Bochum-Langendreer – Witten – Herdecke-Kirchende – Wetter – Witten – BO-Langendreer (35 km, Ø 28,2 km/h, Vmax 71,4 km/h)

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Drei flotte Flitzer (v.l.n.r.)

Einmal mehr wurde ich daran erinnert, welch selbstgerechtes und radfahrerverachtendes Weltbild mancher Autofahrer pflegt. Es ist die klassische Situation: Ein Autofahrer überholt mich trotz ausreichender Straßenbreite und ohne Gegenverkehr viel zu knapp, also stelle ich mich an der nächsten Ampel neben ihn. Es entsteht ein denkwürdiger Dialog zwischen zwei erwachsenen Männern:

Ich: “Das war verdammt eng eben!”
Er: “Hau ab, du Penner!”
Ich: “Ich will einfach nur, dass du mir beim Überholen mehr Platz lässt!”
Er: “Würdest du mich bitte siezen, du kleiner Penner!”

Keine weiteren Fragen, Euer Ehren! :)

Für die Kategorie “Radfahrerfrust” reicht diese kleine Episode aber noch lange nicht, das hatte ja eher was von Slapstick.

Davon abgesehen war diese Tour ein unauffälliger, aber angenehm sportlicher Anderthalbstünder auf der Herdecke-Route. Die macht mir immer wieder Freude: Nach Kirchende hinein kann man es so richtig rollen lassen, und auch sonst gibts fürs Rennrad herrlich viel Asphalt zu beräubern.

Nun aber ab unter die Dusche, Kaffee und Kuchen warten schon!

Bochum-Langendreer – Witten – Herdecke-Kirchende – Wetter – Witten – BO-Langendreer (27 km, als GPX herunterladen)

Mittagspaus’ und Sonnenschein, da hilft nur Radeln ganz allein! Meinem Rennrad hatte ich neue Reifen gegönnt, die alten hatten inzwischen fast zehn Jahre ihren Dienst getan und waren schon ganz brüchig. Die schicken neuen Pneus warteten noch auf ihre Jungfernfahrt, also raus auf die Straße! Meine Stammstrecke nach Herdecke ist immer eine lohnende Runde, und auch diesmal genoss ich Asphaltfreuden und sportlichen Pedalrundschlag. Was sich dann auch in einem recht ordentlichen 26er Schnitt niederschlug – und huch, stand da die Wittener Landstraße nach Herdecke hinunter tatsächlich 71,4 km/h auf dem Tacho? :)

Bochum-Langendreer – Witten – Rheinischer Esel – Dortmund-Löttringhausen – Dortmund-Schnee – Herdecke-Kirchende – Wetter – Ruhrtalradweg – Witten – BO-Langendreer (36 km, als GPX herunterladen)

Na, da habe ich ja mal ordentlich übernommen: Vollkommen ausgelaugt komme ich nach 45 Kilometern zuhause an und will einfach nur noch heiß duschen und ins Bett.

Aber der Reihe nach: Das gute Wetter stupst und zieht an mir: Los, ab aufs Rad! Sonnige Fünfzehn Grad, was willst du mehr Mitte November? Ich gebe dem Drängen nach und starte auf eine Herdecke-Runde. Fix gehts zum Rheinischen Esel, wo das Fahren ein ganz und gar entspanntes ist. Allerdings nach fünf Kilometern der erste herbe Dämpfer: Wichtige Utensilien daheim vergessen. Also umdrehen, zurück nachhause. Als ich dort ankomme, habe ich die ersten zehn Kilometer schon in den Beinen. Drehung, zurück zum Esel. Dem folge ich bis zu seinem östlichen Ende in Dortmund-Löttringhausen, aber ich merke schon unterwegs: Der bevorstehende Weg hinauf den Schnee wird kein leichter werden, schon auf der Ebene fehlen mir die Körner. Und dann stehe ich vor der ersten Steigung: Kleinster Gang und hochorgeln. Das ging alles schonmal besser, heute ist wirklich der Wurm drin.

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Dortmund von der Blickstraße aus gesehen


Schwer schnaufend – und ein bisschen über mich selbst fluchend – komme ich schließlich oben auf dem Schnee an. Nun kann ich mich immerhin nach Herdecke hinab rollen lassen und dabei auch den Puls wieder ein wenig normalisieren. Durch Kirchende gehts noch ein wenig bergab, aber dann: Wieder eine Steigung, wieder kleinster Gang, wieder schnaufen. So macht das keinen Spaß :(

Das Endertal hinab kommt dann wieder Freude auf, aber ich merke schon lange: Die Beine machen heute einfach nicht gescheit mit. Bis heim muss ichs aber noch schaffen, also schnaufe ich in Wetter über die Ruhrbrücke und fahre den Ruhrtalradweg gen Witten. Es zwickt gemein in den Oberschenkeln, jetzt bloß keine Schnörkel mehr: Diretissima nachhause! Auch kleine Steigungen drücken nun gewaltig aufs Tempo, aber darauf kommts jetzt auch nicht mehr an. Irgendwann habe ich es dann geschafft und stolpere kaputt unter die Dusche. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Ach, mimimi. Beim nächsten Mal wird alles besser!

Bochum-Langendreer – Witten – Wengern – Gevelsberg – Hagen – Herdecke – Dortmund-Syburg – Herdecke-Kirchende – Schnee – Witten – BO-Langendreer (56 km, als GPX herunterladen)

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Mit dem Charme eines Meters Autobahn: Hagen Hauptbahnhof

Ich habe große Lust auf eine Runde über Land. Her mit dem Asphalt, her mit den Landstraßen! Ich schaue auf die Karte: Wie wäre es denn mit einem Ausflug nach Süden? Gevelsberg, da könnte ich mal hinfahren. Und da geht doch auch eine Straße nach Hagen, und wenn ich einmal dort bin, könnte ich ja auch gleich nochmal das Rondell zur Syburg hochkurbeln.

Gedacht, getan! Und schon sitze ich auf dem Rad und fahre aus Witten in Richtung Wengern hinauf. So hatte ich mir das vorgestellt: Mitschwimmen im Verkehr, guter Asphalt, ordentlich Druck auf den Reifen. Straßenhatz eben!
In Wengern biege ich rechts in Richtung Silschede ab. Bis dorthin gehts bergan, mal mehr, mal weniger steil. Aber weil recht wenig Autoverkehr ist, das Wetter gerade perfekt mitspielt und die Landschaft das Übrige dazu tut, macht die Steigung nichts. Im Gegenteil, ein wenig Sport soll es ja auch sein.

Silschede markiert direkt den höchsten Punkt der ganzen Tour. Nun geht es wieder hinab nach Gevelsberg, und dort – immer entlang der Ennepe – nach Hagen. Diese Stadt glänzt wahrlich nicht durch Anmut, der Hauptbahnhof und die danebenliegende Brache geben dieses traurige Bild ganz gut wieder. Aber ich bin ja auch nicht des Tourismus’ wegen hier, also weiter!

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Herdecke: Ruhrviadukt und Heizkraftwerk Cuno

Ich möchte zum Hengsteysee, um von dort aus das Rondell zur Syburg hinaufzuschnaufen. Allerdings verpasse ich in Hagen erst einmal den Abzweig und komme deutlich zu weit westlich an der Ruhr raus, nämlich in Herdecke. Der direkte Weg von dort zum Hengsteysee ist der Ruhrtalradweg, und so fahre ich dann doch noch einen der überfüllten Touri-Radwege. Das wollte ich heute eigentlich vermeiden und hatte ja ganz bewusst die großen Straßen gesucht. Verdammt, und dann ist der Ruhrtalradweg an dieser Stelle auch noch so rumpelig von all den Wurzelaufbrüchen.

Am Hengsteysee gönne ich mir nach etwa 35 Kilometern die erste echte Pause. Kekse und Äpfel müssen als Verpflegung reichen, die Beine können sich ein Viertelstündchen ausruhen. War eine ziemliche Hatz bis hierhin, ein paar Körner muss ich mir noch für die Syburg aufheben. Nach oben gehts im Rondell, im kleinen Gang mit konstanter Drehzahl geht das ganz gut. Das gute Wetter hat die Leute nach draußen gelockt, in den engen Kurven frohlocken die Fahrer von Motorrädern, Cabrios und Oldtimern. Letztere sind heute überaus zahlreich unterwegs, da hat wohl ein Club eine Ausfahrt.

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Über dem Hengstey thront die Syburg.

Die Syburg selbst lasse ich links liegen und quere zur B 54. Die führt im Schuss hinunter nach Herdecke-Kirchende, das lasse ich mir natürlich nicht entgehen. Im freien Fall jage ich hinab. Ja, das ist die Asphalt-Freude, die ich heute gesucht habe!

Kirchende liegt leider unten im Tal, und Witten, das nächste Zwischenziel, liegt hinterm Berg. Hinter dem Schnee, um genau zu sein. Also wieder: Kleinster Gang, Drehzahl konstant halten und hoch. Allerdings merke ich nun, dass ich schon einiges an Kilometern in den Beinen habe: So langsam wirds schmerzhaft. Aber dann habe ich die Strapazen hinter mir und kann mich auf der Ardeystraße nach Witten hineinfallen lassen. Genug Asphalt für heute, ab nachhause! Und diese Runde kommt auf den Zettel fürs Rennrad, das ist auch irgendwann mal wieder dran.

Bochum-Langendreer – Witten-Zentrum – Hohenstein – Herdecke-Kirchende – Schnee – Witten-Zentrum – Kemnader See – BO-Langendreer (44 km)

Manchmal musst du abends einfach nochmal raus, auch wenn du gar kein echtes Ziel hast. Es ist kurz nach sieben, und eigentlich will ich zum Rheinischen Esel, entscheide mich dann aber spontan für den Wittener Hohenstein. Da gibts ein paar steile Höhenmeter zu sammeln, und der Ausblick übers Ruhrtal von da oben ist auch nicht zu verachten. Dazu malt die untergehende Sonne auch noch den Himmel rot, da lässts sichs ein paar Minuten verweilen. Die Krönung ist jedoch der Herr mit der Gitarre, der die abendlich-entspannte Stimmung mit Instrument und Stimme noch vergoldet. Good bye, ruby tuesday!

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Immer wieder schön: Der Blick vom Wittener Hohenstein ins Ruhrtal.


Als der Herr sein Instrument irgendwann verstaut und geht, wird es wieder still auf dem Hohenstein. Jetzt schon wieder nachhause? Nee, da geht noch was – wie wäre es als nächstes mit einem Abstecher nach Herdecke? Also rase ich durch den Wald an den Hammerteichen entlang wieder hinunter zur Ruhr. Das ist ungefedert und bei der einsetzenden Dunkelheit ein grenzwertiges Unterfangen, wie ich schnell feststellen muss. Also nehme ich etwas Schwung raus und aktiviere meinen Helmstrahler. Viel besser, und dann bin ich unten auf der B 226 ja auch schon wieder auf Asphalt. Kurz vor Wetter biege ich nach links ins Endertal ab. Was ich sonst genussvoll hinabschieße, schnaufe ich diesmal empor. Aber ich habe keinen Zeitdruck, und so brauche ich mich nicht zu hetzen. Irgendwo im Wald ruft ein Kauz, und im hektischen Parallelflug begleitet mich eine Fledermaus.

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Abendliche Asphalt-Romantik auf dem Schnee

Eine kleine Pause in Kirchende – und wieder die Frage: Wohin jetzt? Nach Hohensyburg, und damit die Tour deutlich verlängern? Nein, das wäre zuviel des Guten. Also über den Schnee nach Witten, auf der Ardeystraße ist kaum noch etwas los. Es ist abends um neun immer noch ausreichend warm, sodass ich in kurzer Hose nicht friere. Ein herrliches Fahren!

In Witten lausche ich in mich hinein: Direkt nachhause, oder doch nochmal zum Kemnader See? Die Beine geben noch grünes Licht, mahnen aber schon vorsichtig einen baldigen Feierabend an. Na gut, dann vielleicht mit ein, zwei Umdrehungen weniger an der Kurbel. Kommt auf ein paar Minuten mehr nicht an! Also fahre ich entlang der Ruhr zum Kemnader See, wo ich mir noch eine letzte Pause gönne. Inzwischen geht es auf zehn Uhr, und es ist herrlich ruhig und friedlich am See. Über die Kleinherbeder Straße segle ich heimwärts. Die Oberschenkel zwicken nun deutlich, mehr wäre wirklich nicht nötig gewesen.

Unter der Dusche lasse ich die Tour noch einmal Revue passieren und freue mich, dass aus dem ziemlich planlosen Start etappenweise so eine schöne Herdecke-Variante entstanden ist. Ein toller Mix aus Waldweg und Landstraße, aus Sport und entspannten Momenten. Einen guten Teil mag auch beigetragen haben, dass abends kaum noch jemand unterwegs ist.
Und nun ab ins Bett, das Schlafen geht jetzt ganz von allein!