Variantes d’Herdeque: Harkortsee

Bochum-Langendreer – Witten – Herdecke – Wetter – Witten – BO-Langendreer (33 km, als GPX herunterladen)

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Herdecke

Weil ich Lust auf eine Runde nach Herdecke habe, aber nicht auf Schieben-durch-die-Endertal-Baustelle, eröffne ich eine neue Variante meiner Haus- und Hofstrecke: Ich lasse das Endertal rechts liegen und fahre stattdessen direkt ins Zentrum von Herdecke. Von dort aus geht es weiter entlang des Harkortsees nach Wetter. Auf dem weiteren Weg in Richtung Witten treffe ich dann am Abzweig Endertal wieder auf meine Standard-Route, der ich ohne besondere Vorkommnisse nachhause folge.
Das stellt sich als recht angenehme Variation heraus – bestimmt werde ich diesen kleinen Umweg zukünftig das eine oder andere Mal wiederholen.

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Harkortsee; links der markante Schlot des Kraftwerks Cuno.

Meine Wahl: Pedal! Mit dem Renner nach Volmarstein

Bochum-Langendreer – Witten – Wetter – Hagen-Vorhalle – Volmarstein – Wengern – Witten – BO-Langendreer (30 km, als GPX herunterladen)

Es ist Sonntag, aber nicht irgendeiner: In Nordrhein-Westfalen wird der Landtag gewählt! Meine Kreuzchen pflichtbewusst bereits gesetzt, entschließe ich mich zu einer mittäglichen Hatz auf dem Renner, das Wetter dazu ist exquisit.

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Die letzten Meter zur Burgruine Volmarstein: Die Steigung lässt sich zumindest erahnen

Meine Wahl (höhö) fällt auf die Burgruine Volmarstein: Auf dem Mounti habe ich den Anstieg dort hinauf schon mehrfach “rotpunkt”, also ohne abzusteigen, bezwungen – auf dem Rennrad bin ich daran bisher stets gescheitert. Dass es heute klappen wird, kann ich zwar nicht so recht glauben, aber wer nicht wagt… Also auf in den Sattel!

Tatsächlich ist so ein Wahlsonntag ein hervorragender Termin für sportlichen Pedalrundschlag: In den Stadtteilen und Ortschaften sind viele Leute fein gekleidet zu Fuß unterwegs, die dann natürlich auf den Straßen “fehlen”. Auf meinem Weg durch Witten und Wetter genieße ich beruhigend viel Platz, und die recht wenigen Autofahrer, die unterwegs sind, nehmen erfreulich viel Rücksicht auf mich.

An der Hagener Stadtgrenze biege ich in Richtung Volmarstein ab. Dort gibt es drei Möglichkeiten, aus dem Ruhrtal hinauf zur Burgruine zu gelangen: Die Hegestraße, ein sich auf 600 Meter windendes 25%-Monster, bergab vermutlich nicht ganz grundlos für Fahrradfahrer gesperrt; ein Stück weiter die Hauptstraße, immer noch jenseits der 20%, die nehme ich in Angriff; und schließlich die Bachstraße, auch um die 20% Steigung, da will ich auf dem Rückweg wieder hinunter fahren.

Aber wie bei allen anderen Versuchen auf dem Renner muss ich auch diesmal auf halber Strecke eine Pause einlegen, weil die Kraft schlicht nicht reicht und mein Puls in ungesunde Regionen schnellt. Verdammt, mir fehlen einfach nach unten die Gänge! So hänge ich also einen weiteren Sack an diesem Anstieg ein, der sich so langsam zu einer echten “Bitch” entwickelt. Warte nur, eines Tages bezwinge ich dich!

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Immer wieder schön: Wetter, Harkortsee, Herdecke und der Kaisberg

Oben auf der Burgruine lasse ich dann den Sport Sport sein und genieße lieber tiefenentspannt den Ausblick, der sich mir über Wetter, den Harkortsee und die Stadt Hagen bietet. Ja, auch dafür bin ich heute hierher gekommen: Einfach eine Viertelstunde in der Sonne sitzen und die Seele baumeln lassen, das tut richtig gut.

Dann mache ich mich auf den Heimweg, der führt mich zunächst die Bachstraße hinab. Allzu schnell will ich hier aufgrund der kurvigen und nicht immer gut einsehbaren Straße nicht werden, also muss ich kräftig verzögern. Während dafür bei einem modernen Gravelbike vermutlich ein kleiner Wink an die Scheibenbremsen reicht, muss ich bei meinem ollen Rennhobel ziemlich ausdauernd und kräftig an den Hebeln ziehen – das Ding wurde fürs Fahren konstruiert, nicht fürs Bremsen! Unten angekommen, kann ich kaum glauben, wie anstrengend auch Abfahrten sein können…

Entlang der Ruhr fahre ich dann wieder halbwegs eben in Richtung Witten zurück, wo ich noch flink durch die Innenstadt wusele und nach Langendreer abbiege. Hier merke ich dann sehr deutlich, dass ich meinen aktuellen Leistungsstand mit dieser Tour schon recht gut ausgereizt habe: Am allerletzten Anstieg krampfen plötzlich beide (!) Oberschenkel, und ich sehe zu, dass ichs noch nachhause schaffe. Dort sitze ich dann noch eine ganze Weile selig lächelnd in der Sonne und sortiere im Kopf die schönen Eindrücke dieser Tour.

Nagelneuer Kack-Radweg in Langendreer

Bochum-Langendreer – Witten – Kemnader See – BO-Langendreer (27 km)

Vor nicht allzu langer Zeit im Bochumer Tiefbauamt:
“Chef, die Presse meckert, wir hätten immer noch zu wenige Radwege in Bochum!”
“Immer ist irgendwas! Hm, wird nicht eh gerade die Kreuzung Hauptstraße/Baroper Straße in Langendreer für die Straßenbahn neu gebaut? Lassen Sie das Planungsbüro halt noch einen Radweg anflanschen! Aber benutzungspflichtig! Und Grün gibts für diese zweirädrigen Rambos erst, wenn sie brav den Bitte-Bitte-Knopf gedrückt haben! Wegen der Sicherheit, wissenschon!”
“Aber Chef, ein Radweg ist an dieser Stelle gar nicht sinnvoll, da ist ja auch gleich die Autobahnauffahrt … am Ende gefährden wir die Radfahrer dort mehr, als wir Ihnen helf–”
“Quatsch, Grabowski! Radweg ist Radweg!”

Exakt so muss dieser Dialog stattgefunden haben, denn was dem gen Osten fahrenden Radfahrer seit einiger Zeit an besagter Kreuzung angeboten wird, darf man getrost als “Kack-Radweg” bezeichnen.

Kurz vor der Kreuzung beginnt benutzungspflichtig der Radweg und führt neben der Fahrbahn zur Kreuzung hin. Hier wartet die erste Bettel-Ampel auf die Pedalisten: Grün wirds erst, wenn man den Knopf drückt. Es geht also nicht ohne Anhalten – auch nicht, wenn die Autofahrer direkt daneben gerade Grün haben. Das sind doch erst die infrastrukturellen Kleinigkeiten, die einen so richtig zum Fahrradfahren motivieren!

Nach der Überquerung der Fahrbahn der Hauptstraße kreuzt der Radweg dann die von Witten kommende Rechtsabbiegerspur – Bettel-Ampel Nummer zwei. Wollt ihr mich veralbern?

Die eben gequerte Fahrspur wird auch sogleich zur Abbiegespur in Richtung Autobahnauffahrt; man muss sie also ein Stück weiter erneut kreuzen. Allerdings ist hier die Vorfahrtsregelung alles andere als eindeutig: Den Radfahrern – und vor allem auch den Autofahrern! – suggeriert sowohl die Fahrbahnmarkierung (rote Radweg-Farbe endet, sogar mit weißer Punktlinie quer zum Radweg!) als auch das erst nach (!) der Radweg-Querung stehende Vorfahrt-achten-Schild (hier gehts um die von links kommenden Autos), dass die Rechtsabbieger Vorfahrt hätten. Wie meinen? Hat ein straßenbegleitender Radweg nicht grundsätzlich Vorrang vor Rechtsabbiegern?

Keine 200 Meter, nachdem er begann, endet der schicke neue Radweg dann auch schon wieder: In einem Seitenstreifen, der (wenn auch nicht explizit dafür freigegeben) stets intensiv zum Parken genutzt wird. Erleichterung des Einfädelns zurück auf die Fahrbahn? Fehlanzeige! Und das kleine Zusatzschild “Ende” unter dem blauen Radweg-Schild dürfte den meisten Autofahrern schlicht nicht auffallen – die ärgern sich einfach nur, dass wieder so ein blöder Radfahrer “den Radweg ignoriert” und vor ihnen auf die Fahrbahn rauszieht.

Was für ein Kack-Radweg. Nagelneu und fein rot bemalt, und doch nur ein Feigenblatt: Seht her, wir haben euch doch Infrastruktur gebaut!
Bettel-Ampeln sind in meinen Augen (genauso wie Drängelgitter und rumpeliger Langsamer-Fahren-Fahrbahnbelag) nichts als ein lupenreiner Stinkefinger ins Gesicht mündiger Radfahrer. Und doppelt hält so ein freundlicher Gruß bekanntlich besser!
Bei der getrost als “fahrlässig zweideutig” zu bezeichnenden Vorfahrtssituation an der Abbiegespur zur Autobahn hört der Spaß dann aber endgültig auf.

Ich habe das Tiefbauamt der Stadt Bochum angeschrieben und um Beantwortung der simplen Frage gebeten: Wer hat an dieser Stelle Vorfahrt, Radfahrer oder Rechtsabbieger?

Update 05.06.

Das Tiefbauamt hat geantwortet: Es fehlt schlicht noch ein Verkehrsschild.
Mehr dazu hier: Nagelneuer Kack-Radweg in Langendreer: Das sagt das Tiefbauamt