Zum Jahresabschluss nochmal Sprockhövel und Herdecke

Bochum-Langendreer – Witten – Herbede – Hammertal – Sprockhövel – Hiddinghausen – Silschede – Wetter – Herdecke-Kirchende – Witten – BO-Langendreer (46 km, Ø 24 km/h, Vmax 72 km/h, als GPX herunterladen)

Eine recht kühle, aber immerhin trockene und manchmal sogar sonnige Sprockhövel-Runde schließt das endende Jahr würdig ab. Für die Extra-Würze sogar noch mit einem Schlenker über Herdecke!
Den Steilhang von Grundschöttel hinab bin ich – nur rollend! – sogar nochmal schneller als 70 km/h, bis ich vor der scharfen Kurve ganz unten den Anker werfe. Hatte ich gar nicht vor, nehm ich aber natürlich gerne mit!

2023: Ein Rückblick

Schaue ich auf mein Fahrrad-Jahr 2023 zurück, bleibt mir vor allem das Wahnsinnsbrett durch Böhmen mit André, Jannis und Julius im Gedächtnis. 150 Kilometer durchs Mittelgebirge mit faktisch null Trainingsstand: Noch nie war ich nach einer Tour derart tiefenentladen – und doch (oder genau deswegen!) war das ein sensationeller Tag. Aaallez!

Auch sportlich gesehen war das ein gutes Jahr, habe ich doch zumindest einmal den 30er Schnitt geknackt und (eigentlich eher aus Versehen!) mit 83 km/h Spitzengeschwindigkeit meinen vermutlich ewigen persönlichen Maximalwert gesetzt.

Was mir einige ja erst glauben, wenn sie es mit eigenen Augen sehen: Es ist wirklich schön im Ruhrgebiet und rundherum! Auch 2023 genoss ich einige schöne Halden-Touren, und ich habe auch das Wodantal “wiederentdeckt”.

Aber es sind nicht nur Sport und Landschaft, die ich am Fahrradfahren schätze, sondern auch die Begegnungen mit Menschen. Derer hatte ich einige, aber eine war ganz besonders interessant. Und zu Ostern, ich schwöre bei meinem Hinterrad, traf ich sogar den Osterhasen!

Vielleicht liegt es daran, dass ich an Gelassenheit gewonnen habe, aber bemerkenswert finde ich es allemal: Nicht eine Tour in der Kategorie “Radfahrerfrust” dieses Jahr!

297 Kilometer auf dem Mounti und 1.394 auf dem Rennrad ergeben eine stattliche Summe von 1.691 Kilometern. Um mich mal wieder selbst zu zitieren:

Nicht schlecht dafür, dass ich nie Zeit zum Fahrradfahren finde!

“Sofort, unverzüglich”: Eine unerwartete Begegnung

Bochum-Langendreer – Witten – Hiddinghausen – Silschede – Wetter – Witten – BO-Langendreer (34 km, Ø 23 km/h, als GPX herunterladen)

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Wenn das mal kein Dresdner ist!

Auf meiner Sprockhövel-Runde überhole ich, aus Witten in Richtung Bommerholz hinauffahrend, einen Mountainbiker. Ich bin deutlich flotter unterwegs als er und setze zum Überholen an – als ich die Klingel an seinem Lenker sehe: Klar, Schwarzgelb kennt man hier im Ruhrgebiet, aber das weiße “D” auf rotem Grund, das kommt ja wohl deutlich weiter aus dem Osten!

Ich kann nicht anders und spreche ihn an: Natürlich ist er ein Exil-Dresdner! Wir radeln nebeneinander her, kommen ins Schwatzen, und er erzählt mir seine Geschichte. Vom Ausreiseantrag, noch Anfang der Achtziger, gerade, dass er volljährig war. Von der Stasi und all den großen und kleinen Nickligkeiten, die man in der DDR durchmachte, wenn man politisch nicht auf Linie war. Vom unbändigen Wunsch, rauszukommen. Und dann von diesem historischen 9. November 1989, als Schabowski vollkommen unerwartet die Reisefreiheit verkündete, “sofort, unverzüglich” – nicht weniger als das Ende der Mauer. Noch an diesem Abend, erzählt er mir, fährt er an die Grenze und verlässt die DDR.

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Kühl, aber sonnig: Rennrad-Wetter!

Seitdem lebt er “im Westen”, hier im Ruhrgebiet. Hat sich ein Leben aufgebaut, kommt zurecht. Aber man hört es deutlich heraus: Wirklich angekommen ist er nie. Das liegt sicher auch daran, dass die Menschen hier einfach nicht nachvollziehen können, was er als junger Mensch seinerzeit erlebt und erlitten hat. Was ihn antrieb, seine Heimat hinter sich zu lassen, wortwörtlich bei der allerersten sich bietenden Gelegenheit. Dass ihn das (natürlich!) bis heute prägt.
Und so treibt es ihn vielleicht noch weiter durch die Welt, bald, wenn er in Rente geht. Um doch noch irgendwo so richtig anzukommen.

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Die Ruhr bei Wengern: Seenlandschaft

Dann verabschiedet er sich von mir, seine Route trennt sich nun von meiner. Ich danke ihm für seine Offenheit und wünsche ihm einen wunderbaren Jahreswechsel – und hoffe, dass sich seine Wünsche für den Ruhestand erfüllen. Seine Geschichte wird mich noch weit über meine heutige Trainingseinheit hinaus beschäftigen.

Apropos Training: Dass die kulinarisch intensiven Feiertage gerade erst vorbei sind und meine letzte Fahrradrunde schon drei Wochen zurück liegt, merke ich auf den letzten Kilometern dann deutlich. Ziemlich platt komme ich zuhause an und frage mich, ob das vielleicht sogar die letzte Tour des Jahres war. Wer weiß …?

Sprockhövel eiskalt

Bochum-Langendreer – Witten – Hiddinghausen – Silschede – Wetter – Witten – BO-Langendreer (34 km, Ø 25 km/h)

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Blick hinab ins Ennepe-Tal. Das weiße Zeug liegt zum Glück nur auf den Feldern.

Lieber Winter, nun willst du’s aber wissen: Knackig kühl, grad eben über dem Gefrierpunkt, aber die Sonne lässt du frech scheinen! Eine derartige Provokation kann ich nicht unbeantwortet lassen und pelle mich in den bewährten Zwiebel-Look. Bis runter zu den Füßen: Die bekommen heute gleich zwei Paar Socken und natürlich die Neopren-Füßlinge – auf Frieren habe ich nämlich gar keine Lust.
Derart eingepackt, entsteht eine immer noch recht kalte, aber wahrlich schöne Trainingseinheit auf der gewohnten Sprockhövel-Runde. Die Straßen sind fast überall trocken und sehr rennradtauglich, nur in schattigen Senken hat die Sonne noch nicht alle Feuchtigkeit aus dem Asphalt holen können. Dort passe ich natürlich auf wie ein Heftelmacher, weil ich so gar keine Lust habe, mich zu maulen. Klappt aber alles problemlos – auch, weil ich für meine Verhältnisse geradezu defensiv fahre. Ja, auch das geht!

Sportlich, sportlich: Grundschöttel im Sitzen

Bochum-Langendreer – Witten – Wetter – Silschede – Hiddinghausen – Witten – BO-Langendreer (35 km, Ø 27 km/h, als GPX herunterladen)

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Wetterstraße unterhalb des Hohensteins: Rennrad-Habitat

Wollen doch mal sehen, wie sich der steile Stich nach Grundschöttel hinauf anfühlt, wenn mal nicht dreißig Grad auf dem Thermometer stehen! Also flott durch Witten hinunter zur Ruhr geflitzt, von wo aus die Wetterstraße nach Wetter führt. Nachdem die neu asphaltiert wurde, ist die zulässige Geschwindigkeit hier seit Wochen wegen “Rollsplit” (ich hab keinen gesehen) auf 50 km/h reduziert. Sonst krachen die Autos hier mit 100 lang, das ist also aktuell deutlich angenehmer mit dem Rad zu fahren. Schauen wir mal, wie lange noch – sobald hier wieder freigegeben ist, werde ich wohl wieder auf die andere Ruhrseite (über Wengern) ausweichen.

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Der vertraute Blick von der Ruhrbrücke in Wetter

In Wetter wechsle ich die Ruhrseite und nehme die ziemlich steile Grundschötteler Straße in Angriff. Die zu bezwingen, ohne aus dem Sattel zu gehen, ist mein heutiges sportliches Ziel. Und obwohl das ziiiemlich schlaucht, weil auf dem Renner nach unten hin natürlich die ganz kleinen Gänge fehlen, schaffe ich es tatsächlich! Das ist ein gutes Gefühl, das natürlich noch umso besser wird, je mehr die Steigung zu ihrem Ende hin wieder abflacht. Schließlich habe ich das Ruhrtal hinter (unter?) mir gelassen und fahre nun weiter auf meiner üblichen Hiddinghausen-Runde, nur eben gegen den Uhrzeigersinn.

Sobald ich in Haßlinghausen gen Norden in Richtung Witten-Bommern abbiege, habe ich auch noch den Wind im Rücken – jetzt wirds erst so richtig schön! Ganz im Sport-Modus jage ich, stets jenseits der Dreißig, zurück ins Ruhrtal. Wenn der Renner einmal rennt, dann rennt er!

Silschede-Quickie

Bochum-Langendreer – Witten – Hiddinghausen – Silschede – Wengern – Witten – BO-Langendreer (33 km, Ø 27 km/h)

Vermutlich ist das die kürzeste ernstzunehmende Strecke ins Sprockhöveler Umland: Einmal über Bommern aus dem Ruhrtal hinaus bis nach Hiddinghausen, weiter nach Silschede, und von dort auf der Esborner Straße wieder gen Norden bis Wengern. Bonus auf diesem Teilstück: Es geht konstant bergab, da kann ich den Renner trotz der Wärme so richtig fliegen lassen. Der Rest ist dann die Standardstrecke von Wengern über Bommern nachhause. Macht am Ende knapp über dreißig Kilometer: Es müssen ja nicht immer die ganz langen Bretter sein.