanent PKWs, Wohnmobile und Laster im Nacken. Sehr unangenehm und defintiv keine Empfehlung!

2014-08-08_01.jpg
Radweg geplant 2012, sagt die Karte.

Von der Stadt Usedom in westlicher Richtung begleitet dann wieder ein Radweg die Bundesstraße, die über die Zecheriner Klappbrücke die Insel Usedom verlässt. Dort machte ich im Schatten der Brücke auch meine erste größere Pause und ließ mir meinen Proviant schmecken. Auch meinen Wasserhaushalt brachte ich wieder ins Gleichgewicht - trotz der prasselnden Sonne hatte ich unterwegs auch diesmal wieder bedeutend zu wenig getrunken.
Dann schwang ich mich wieder aufs Rad und folgte der B 111 bis Johannishof, wo ich rechts in den Wald abbog. Auf einmal war das Radeln wieder sehr entspannt, ich hatte den lichten Wald für mich allein und konnte beim Fahren herrlich die Gedanken schweifen lassen. Über Straßen, deren Asphalt vermutlich noch zu Honeckers Zeiten die letzte Pflege erhalten hatte - oder die einfach nur Wirtschaftswege aus rumpeligen Betonplatten waren - erreichte ich schließlich Lassan, das es mit seinem schnuckeligen Ortskern und seinem idyllischen Achterwasser-Hafen sicher verdient hätte, mehr als nur Zwischenstation zu sein.

2014-08-08_02.jpg
Radweg my ass, sagt die Realität.

Weiter ging es auf Straßen und Wirtschaftswegen in teils erbarmungswürdigem Zustand gen Wolgast - den Peenestrom und das Achterwasser immer wieder im Blick. Auch die hellen Steilfelsen am Achterwasser lassen sich von hier aus ausmachen, zum Beispiel der Weiße Berg auf der Halbinsel Gnitz.
Durch nicht sonderlich ansehnliche Vorstadtsiedlungen erreichte ich schließlich das Stadtzentrum von Wolgast. Hier quert die 1996 neu gebaute Klappbrücke den Peene-Strom, die Einheimischen nennen sie “Blaues Wunder”. Und schon war ich wieder auf der Insel Usedom.
Meine letzte Rast machte ich an der Tankstelle am Wolgaster Ortsausgang. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen: Zum Inventar gehört nämlich seit vielen Jahren eine Katze, die auch gern mal mitten im Verkaufsraum ein Nickerchen hält. Sie verbringt ihre Tage auf dem Tankstellengelände, nachts ist sie draußen unterwegs. Und erwartet dann schon die Frühschicht, die in aller Herrgottsfrühe zum Aufschließen erscheint. Die Katze gehört zwar niemandem, wird aber vom Tankstellenpersonal versorgt - unter anderem mithilfe von Geld- und Katzenfutterspenden von Touristen und Einheimischen. Ein schöne “Sehenswürdigkeit” abseits der üblichen Usedom-Touristik!

2014-08-08_04.jpg
Siesta im Verkaufsraum: Die Wolgaster Tankstellenkatze

Entlang der B 111 fuhr ich dann bis Zinnowitz, wo ich dann noch einmal zum Ostsee-Radweg abbog. Wollte ja nach der langen Tour wenigstens nochmal die Ostsee sehen! Genau genommen sah ich erst einmal aber den wahlkämpfenden Gregor Gysi, der mit einigen seiner Kollegen das Zinnowitzer Publikum von der Politik seiner Partei überzeugen wollte. Ich für meinen Teil wollte dann aber doch lieber duschen, und so radelte ich durch den Küstenwald entspannt zurück zu meinem Ausgangspunkt Zempin, wo ich mich nach einer erquickenden Dusche zum Entspannen an den Strand legte. So könnte jede Fahrradtour ausklingen!

Usedom: Zempin - Koserow - Zempin (13,3km, Ø 17,3km/h; Route bei GPSies.com)

Endlich wieder Urlaub auf Usedom! Mit dem Rad lass ichs zunächst gemächlich angehen und starte eine kleine Erkundungstour auf dem Achterwasserdeich nach Koserow. Der Deich schlängelt sich um den Zempiner Rieckgraben - hier ist das Achterwasser nur noch reichlich zweihundert Meter von der Ostsee entfernt.
In Koserow war ich bisher schon etliche Male - nie jedoch hatte ich die alte Kirche im Dorfkern entdeckt. Das hole ich diesmal nach und betrachte das Gemäuer von außen - rein komme ich leider nicht, denn sie ist verschlossen. Nach ein paar geschossenen Fotos möchte ich noch nicht direkt wieder heim, sondern noch ein paar Meter dranhängen. Also hinauf zum Streckelsberg! Ich schiebe mein Rad den steilen Direktweg hinauf und genieße die Aussicht auf die Ostsee aus knapp 60 Metern Höhe. Schön hier! Ich jage hinab zur Seebrücke, wo ich gerade noch die Sonne versinken sehe. Eine tolle Tour!

Usedom: Ostsee-Küstenradweg von Zempin bis Kölpinsee - Loddin - Aussicht Loddiner Höft - Loddin - Koserow - Zempin (22,9km, Ø 14,0km/h; Route bei GPSies.com)

Zum Abschluss eines weiteren wunderbaren Usedom-Urlaubs wollte ich noch einmal den Loddiner Höft besuchen. Das ist eine Landspitze, die bei Loddin ins Achterwasser hineinragt. Am südlichen Ende ist auf meiner Radwanderkarte ein Aussichtspunkt verzeichnet - nix wie hin!
Wie gewohnt gehts erst einmal auf dem Ostseeküsten-Radweg vorbei an Koserow bis an den Kölpinsee. Dort biegen wir in Richtung Inland ab und kommen so nach Loddin. Sobald man die Bundesstraße 111 überquert hat, ist der Verkehr auf Straßen, Rad- und Fußwegen auf einmal deutlich entspannter - hier zeigt sich ganz offensichtlich, dass der Tourismus auf der Insel Usedom hauptsächlich an der Küste stattfindet. Dabei hat auch das Hinterland von Usedom unzählige wunderschöne Ecken zu bieten, die sich vor allem auf dem Fahrrad herrlich entdecken lassen.
Wir haben inzwischen das Achterwasser erreicht und stehen am Ende der befestigten Straße in Loddin. Von hier führt nun nur noch ein Sandweg auf den Loddiner Höft. Letztes Jahr mussten wir hier noch kapitulieren, weil der Sand einfach zu tief war. Diesmal aber hatte es in der Nacht zuvor geregnet, und der Sand scheint fest genug, es zu wagen. Und tatsächlich, es klappt, sogar mit dem Trailer am Haken - auch wenn das natürlich nicht mehr als “Genussradeln” durchgeht.
Der Rundumblick aufs Achterwasser entschädigt dann für alle Strapazen. So ein idyllisches Fleckchen Usedom, und die allermeisten Touristen werden es im Leben nie entdecken. Na dafür ists wenigstens schön ruhig hier, und entgegen aller Unkenrufe sind nicht einmal nennenswert Mücken unterwegs.

2013-08-07_pano.jpg
Auf dem Loddiner Höft ist Usedom einfach nur idyllisch. Aufs Bild klicken für volle Größe (1815 × 800 Pixel / 350 KB).

Wir fahren den Sandweg wieder hinunter nach Loddin, wo wir im Biergarten am Achterwasser einkehren. Die Bedienung überschlägt sich nicht unbedingt vor Eifer und Freundlichkeit, aber der Fisch schmeckt, und wir genießen das Achterwasser-Panorama noch einmal vom Aussichtsturm aus.
Der Blick geht weit, selbst die Häuser von Zempin erkennen wir. Und genau da wollen wir nun wieder hin, denn dort ist nicht nur unser Quartier, sondern auch den Imbiss “Mattis Kaffeeklatsch”. Da gibts Softeis, das herrlich nach nach Kindheit schmeckt - und was könnte denn ein schöneres Ende für eine so wunderbare Fahrradtour sein? :)

Usedom: Ostsee-Küstenradweg von Zempin über Koserow und Ückeritz auf den Langen Berg bei Bansin & retour (38,8km, Ø 18,2km/h; Route bei GPSies.com)

Das nachmittägliche Koserow-Ründchen darf als kleine Späh-Tour verstanden werden. Eigentlich hatte ich nämlich schon länger auf dem Plan, mal wieder auf den Langen Berg bei Bansin zu fahren. Der erhebt sich immerhin 58 Meter über den Ostseestrand. Bereits 2011 hatte ich ihn schon bereist, damals allerdings von Ahlbeck aus, von Osten her.
Ohne irgendwelche spannenden Schleichwege zu suchen, hielt ich mich schlicht an die Route des Ostseeküsten-Radwegs. Spätestens, wenn es abends dunkel ist, habe ich nämlich keine Lust mehr auf Orientierungsfahrten. Und es würde spätestens auf dem Rückweg dunkel werden, also montierte ich den Scheinwerfer schonmal auf den Helm.

2013-08-04_pano.jpg
Abendstimmung am Loddiner Kölpinsee. Aufs Bild klicken für volle Größe (1717 × 800 Pixel / 263 KB).

Die Fahrt war entspannt, wobei ich ohne Trailer auch mal wieder ein wenig mehr Tempo machen konnte. Musste mich aber ein wenig selbst bremsen, damit ich meine momentan recht spärlichen Körner nicht gleich alle verheize. Am Ückeritzer Campingplatz wurde meine selbstauferlegte, etwas enspanntere Fahrweise dann auch belohnt: Vielleicht hätte ich die beiden Hirsche am Waldrand sonst übersehen. So aber konnte ich verwundert beobachten, wie sie sich scheinbar ohne größere Scheu den Wohnwagen und Zelten näherten. Die Camper waren zu meiner noch größeren Verwunderung aber alles andere als überrascht ob der Huftiere Besuch. Im Gegenteil, sie saßen entspannt und scherzten. Auf Nachfrage erzählten sie mir, dass die Hirsche jeden Abend auf dem Damm am Zeltplatz entlang liefen (und dass es sonst nicht nur zwei Tiere wären, sondern erheblich mehr).


 
Offenbar hat sich da eine unausgesprochene Übereinkunft entwickelt: Die Hirsche posen ein wenig für Camperaugen und -kameras herum - und wissen im Gegenzug, wo sie verlässlich ein paar Häufchen Kartoffelschalen und Karotten finden. Symbiose nennt man das wohl :)
Irgendwann fiel mir aber auf, dass ich ja noch bis Bansin fahren wollte, und so ließ ich Hirsche und Camper hinter mir und spurte weiter gen Osten. Im Wald vor Bansin hörte ich dann ein “Pling” und freute mich noch, dass ich mir beim Überfahren eines Metallteils keinen Platten eingehandelt hatte. Dummerweise stellte ich dann beim Absteigen oben auf dem Langen Berg fest: Was da Pling gemacht hat, war eine der beiden Schauben gewesen, die die Klicker-Platte an meinem linken Schuh hielt. Nun, da sie fehlte, verdrehte ich beim Ausklicken immer gleich alles. Mëh.
Der Haustechniker des Hotels auf dem Langen Berg konnte mir dummerweise auch nicht helfen, also beschloss ich, die Klicker-Platte am Schuh in die richtige Position zu drehen, den Schuh auf der Pedale einzurasten - und dann bis zum Ziel nicht mehr auszuklinken. Also: Zügig und ohne Pause den Rückweg nach Zempin durchzuziehen. Das tat ich dann auch, verzichtete auf Foto-Stopps und spurte im Schein der Helmlampe durch den ansonsten stockfinsteren Wald zurück in Richtung meines Quartiers.

Dank geht an dieser Stelle übrigens an den Handwerkermeister Olaf Müller in Kölpinsee. Ich hatte im Vorbeifahren das Schild an seiner Einfahrt gesehen und spontan um Hilfe gebeten. Er hatte zwar letztenendes auch keine passende Schraube in seiner Sammlung, nahm sich aber gegen halb zehn am Sonntagabend die Zeit nachzuschauen. Danke!

Usedom: Zempin - Koserow & retour (13,37^^km, Ø 11,9km/h; Route bei GPSies.com)

2013-08-04_1.jpgMan kann sich sicher trefflich darüber streiten, ob das Eiscafé Moritz in Koserow nun wirklich das das allerbeste Eis der Insel Usedom verkauft. Unbestritten ist: Es schmeckt wunderbar. Was liegt bei 28 Grad im Schatten also näher, als die Räder zu satteln und auf eine gekühlte Spezialität nach Koserow zu radeln? Ganz nebenbei habe ich so endlich einmal den Weg nach Koserow auf dem Achterwasserdeich entdeckt.

Freude am Rande: Im Gegensatz zu den beiden Vorjahren hat es diesmal ausnahmswe nicht geregnet in Koserow… ;)