Saisonauftakt

Bochum-Langendreer – Witten-Zentrum – Rheinischer Esel – BO-Langendreer (13,8km, Ø 25,5km/h)

2016-04-04.jpgDie Abendsonne zwinkert mir aufmunternd zu. Ab aufs Rad, ich habe dir den Frühling ins Land gezaubert. Wer könnte da widerstehen?

Das Fahrrad blinzelt noch verschlafen, als ich den Reifendruck an der Tankstelle erneuere. Aber dann erwacht es, jubelt, galoppiert. Frische Wiesen und Wälder ziehen vorbei, es duftet unverschämt gut nach Frühling. Die Kaninchen hoppeln vergnügt über den Radweg und rufen leise, auch wir sind wieder da.

Die meisten Autofahrer wissen vor lauter Schreck noch gar nicht, was sie mit den vielen Fahrradfahrern anfangen sollen, die plötzlich wieder das Revier bevölkern.

Mein Herz hüpft, genießt, will mehr. Schneller. Weiter. Nur die Waden mahnen schmunzelnd zur Ruhe. Mach sachte, du Heißsporn. Es geht doch gerade erst wieder los.

Saisonauftakt.

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - WIT-Herbede - Umrundung Kemnader See - BO-Langendreer (29,1km, Ø 25,4km/h, Route bei GPSies.com)

Offenbar hat Petrus ein Einsehen mit mir (und meinem dieses Jahr nur spärlichst gefüllten Tourenbuch) - und stellt zu Weihnachten den Regler auf Frühling. Fünfzehn Grad, sonnig und nur wenig Wind, das schreit nach einer kleinen Runde. Klein, da die Zeit begrenzt und der Trainingsstand miserabel ist. Aber immerhin: Ich schaffe es nochmal nennenswert aufs Rad dieses Jahr!
Unterwegs staune ich über Jogger im T-Shirt (Ende Dezember!) und freue mich über eine überraschende Begegnung (Mensch, ewig nicht gesehen!). Der Rest ist moderat-sportliches Rennradfahren auf Radwegen, die ob des überraschend milden Wetters ziemlich voll sind. Ich genieße jeden Meter, denn diese schönen Momente auf dem Rad waren leider äußerst rar* dieses Jahr. Danke, Petrus :)

* In Summe waren es nur 290 km auf dem Renner und lächerliche 55 auf dem Mounti. Reden wir nicht drüber…

City Slicker

Bochum-Langendreer - BO-Harpen - BO-Zentrum - BO-Stiepel - Kemnader See - BO-Langendreer (29,8km, Ø 24,1km/h, Route bei GPSies.com)

2015-10-19_1.jpgAuf dem Fahrrad kann man in und um Bochum einiges erleben. Natur und Ruhe auf den Feldern, aber auch innerstädtisches Gewusel. Ich wollte beides, also fuhr ich zunächst über die Felder in Richtung Harpen. Dort tauchte ich dann ins Gewühl ein und folgte der Castroper Straße in die Innenstadt, wo ich frech im Verkehr mitwuselte. Wenn die Kollegen in den Autos erst einmal akzeptiert haben, dass da einer auf dem Rad genau so schnell ist wie sie, sind sie eigentlich ganz freundlich. Vielleicht gehört auch dazu, dass man sich an die Regeln hält und nicht ständig versucht, überall der Schnellere zu sein. An den Ampeln spare ich mir jedenfalls den Stress, immer bis ganz nach vorn zu drängeln, und bei Rot halte ich sowieso (Ampelignoranz ist ja ein sehr beliebter Vorwurf Fahrradfahrern gegenüber). Im Gegenzug nehme ich mir dann auch die Freiheit, eine Spur für mich zu beanspruchen und gleichberechtigt mit dem Verkehr mitzuschwimmen.

Weil ich noch Lust auf einen kleinen Anstieg hatte, fuhr ich aus der Stadt nicht direkt nachhause, sondern bog auf die Königsallee ab, nach Stiepel hinauf. Hier war mir das Glück dann noch hold, denn ein großer Reisebus vor mir hatte die selbe Route. Der hat mich so kräftig in seinen Windschatten gesogen, da konnte ich mich gar nicht wehren und musste notgedrungen mit 45 km/h bergan fahren! :)

2015-10-19_2.jpgVon Stiepel ließ ich es dann hinab zur Ruhr rollen. Es war inzwischen dunkel, und überall war mit Laub auf der Straße zu rechnen. Also blieb ich hochkonzentriert und verzichtete auf Höchstgeschwindigkeitsorgien - ich hatte einfach keine Lust, mich lang zu machen.

Unten an der Ruhr verließ ich dann die Straße und schwenkte auf den Ruhrtalradweg entlang des Kemnader Sees ein. Welche Ruhe, welche Entspannung! Im Schein der Helmlampe sah ich so manches Augenpaar am Waldrand blinzeln und hatte dann schließlich auch noch die Freude, ein Reh aus allernächster Nähe zu beobachten.

Über die Kleinherbeder Straße spurtete ich dann heim - inzwischen plagte mich profaner, aber kräftiger Hunger.

Bochum-Langendreer - Rheinischer Esel - Witten-Zentrum - Ruhrtalradweg über Witten-Heven zum Kemnader See - BO-Langendreer (23,9km, Ø 18,2km/h; Route bei GPSies.com)

2015-05-23_1.jpgNach langer Zeit besuchte der Arild mich mal wieder in Bochum. Das wollte er auch dazu nutzen, sich die Schönheiten des Ruhrtals, die ich hier im Tourenbuch stets beschreibe, auf einer Fahrradtour endlich auch einmal persönlich anzusehen. Da er sein Rad nicht dabei hatte, setzte ich ihn auf mein ATB und radelte selbst auf dem Renner. Petrus spielte bestens mit, und weil wir leider nicht übermäßig viel Zeit hatten, plante ich “nur” eine flotte Runde über den Rheinischen Esel und den Ruhrtalradweg.
Wir durchquerten Langendreer zum Rheinischen Esel, auf dessen - ich zitiere mich Arild zuliebe selbst - “topfebenem” Belag wir gen Witten schwebten. Besonders fiel meinem Besuch dabei der Schotter links und rechts des Asphalts auf, der davon erzählt, dass dieser Radweg früher mal eine Bahntrasse war. Auch einige Gleis-Meter, die hier und da noch zu sehen sind, erinnern an diese Zeiten.

In Witten vermisse ich auch nach Jahren noch eine Möglichkeit, die Innenstadt vom Rheinischen Esel hinunter zur Ruhr stressfrei zu durchqueren. Aber Arild ist auf dem Fahrrad ja auch kein Kind von Traurigkeit, und so bahnten wir uns flott und gewitzt den Weg durchs Verkehrsgewühl. Nachdem wir schließlich die Ruhr überquert und den Ruhrtalradweg erreicht hatten, wurde die Umgebung wieder grün und das Radeln wieder entspannt. Auf dem Weg ruhrabwärts schmunzelten wir in Bommern noch kurz über die Lok-Namen der Muttentalbahn (hihi, “Gertrud”), bevor wir uns an der Burgruine Hardenstein von der gleichnamigen Ruhrtalfähre übersetzen ließen. Die Überfahrt ist grundsätzlich kostenlos, aber natürlich hat der aufmerksame Fahrgast immer etwas Klimpergeld für die Unterstützung dieses Unikums dabei.

2015-05-23_2.jpgAn der Schleuse in Heven (die, wie ich lernte, offiziell eigentlich “Schleuse Herbede” heißt), gönnten wir uns eine kleine Pause. Hier ist man - wie übrigens überall am Ruhrtalradweg zwischen Winterberg und Duisburg! - immer um das Wohl der Fahrradfahrer bemüht. So kann man sich nicht nur mit Eis und Bratwurst stärken, sondern dank der prominent platzierten Standluftpumpe auch dem Velo etwas Gutes tun. Ein toller Service!

Ein Stück weiter flussabwärts speist die Ruhr dann den Kemnader See. Hier konnte ich noch ein letztes Mal meine Fähigkeiten als Touristen-Guide beweisen und klärte meinen Besuch darüber auf, dass der Kemnader See der einzige Binnensee Deutschlands ist, der über eine komplette Hafenbefeuerung verfügt. Mit Leuchtturm! Damit kann man in der hiesigen Wassersportschule - mitten im Ruhrpott - sogar den Sportbootschein See machen. Okay, das mag jetzt nicht die ganz wertvolle touristische Information sein, aber zum Abschluss unserer kleinen Tour war das zumindest ein sehr amüsanter Fakt. Man soll ja auf Reisen auch was lernen!

Arild jedenfalls fuhr später recht beeindruckt wieder nachhause - derart grün, geschichtsbewusst und abwechslungsreich hatte er den Ruhrpott wohl nicht erwartet. Komm bald wieder vorbei, dann zeige ich dir auch mal das Ardeygebirge … oder das Bergische Land … oder das Sauerland … oder … :)

Dort! Mund!

Bochum-Langendreer - Witten-Stockum - Dortmund-Eichlinghofen - DO-Hörde - Umrundung Phoenix-See - DO-Zentrum - DO-Kirchlinde - DO-Bövinghausen - BO-Gerthe - BO-Zentrum - BO-Langendreer (60,8km, Ø 25,2km/h; Route bei GPSies.com)

Diese Runde auf dem Rennrad führte mich endlich mal wieder an den Phoenix-See nach Dortmund-Hörde. Da war ich schon lange nicht mehr, und so klickte ich mir morgens bei den GPSies schnell eine Route zusammen und fütterte mein Garmin damit.
Wo heute der Phoenix-See Ausflügler (und Immobilienspekulanten) erfreut, stand früher “Phoenix Ost”, ein Stahlwerk des Hörder Vereins. (Der Unterschied zwischen damals und heute erschließt sich recht gut in diesem Bild.)
Die Tour führte mich über Witten-Stockum und Dortmund-Eichlinghofen in Richtung Hörde, wo ich zunächst “Phoenix West” besichtigte. Hier kann man noch die Reste der Hochöfen und Kühltürme sehen, die viele Jahre das Bild von Hörde geprägt haben. Inzwischen ist rund um diese Industriedenkmäler ein Gewerbegebiet entstanden, in dem sich nach und nach neue Firmen ansiedeln. Zum einen ist das natürlich ein sehr spannender Arbeitsort - zum anderen ergibt sich so natürlich auch ein interessanter Kontrast zwischen Geschichte und Gegenwart.

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Das Westende des Phoenixsees - oder auch: Ziemlich modern und hässlich, das neue Hörde. Aufs Bild klicken für volle Größe (2755 × 800 Pixel / 394 KB).

Dann durchquerte ich Hörde und genoss - teure, aber leckere Fritten im Bauch - eine wunderbare Runde um den Phoenix-See. Wenn man die Klötzchen-”Villen” der Dortmunder Schickeria links und rechts des Sees ignoriert, ist hier ein tolles Stück städtischer Naherholung entstanden. Natürlich ist auf Fuß- und Radwegen rund um den See entsprechend viel los, vor allem am Wochenende. Ich hatte es zeitlich jedoch gut abgepasst und den See schon umrundet, bevor die Nachmittagsspaziergänger einfielen.
Für den Heimweg hatte ich mir vorgenommen, den Dortmunder Innenstadtring zu streifen und dann nachhause zu fahren. Als ich dann aber durchaus noch Lust und Körner verspürte, verlängerte ich die Tour noch spontan über Gerthe in die Bochumer Innenstadt. Dann reichte es aber wirklich, eine zusätzliche Verlängerung über Witten ließ ich lieber bleiben. Vielleicht beim nächsten Mal.

In Summe war dies eine tolle Rennrad-Tour bei wunderbaren Wetter. Viel gesehen, und endlich mal wieder so richtig Meter gemacht! Wer es ruhiger mag, sollte seine Tour aber vermutlich anders planen: Die allermeiste Zeit bewegte ich mich auf gut frequentierten Straßen, auf denen ich zwar schnell vorankam, aber dafür natürlich wenig entspannt und erholsam. Rennrad-Hatz eben - muss man wollen.