Wetter-Roulette

Bochum-Langendreer – Witten – Auf dem Schnee – Herdecke-Kirchende – Witten – BO-Langendreer (26 km, Ø 27,7 km/h)

Eine Straße mit Autos, dahinter recht dichte, dunkle Bewölkung
Banger Blick aufs Wetter

Ach Wettermann, machs mir doch nicht so schwer: Regnen tuts nicht, aber ist das nicht schon ganz feiner Niesel, der da in der Luft liegt? Ach egal, ich will es wagen: Ab aufs Rad!
Auf der Ardeystraße schraube ich mich durch Witten auf den Schnee hinauf, wo ich nochmal mit bangem Blick zum Himmel schaue: Gen Südosten ist der Himmel bedrohlich dunkel. Dort regnets ganz sicher! Ob ich direkt lieber umdrehe? Einen Moment bleibe ich stehen, beobachte die Bewegung der Wolken und beschließe, dass sie nach Osten abziehen. Nicht meine Richtung, ich will ja gleich wieder nach Westen abdrehen! Also weiter, hinunter nach Kirchende und von dort durchs Endertal zur Ruhr. Zwischendurch fisselt es immer mal ein wenig, aber grundsätzlich bleibts trocken, und so komme ich, durchaus zufrieden mit meinem Schnitt, wieder zuhause an.
Fast hätte ich aus Angst vorm Regen auf diese flotten Renner-Ritt verzichtet!

Variantes d’Herdeque: Esel und Herbede

Bochum-Langendreer – Witten – Rheinischer Esel bis Dortmund-Löttringhausen – Auf dem Schnee – Herdecke-Kirchende – Witten – Kemnader See – BO-Langendreer (41 km, Ø 27 km/h, vMax 70 km/h)

Mit meinen bisherigen “Variantes d’Herdeque” hatte ich in den letzten Monaten durchaus meinen Spaß, die langwährende Baustelle im Endertal kreativ und auf neuen Wegen zu umfahren. Heute will ich aber mal sehen, ob das Endertal wieder befahrbar ist! Auch das wird aber wieder eine Variation der üblichen Route: Ich will nicht der Ardeystraße auf den Schnee hinaus folgen, sondern lieber dem Rheinischen Esel bis Löttringhausen – und von dort den Anstieg über die Blickstraße in Angriff nehmen.

Der Rheinische Esel ist in Witten auf langer Strecke nur mit einer wassergebundenen Oberfläche gesegnet. Die ist aktuell – mangels Wassers – leider nur wenig gebunden und staubt daher gruselig; außerdem bin ich ja auf dem Renner unterwegs, und für dessen grazile Bereifung sind all die Absenkungen, Steinchen und Stöckchen durchaus schon grenzwertig. Ich eile flott gen Dortmund, muss aber die ganze Zeit sehr konzentriert auf die Bodenbeschaffenheit achten. Auf dem Mounti fahre ich hier deutlich entspannter entlang!

In Dortmund-Löttringhausen wechsle ich dann wieder auf asphaltierte Straßen und nehme die Blickstraße hinauf auf den Schnee in Angriff. Was ich hier schon geschwitzt und geflucht habe! Die Touren der letzten Wochen scheinen aber einen wirklich guten Trainingsstand geschaffen zu haben, und so kurble ich konstant mit 15 bis 20 km/h vom Esel bis hinauf auf den Schnee, ohne auch nur einmal aus dem Sattel aufstehen zu müssen. Was für ein gutes Gefühl, diesen Anstieg so locker abzuspulen!

Vom Schnee gehts auf der anderen Seite in flotter Schussfahrt wieder hinab nach Kirchende. Hoppla, standen da eben 70 km/h auf dem Tacho? :) Das Endertal hinab – feiner neuer Asphalt dort! – übertreibe ich es dann nicht mehr ganz so, komme flott unten an der Ruhr an und biege in Richtung Witten rechts ab. Ich versuche, den Tacho möglichst konstant bei knapp über dreißig zu halten und trainiere ganz nebenbei meinen Langmut mit den zu knapp überholenden Autofahrern. Ersteres gelingt mir recht gut, zweiteres eher nicht…

In Witten beschließe ich dann, die Route noch einmal zu variieren, und fahre nicht gen Innenstadt, sondern bleibe an der Ruhr. Der folge ich dann bis zum Kemnader See, wo gerade das “Zeltfestival Ruhr” stattfindet. Da sind viele Autofahrer und Fußgänger unterwegs, ich gehe also lieber etwas vom Gas.

Über die Kleinherbeder Straße flitze ich dann schließlich nachhause zu Kaltgetränk und Dusche: Reicht für heute, es war wieder eine schöne Herdecke-Variante!

Sprockhövel: Top-Rennradrunde, gern wieder

Bochum-Langendreer – Witten – Hiddinghausen – Silschede – Wetter – Witten – BO-Langendreer (37 km, Ø 27,7 km/h, als GPX herunterladen)

Auf Asphalt gönne ich mir einen Anderthalbstunden-Quickie nach Sprockhövel – vollkommen unspektakulär und ohne Foto-Dokumentation, aber am Ende mit recht ordentlichem Schnitt auf dem Tacho. Bei per-fek-tem Wetter!
Eine wirklich schöne Runde, die, entsprechend sportlich angegangen, Kopf und Beine so richtig schön leer macht. Gern wieder!

Die Ha(a)rd: Ereignisreiches Rennrad-Abenteuer im Westmünsterland

Recklinghausen-Speckhorn – Oer-Erkenschwick – Lüdinghausen – Senden – Dülmen – Haltern am See – Marl-Sinsen – RE-Speckhorn (98 km, Ø 23 km/h, als GPX herunterladen)

Zwei sportlich gekleidete Fahrradfahrer fahren eine Landstraße entlang
Ein Paradies auf Renner und Gravelbike: Landstraßen, wohin das Auge sieht

Eine Woche nach meinem Solo-Brett in Friesland steht direkt die nächste große Runde an: Mein Freund Dirk lädt ein zu einer pittoresken Rennrad-Runde ins Westmünsterland. Angesagt ist Gran-Fondo-Distanz, dreistellig darf es also gern werden!

Gemeinsam mit zwei weiteren Radlern starten wir in Recklinghausen und jagen am Rande der Haard, einer dicht bewaldeten Hügellandschaft nördlich des Ruhrgebiets, zunächst in Richtung Oer-Erkenschwick. Meine drei Mitfahrer sind auf Gravel-Bikes unterwegs, versprechen aber, aus Rücksicht auf meine deutlich schmaleren Rennrad-Reifen auf Wald- und Schotterwege zu verzichten – unsere Route soll ein reines Asphalt-Brett werden.

Wir überqueren den Weser-Datteln-Kanal an der Schleuse Ahsen und folgen dem Kanal noch ein kurzes Stück. Nach kurzer Zeit der nächste Kanal, die Alte Fahrt; das ist die ehemalige Trasse des Dortmund-Ems-Kanals, die hier nach Olfen hinein führt. Ganz am Ende sieht man den Turm der Olfener Pfarrkirche St. Vitus, das ist mit der “großen” Kamera sicher auch ein wirklich schönes Fotomotiv. “Pittoresk” im Wortsinn!

Zwei sportlich gekleidete Fahrradfahrer befahren eine Brücke
Ein immer wiederkehrendes Thema dieser Tour: Kanäle und ihre Brücken

Nun queren wir auch den eigentlichen Dortmund-Ems-Kanal und erreichen über nicht allzu breite, gut asphaltierte und erfreulich leere Landstraßen Lüdinghausen. Es geht auf zwölf, eine gute Zeit für eine Pause! Direkt neben der Wassermühle an der Stever gönnen wir uns in der zwischenzeitlich hinter den Wolken aufgetauchten Sonne einen Cappuccino, und obwohl ich ob meines opulenten Frühstücks noch keinen großen Hunger verspüre, nasche ich vom feilgebotenen Flammkuchen. Wie das der Gaumen feiert!

Als wir uns dann bester Laune wieder auf die Räder schwingen, gurken wir auf der Suche nach der richtigen Route gleich erst einmal staunend eine Runde um die Burg Lüdinghausen, bevor wir wieder Schwung aufnehmen und die Stadt gen Norden verlassen.
Unser nächstes Highlight bildet die Wasserburg Kakesbeck, wo wir kurz zum Schauen anhalten und in ein interessantes Gespräch mit einem Ortsansässigen geraten. Er erzählt uns die Geschichte von Ritter Lambert, der im Jahr 1520 von einem Rivalen im Streit um Ländereien ein Halsband mit innenseitigen Dornen (!) angelegt bekam. Der Achtzigjährige (!!) ritt daraufhin bis Münster (!!!), um sich das Halsband vom dortigen Waffenschmied aufmeißeln zu lassen (!!!!). Mein lieber Scholli, was für eine verrückte (aber offenbar verbriefte) Story!

Ein sportlich gekleideter Radfahrer durchquert mit hoher Geschwindigkeit eine Allee
Landstraßen und Alleen, davon kannst du auf schmalen Reifen ja gar nicht genug bekommen.
Ein Rennradfahrer kämpft sich einen sandigen Waldweg entlang
Mehr Gravel, als ich meinem Renner zugetraut hätte. Grenzwertig aber allemal.

Nun wollen wir aber wieder Meter machen und preschen auf feinen Landstraßen weiter nordwärts. Wieder queren wir die ehemalige und die aktuelle Trasse des Dortmund-Ems-Kanals, um dann nach Westen abzubiegen. Dülmen durchfahren wir noch auf Asphalt, nehmen aber danach den falschen Abzweig und landen auf einem Waldweg. Was den Kollegen auf den Gravel-Bikes sichtlich Spaß macht (und mich auf dem Mounti wohl auch erfreuen würde), ist auf dem Renner schon ziemlich grenzwertig: Das Vorderrad schneidet sich selbst in moderat tiefen Sand scharf ein und verkantet, auf anderen Teilstücken passe ich höllisch auf Steine und Wurzeln auf. Aber hey, ein bisschen “Gravel” steckt offenbar auch in meinem alten Renner, und so schaffen wir es auf (zumindest für meinen Alu-Gaul) abenteuerlichen Wegen schließlich auch zurück auf befestigte Straßen.

Auf Höhe der Westruper Heide gönnen wir uns noch eine kühle Leckerei am Eiswagen, der dort, faktisch mitten im Wald, offenbar eine echte Institution ist. Nun sind wir bereits auf der Haus- und Hofstrecke meiner Recklinghäuser Reisebegleiter. Allerdings gehen einigen von uns so langsam die Körner aus, also wählen wir den direkten Weg zurück zum Ausgangspunkt. Ein Gran Fondo wirds so sicher nicht mehr, aber wir sollten zumindest immer noch knapp an der Dreistelligkeit kratzen.

Ein offenbar von der Sattelstütze abgerissener Fahrradsattel
Sieht aus wie kaputt, ists (nach ein paar Handgriffen) aber zum Glück nicht.

Auf Höhe eines Pferdehofs, der gerade ein Springreit-Turnier austrägt, geschieht es dann: Die vor mir fahrende Mitradlerin möchte einem uns entgegenkommenden Reiter ausweichen, rutscht mit dem Vorderrad die fies unter Sand versteckte rechte Asphaltkante hinunter und kippt zur Seite. Wir sind nicht sonderlich schnell, aber da ich ihr direkt folge, knalle ich ihr mit meinem Vorderrad in den Rücken und mache eine (hoffentlich wenigstens spektakulär anzusehende!) Rolle vorwärts, das Rad der Klickpedalen wegen noch an den Füßen. Kurzer Check: Schulter ein bisschen aua, aber voll funktional. Auch der unglücklich Gestürzten geht es zum Glück recht gut, sie ist halt unschön auf die Hüfte geknallt. Die Wucht des Sturzes hat meine Sattelbefestigung in ihre Einzelteile zerlegt, aber das ist fix repariert. Sonst haben weder wir noch die Bikes mehr als Schrammen abbekommen. Da haben wir aber Glück gehabt, dass bei der Nummer nichts Schlimmeres passiert ist!

Noch ein wenig bedröppelt steigen wir wieder aufs Rad und analysieren auf den letzten ein, zwei Kilometern noch, wie dieser Sturz eigentlich geschehen konnte. Bei einem leckeren Stück Kuchen und einem wohlverdienten Kaltgetränk (danke!) gönne ich meiner Schulter noch eine wohltuende Erstbehandlung mit Kühlpad und Schmerzcreme (ebenfalls danke!), bevor ich mich von meinen drei Mitradlern verabschiede und auf den Heimweg mache.

Auch wenn es nicht zum angesagten Gran Fondo reichte: Sportlich, ereignisreich und landschaftlich äußerst ansehnlich (ja, tatsächlich geradezu pittoresk!) war diese Tour allemal. In der Gruppe halten meine Kräfte deutlich länger als auf meinen Solo-Ritten, wo ich chronisch zum “Überpacen” neige. Und weil ich mich diesmal überhaupt nicht um die Navigation kümmern musste, konnte ich Landschaft, Sport und Plausch aufs Angenehmste genießen. Vielen Dank für die Einladung – und bis zum nächsten Mal!

Rennrad-Tour in Ostfriesland: Friesisch sportlich

Ostfriesland: Bensersiel – Esens – Blomberg – Eversmeer – Rechtupsweg – Marienhafe – Wirdum – Greetsiel – Norddeich – Dornumersiel – Bensersiel (122 km, Ø 26 km/h, als GPX herunterladen)

In den Bergen ist es schön, keine Frage. An Seen und Flüssen sowieso. Manchmal habe ich auch große Lust auf urbane Abenteuer direkt vor der Haustür. Und doch ist es besonders die schier endlose Weite des Meeres, die mich immer wieder einfängt und nicht loslässt. Und so zieht es mich auf der Suche nach der kleinen großen Freiheit auch dieses Jahr wieder nach Ostfriesland, wo ich meinen eigenen Spuren folgen will: Im letzten Jahr hatte ich dort eine überaus eindrückliche Tour auf dem Rennrad erlebt.

Neben einer Landstraße verläuft ein neu gebauter, ebener Radweg.
Frisch asphaltierter Radweg bei Esens: Des Rennradlers wahrer Himmel!

Zumindest bezüglich der Streckenlänge plane ich, im Vergleich zum Vorjahr noch eine Schippe draufzulegen. Ob ich wohl 140 Kilometer schaffe? Die Route ist schnell zusammengeklickt, dieses Jahr der Windprognosen wegen aber im Uhrzeigersinn. Damit meine Fahrt wieder an der Küstenlinie endet, lege ich mit Bensersiel den nordöstlichen Zipfel der Runde als Start- und Zielpunkt fest.

Die Anreise verläuft, im Gegensatz zum Vorjahr, sehr unspektakulär. Voller Vorfreude auf den Tag stelle ich das Auto in Bensersiel ab – und schaue gleich erst einmal dumm aus der Wäsche, denn der Parkscheinautomat will Kleingeld oder eine bestimmte Art von Geldkarte. Habe ich beides nicht dabei, und meinen Fuffi kann ich ihm mangels Schein-Slots nicht verfüttern. Na toll, also gleich mal Zeit verplempern, um irgendwo Kleingeld einzutauschen? Ich quatsche zwei junge Frauen an, die gerade längslaufen. Münzgeld haben sie auch nicht dabei, ziehen mir mit ihrer Geldkarte aber ohne mit der Wimper zu zucken einen Parkschein, lehnen jedwede Rückzahlung entschieden ab (”das möchten wir dir schenken”) und wünschen mir einen schönen Tag auf dem Rad. Na gut, den werde ich haben, allerbesten Dank! :)

Eine gut erhaltene alte Windmühle auf dem flachen Land, daneben eine große Birke
Kurze Trinkpause an der Tjaden-Mühle in Südcoldinne

Ich starte in südlicher Richtung und durchquere das schnuckelige Städtchen Esens. Etwa bei Dunum biege ich dann nach Westen ab, mein nächstes Ziel soll Eversmeer sein. Weil der Renner herrlich flott rollt und ich mehr Lust auf Sport als auf Tourismus habe, beschließe ich, das Kucken und Staunen heute mal zurückzustellen und stattdessen einfach richtig Kette zu geben.
So lasse ich dann auch das Ewige Meer ohne Zwischenstopp links liegen (war ja schließlich letztes Jahr schon dort) und bin ab da auch auf bekannten Pfaden unterwegs, diesmal halt in die Gegenrichtung. Und quasi traditionell beschaffe ich mir auch dieses Jahr mein Frühstück wieder in Marienhafe, selbstverständlich belegte Brötchen. Die will ich aber nicht sofort essen, sondern bis zum nächsten wirklich schönen Fleckchen mitnehmen. Großen Hunger habe eh noch nicht, obwohl ich zuhause nur fix eine Schüssel Müsli veratmet habe und inzwischen schon deutlich über vierzig Kilometer gefahren bin.

Dann erreiche ich Wirdum. Von hier aus wollte ich eigentlich noch bis Pewsum fahren, um dann in Campen die Küste zu erreichen. Leider biege ich dann aber falsch ab und stelle erst viel zu spät fest, dass ich nach Süden statt nach Westen unterwegs bin. Mist, und zu allem Überfluss werden die Wege nun auch immer schmaler und rumpeliger, die sind ganz sicher nicht mehr fürs Rennrad geeignet. Das alles kostet mich einiges an Zeit und Kraft, und so beschließe ich, den eigentlich geplanten “Schlenker” über Campen wegzulassen. Direkter Weg nach Greetsiel, schließlich darf ich wegen des langen Heimwegs ja auch nicht allzu spät wieder beim Auto sein!

Ein schmal zulaufendes Hafenbecken, links und rechts sind Fischkutter festgemacht.
Hafen Greetsiel: Schön hier, aber heute habe ich nicht viel Zeit zum Genießen.

In Greetsiel komme ich dann ziemlich kaputt an. Schon siebzig Kilometer gefahren, noch nix gegessen, und irgendwie gehen mir ein wenig die Körner aus. Ich brauche dringend eine Pause! Wie schon im Vorjahr setze ich mich am Hafen auf eine Bank, beiße herzhaft ins Brötchen und hole ein wenig Luft. Aber allzu lang kann und will ich nicht rasten, und so sitze ich nach einer Viertelstunde schon wieder im Sattel. Von nun an wirds leichter dank des Rückenwinds, denke ich noch – und stelle fest, dass ich beim Umfahren der Leybucht nun doch noch einmal in nordwestlicher Richtung, also genau gegen den Wind unterwegs bin. Das wird ein echter Kampf, denn so richtig regeniert habe ich mich in Greetsiel nicht.

Ein Rennrad am Watt. Weit draußen fahren die Fahrgastschiffe zu den Ostfriesischen Inseln.
Zwangspause, weil die Beine krampfen. Bezaubernd ist die Aussicht trotzdem!

Erst östlich von Norddeich dreht sich die Küstenlinie dann so weit nach Osten, dass der Wind schön zu schieben beginnt. Allerdings fangen nun – nach inzwischen neunzig Kilometern – die Oberschenkel zu krampfen an. Ich muss kurz pausieren und denke schon ernsthaft über einen Plan B nach, setze mich dann aber doch wieder aufs Rad und fahre einfach weiter. Die letzten dreißig Kilometer will ich nun auch noch schaffen!
Und tatsächlich, mit Hilfe des Rückenwinds finde ich zurück in den Flow und jage mit konstant 35 Sachen am Deich entlang. Jetzt machts wieder Spaß! Und als ich dann schließlich Dornumersiel passiere, gibts auch moralisch nochmal die letzte Luft: Nur noch acht Kilometer bis zum Ziel!

Kaputt, aber sehr glücklich, komme ich schließlich wieder am Ausgangspunkt meiner Tour an. War das eine sportliches Brett! Natürlich ist die Tour emotional nicht mit der des Vorjahres vergleichbar, allein schon wegen der aufwühlenden Anreise damals. Es fehlte dieses Mal aber auch das Überraschungsmoment am Deich: Ich wusste einfach schon sehr genau, was mich erwartet, und wurde nicht wieder so aus den Socken gehauen von Land, Meer und der Weite.

Überhaupt war ich dieses Jahr auch mehr auf den Sport fokussiert als auf die Landschaft. Dass ich dann mich in Wirdum so vergurkt und deswegen recht ordentlich Zeit (und damit Strecke!) verplempert habe, hat den Muss-mich-Beeilen-Faktor dieser Tour nur noch erhöht. Und die ziemlich anstrengenden Teilstücke gegen den Wind sowie das körperliche Zwischentief mit den Krämpfen haben schließlich dafür gesorgt, dass ich bisweilen mehr mit mir beschäftigt war als mit meiner Umgebung.

Für diesen Kampf gegen mich selbst blieben Ostfriesland und der Nordsee leider nur die Rolle der (wenngleich bezaubernd schönen!) Kulisse. Und doch hatte ich auch diesmal wieder ein paar dieser Momente, in denen ich für einen Augenblick nur fassungslos in die Weite starrte: Was ist es doch magisch schön am Meer!