Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - Witten-Heven - Bochum-Langendreer (24,4km, Ø 17,8km/h, Route bei GPSies.com)

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Rheinischer Esel: Weiß. Brille: Nass.

Es schneit! Bei drei Grad plus bleibt zwar nur spärlich etwas liegen, aber: Es schneit! Hier im Ruhrpott kommt das ja leider nicht allzu oft vor, entsprechend nervös wirkt der Radiosprecher dann auch beim Verlesen der Verkehrsmeldungen.
Ich für meinen Teil will die rare Gelegenheit nutzen, meine Umgebung auch mal wieder in weiß zu betrachten. Zwar habe ich nur Slicks auf dem Mounti, aber vermutlich wird mein Problem eh mehr die Nässe als die Glätte sein. Ich werfe mich also in diverse Lagen Trikotage und steige aufs Rad. Langs ists her, alter Freund - schön, mal wieder mit dir auszureiten! Auch die eher miesen Bedigungen - der fallende Schnee sticht im Gesicht, es ist ziemlich frisch und auf den Straßen steht das matschige Wasser - machen mich tatsächlich froh: Endlich mal wieder mit dem Rad draußen, besonders nach der tagelangen Weihnachtsschlemmerei. Und es ist ja auch ein schönes Gefühl, wenn Autofahrer und Fußgänger irritiert schauen, welcher Bekloppte bei dem Wetter wohl Rad fährt.
Nach einiger Matscherei durch Langendreer komme ich am Rheinischen Esel an, wo ich endlich so etwas wie eine geschlossene Schneedecke vorfinde - zwar immer noch alles ein wenig weich und matschig, aber immerhin weiß. Die oft etwas ins Gelände eingeschnitte und von Bäumen überdachte Trasse des Rheinischen Esels ist generell eine gute Kältefalle und dadurch zu allen Jahreszeiten spürbar kühler als die Umgebung. Was im Sommer eine willkommene Erfrischung ist, sorgt im Winter nun eben für etwas stabileren Schnee.
Meine Geschwindigkeit passe ich den Gegebenheiten an, nur selten springt der Tacho über Zwanzig. Damit bin ich sicherer unterwegs - gleichzeitig habe ich so aber natürlich auch entspannt ein Auge für das zarte weiße Kleid, das sich die Landschaft angelegt hat.

In Witten verlasse ich den Esel in Richtung Ruhr. Unten am Fluss ist es sichtbar wärmer, es bleibt kaum Schnee liegen. Der Ruhrtalradweg ist auf seinen nicht asphaltierten Abschnitten dann auch entsprechend pfützig und schmockig. Schnell weiter! An der Schleuse in Heven liegen die beiden Ruhrtalfähren an Land und warten auf geschäftigere, wärmere Monate. Auch hier weile ich nur kurz, denn meine Füßlinge halten das Wasser inzwischen nicht mehr fern, und ich bekomme eiskalte Füße. Am östlichen Ende des Kemnader Sees vorbei mache ich mich also auf den Heimweg und genieße die Ruhe in der Landschaft. Ist wirklich schön hier!
Zuhause werfe ich dann alle Klamotten in die Waschmaschine und stelle mich unter die heiße Dusche. Kein sportliches Meisterwerk ists gewesen heute, und das Wetter war wirklich ungünstig - und doch war es ein Genuss, endlich wieder unterwegs zu sein. Ohne Hatz, ohne Gedränge, ohne Lärm. Zufrieden genieße ich ein kühles Feierabendbier und überlege, ob es bis zum Jahreswechsel wohl noch einmal so gut klappt.

Nachtrag 01.01.2015:

Nein, bis zum Jahresende sollte es das tatsächlich gewesen sein. Ich schließe das Jahr 2014 mit immerhin 865 Mounti-Kilometern und mageren 307 auf dem Rennrad ab - macht in Summer wenig berauschende 1172 Jahreskilometer. Wir sehen, was 2015 so geht…