Bochum-Langendreer – Rheinischer Esel - Witten – Kemnader See – BO-Langendreer (19 km, Ø 29,1km/h)

Gehen Sie bitte weiter, es gibt hier nichts zu sehen. Na gut, vielleicht die Notiz über eine ziemlich schnelle Rennrad-Runde, die mich über den Esel nach Witten und von dort aus zum Kemnader See führt. Die Kleinherbeder Straße jage ich dann, den Wind im Rücken, mit konstant 40 km/h zurück nach Langendreer. Diese Hatz resultiert in einem Schnitt von über 29 km/h, da fehlt wirklich nur noch ein Quäntchen bis zur magischen Dreißig. Ich bin gespannt, ob mir das dieses Jahr wenigstens ein Mal gelingt!

Rheinradweg: Koblenz – Andernach – Linz am Rhein – Remagen – Bonn (78 km, als GPX herunterladen)

Am Ende meiner Tour auf Etappe 13 des Rheinradwegs zwischen Bonn und Düsseldorf stand für mich bereits fest: Das war zweifellos schön, aber landschaftlich noch reizvoller muss es weiter südlich, auf Etappe 12, sein! Die führt von Koblenz nach Bonn, und genau diese Strecke ist mein Plan für den heutigen Tag. Der beginnt – wie bereits im Juli – unangenehm früh, aber die Anreise mit dem Zug dauert nun einmal fast drei Stunden. Die Sommerferien-Aktion des Landes NRW und seiner Verkehrsverbünde gilt noch, also zahle ich für die Strecke bis Bad Godesberg exakt nichts. Danach geht die Reise weiter nach Rheinland-Pfalz hinein, aber auch der Preis für dieses letzte Stück ist überschaubar. Wäre ich eine Stunde später unterwegs gewesen, hätte ich mir sogar noch das Fahrrad-Ticket sparen können, denn ich lerne: In Rheinland-Pfalz ist die Fahrradmitnahme im ÖPNV ab neun Uhr grundsätzlich kostenlos.

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Ist die Anreise weit, beginnt der Tag früh.

Große Freude bereitet mir auch der Zug, in dem ich reise: Der Regionalexpress 5 ist Teil des nordrhein-westfälischen Eisenbahn-Infrastrukturprojekts “Rhein-Ruhr-Express” (RRX), zum Einsatz kommen schicke und moderne Fahrzeuge vom Typ Desiro HC. Steckdosen an den Plätzen, kostenloses WLAN, Fahrradabteile, ebenerdiger Einstieg – das ist ein sehr angenehmes Zugfahren!

Ich lasse entspannt die Landschaft an mir vorbeiziehen, schmunzele bei Köln über den ICE mit Corona-Maske und erschrecke bei Sinzig über die katastrophale Urgewalt, mit der die Ahr hier kürzlich dem Rhein entgegengestürzt sein muss. Dabei sehe ich das liegengebliebene Geröll nur für einen kurzen Moment, der Zug ist hier ziemlich schnell unterwegs; aber im Laufe meines “Rückwegs” auf dem Fahrrad soll dieser Abschnitt noch einmal eine Rolle spielen.

Schließlich steige ich in Koblenz aus dem Zug und mache mich auf den direkten Weg hinab zum Rhein. Noch ein schneller Zwischenhalt beim Bäcker, und schon sitze ich mit frisch belegten Brötchen und einem dampfenden Kaffee am Rheinufer. Kaum Menschen unterwegs, die ersten landschaftlichen Eindrücke schon vor Augen, einen großartigen Tag vor mir: Ein solch herrliches Frühstück habe ich bereits auf meiner Tour im Juli genießen dürfen.

Irgendwann will ich dann aber auch los, also schwinge ich mich aufs Rad und beginne meine Reise. Die erste Station ist natürlich das Deutsche Eck, wo unterhalb der wuchtigen Festung Ehrenbreitstein die Mosel in den Rhein mündet. Hier, am ebenfalls ziemlich wuchtigen Kaiser-Wilhelm-Denkmal, sind kurz nach neun Uhr morgens nur vereinzelt Touristen unterwegs, und so kann ich die Szenerie in Ruhe auf mich wirken lassen. Dann steige ich wieder aufs Rad und beginne meine Tour “so richtig”.

Im Vergleich zur Juli-Tour verläuft der Radweg “Eurovelo 8” in diesem Abschnitt deutlich mehr direkt am Rheinufer. Dass man über lange Strecken den Fluss nicht zu sehen bekommt (und stattdessen z.B. durch Industriegebiete geleitet wird), hatte mich auf dem Abschnitt zwischen Bonn und Düsseldorf schon ein bisschen geärgert.

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Ziemlich viel Wasser im Rhein

Kurz nach Andernach, ganz in der Nähe der Burg Namedy, komme ich mit einem älteren Paar ins Gespräch, das sich als einheimisch vorstellt und mir einen wichtigen Hinweis gibt: Der linksrheinische Radweg ist im Mündungsgebiet der Ahr nicht zu befahren (wie wohl auch sämtliche Straßen dort) – offenbar hat die Ahr-Flut Mitte Juli ein komplettes Wohngebiet faktisch weggespült. Dieses Ausmaß der Zerstörung hatte ich aus dem Zugfenster nicht in Ansätzen sehen können und bin einigermaßen erschrocken. Nein, dort will ich ganz sicher nicht den zahlreich aus dem gesamten Bundesgebiet angereisten (und immer noch anreisenden!) Hilfskräften als Gaffer im Weg stehen. Ich folge also dem gut- (und ernst-!) gemeinten Rat der beiden und wechsle in Bad Breisig mit der Fähre hinüber ans andere Ufer. Dort radele ich bis Linz weiter, wo mich die dortige Fähre wieder auf meine eigentliche Route zurückbringt.

Immer wieder erfreuen mich die kleinen, an die hier noch recht steilen Hänge des Rheintals gepressten Städtchen mit ihren teilweise sehr alten Häusern, Türmen und Kirchen. Mit deutlich mehr Zeit im Gepäck lässt sich hier sicher auf den Spuren so manch spannender Geschichte und Geschichten wandeln! Auch oben auf den Hängen gibt es sicher viel zu entdecken, immer wieder sehe ich kleine Aussichtspunkte und Kapellchen hoch über dem Rhein. Ich bin leider “nur” auf der Durchreise, aber fühle mich trotzdem angenehm inspiriert, hier vielleicht auch einmal auf eine ganz andere Art Urlaub zu machen.

Es ist Mittag geworden, und ich beschließe, in Remagen eine Pause einzulegen. Doch bevor ich mich um mein leibliches Wohl kümmere, halte ich an der selbst als Ruine immer noch recht beeindruckenden ikonischen Ludendorff-Brücke, vermutlich deutlich bekannter unter dem Namen “Brücke von Remagen”. Welche dramatischen Ereignisse sich hier am Ende des Zweiten Weltkriegs abspielten, beschreibt der Wikipedia-Artikel sehr anschaulich. Noch besser wäre es natürlich, das im westlichen Brückenkopf eingerichtete Friedensmuseum zu besuchen; auch das ist ein starkes Argument für mich, den Rhein noch einmal mit deutlich mehr Zeit zu bereisen. Für heute begnüge ich mich damit, einmal auf der Brückenrampe zu stehen und den Blick über die Stadt, den Fluss und die Brückenruine schweifen zu lassen.

Die Metzgerei Faßbender in Remagen hatte die clevere Idee, unten am Radweg ein Hinweisschild aufzustellen. Das lotst mich zuverlässig in den wohlduftenden Laden, wo mir auf die Frage nach einem herzhaften Mittagsimbiss zahlreiche überaus leckere Vorschläge gemacht werden. Ich entscheide mich für eine Siedewurst mit Kartoffelsalat und lasse mir, man kann ja nie wissen, auch noch ein Steak im Brötchen einpacken. Mit diesen Leckereien rolle ich hinab zur Uferpromenade, setze mich auf eine Bank und mache eine ausgiebige und äußerst köstliche Pause. Das sind diese fast schon kontemplativen Momente, für die ich auf diese Tour aufgebrochen bin!

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Von Remagen aus sieht man bereits die Burgruine Drachenfels.

Als ich dann irgendwann satt und zufrieden wieder aufs Rad steige, stelle ich ein wenig betrübt fest, dass ich das Ziel meiner heutigen Reise ja bereits fast erreicht habe. Vor Königswinter grüßt die Burgruine Drachenfels vom anderen Rheinufer, und schon bin ich auf Bonner Stadtgebiet. Das geht mir alles zu schnell, ich bin doch brutto noch keine fünf Stunden unterwegs, denke ich. Dann schaue ich auf den Tacho, der mir einen sportlichen Schnitt von 21 km/h auf deutlich mehr als 70 Kilometer Strecke präsentiert. Tja, da habe ich mich wohl vom ständig recht ordentlich wehenden Rückenwind zu ziemlich flotter Fahrweise verführen lassen! Aber ich will nicht meckern, mein Tag war großartig: So viele neue Eindrücke, so viele interessante Anregungen, hier und da auch wirklich nette Begegnungen und Gespräche, ganz nebenbei auch richtig guter Velo-Sport – einfach eine wunderbare Tour!

Am Bonner Hauptbahnhof fährt der RE 5 gen Ruhrgebiet dann quasi exakt in dem Moment ein, in dem ich den Bahnsteig betrete. Der Zug ist zwar deutlich voller als auf der morgendlichen Hinreise, aber ich finde einen Platz für mich und mein Rad und habe dann viel Zeit, mich zu entspannen und den Tag noch einmal gedanklich Revue passieren zu lassen.

Hat mir Etappe 12 des Rheinradwegs besser gefallen als Etappe 13, die ich im Juli fuhr? Ja, in allen Belangen. Die Landschaft ist einfach deutlich interessanter, die Radroute führt quasi immer direkt am Fluss entlang, und die Städte sind einfach … schöner. In letzter Konsequenz kann das ja nur heißen, dass ich nun auch noch weiter nach Süden vorstoßen muss – wie wäre es denn als nächstes mit dem Rheinradweg-Abschnitt zwischen Mainz und Koblenz…?

Unvollendet

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‘Auf deiner Königsallee … finden keine Modenschau’n statt’

Bochum-Langendreer – Kemnader See – BO-Stiepel – BO-Innenstadt – BO-Universität (26 km)

Auf der Suche nach einer weiteren flotten Asphalt-Hatz starte ich in Richtung Kemnader See. Dort komme ich für meinen Geschmack deutlich zu schnell an und beschließe, dass da noch mehr gehen muss: Hinauf nach Stiepel! Das ist natürlich anstrengend, aber dank der zahlreichen Touren der letzten Wochen stehe ich offenbar recht gut im Futter, und die Beine geben richtig Kette. Da geht was, und so lasse ich es auch bergab in Richtung Innenstadt alles andere als entspannt angehen. Die Königsallee hinunter bin ich bisweilen schneller als die Autos und reite eine herrliche grüne Welle.

In der Innenstadt entschließe ich mich dann zu einer Pause und verputze ein leckeres Eis. Dabei strahlt die Sonne warm von oben auf mich herab, dass es nur so eine Wonne ist.

Und danach? Soll ich mir die gute Laune im Gewühl auf der Wittener Straße gleich wieder versauen? Nööö, ich entscheide mich ohne Zögern für den Umweg über die Universitätsstraße. Die bietet einen breiten Radweg (und wo der fehlt, genug Platz für alle). So komm ich auch nachhause, aber entspannter; außerdem noch mit ein paar schicken Steigungen und Abfahrten.

Und dann, direkt an der Universität, endet die Fahrt urplötzlich mit lauten TSCHINGTSCHINGTSCHING – Speiche gerissen :(
Das beendet diese an sich wirklich schöne Renner-Runde ziemlich ansatzlos. Irgendwie … unvollendet. Tja, machste nix, beim nächsten Mal wieder!

Dort! Mund! (II)

Bochum-Langendreer – Witten-Stockum – Dortmund-Eichlinghofen – DO-Hörde – Umrundung Phoenix-See – DO-Zentrum – DO-Lütgendortmund – BO-Langendreer (39 km, als GPX herunterladen)

Okay, inzwischen bin ich wirklich ein wenig heiß auf diese Zweistünder auf dem Rennrad. Also wieder raus, gen Osten diesmal. Am Phoenix-See war ich lange nicht!

Jeglichen touristischen Anspruch kippe ich ganz schnell über Bord, auch heute will ich Asphalt räubern! Und so fetze ich die Hörder Straße durch Stockum, Eichlinghofen und Renninghausen und stehe verdammt flott in Hörde am Phoenix-See. Ein, zwei Ich-war-hier-Fotos, und schon schwinge ich mich wieder auf den Sattel. Geht ja um den Sport heute!

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Phoenix-See. Bauen die schon wieder oder immer noch?

Um nicht einfach wieder die selbe Strecke wieder zurückzufahren, lege ich noch einen kleinen Umweg über den Dortmunder Ring ein. Kein schönes Radelrevier, liebe Dortmunder Stadtverwaltung, da ist noch deutlich Luft nach oben! Der Radweg neben der Fahrbahn ist benutzungspflichtig, aber kacke: Immer wieder Absenkungen, gepflastert statt asphaltiert, und immer mal von Baustellen unterbrochen – da bleibe ich mit meinem ungefederten Renner lieber auf der Straße. Das stört heute zum Glück keinen, denn zum Sonntagmittag sind kaum Autos unterwegs.

Über Dorstfeld und Lütgendortmund fahre ich heim und freue mich, dass es wieder einmal auf einen 27er Schnitt hinausläuft. Noch ein kleiner Schlussspurt durch Langendreer, und schon stehe ich unter der Dusche und freue mich über eine weitere erfolgreiche und herrlich sportliche Renner-Hatz.

Bochum-Langendreer – Witten-Herbede – Hammertal – Sprockhövel – Silschede – Grundschötte – Wengern – Witten – BO-Langendreer (42 km, als GPX herunterladen)

Weils beim letzten Mal so schön war mit dem Renner, gönne ich mir gleich noch einen Nachschlag. Diesmal aber mit noch mehr Landstraße: Auf nach Sprockhövel!

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Sprockhövel und A 43 gehören irgendwie immer zusammen

Gewohnt selbstbewusst flitze ich durch Witten – zeigt man den Autofahrern deutlich, dass man da ist, kommen sie auch viel seltener auf dumme (Überhol-) Ideen. In Herbede biege ich links ab ins Hammertal, das mich (anfangs auf etwas rumpelig geflickten Belag) hinauf nach Sprockhövel bringt. Auf dieser Route ist die Autobahn 43, die nach Süden aus dem Ruhrgebiet herausführt, allgegenwärtig, mehrfach kreuze ich ihren Weg.

Ab Sprockhövel bleibe ich auf der B 234, das macht das Navigieren einfach. Allerdings muss man natürlich damit leben, dass man recht flott überholt wird, aber die allermeisten Autofahrer machen das mit erfreulich großem Seitenabstand. Das mindert meinen Stress ungemein, und so kann ich ganz entspanntes Landstraßenradeln genießen. Keine roten Ampeln wie in der Stadt, keine Poller und Drängelgitter wie auf vielen Radwegen: Hier ist Rennrad-Paradies, hier kann man wunderbar den Kopf aus- und die Beine anschalten.

Nach einigen sehr erquicklichen Kilometern “oben auf dem Berg” jage ich dann durch Grundschötte hinab nach Wetter. Der Linksabbieger vom Supermarkt-Parkplatz lässt dabei noch einmal kurz meinen Puls in kritische Höhen schnellen, weil ich ihm regelrecht dabei zusehen kann, wie er nicht in meine Richtung schaut. Am Mounti habe ich für solche Situationen ja die Airzound, aber wie mache ich das auf dem Renner? Ein kurzes, aber maximallautes “ACHTUNG!!” reicht dann zum Glück, das wäre sonst vielleicht noch eine knappe Kiste geworden. Nix passiert, weiter gehts! Wie vor zwei Tagen ein kurzer Blick auf den Tacho: Stand da gerade tatsächlich 72,8 km/h? :) Jetzt aber fix den Anker geworfen, unten in Wetter lauern tückische Kurven!

Links der Ruhr fahre ich dann über Bommern nach Witten, wühle mich dort einmal durchs Gewusel und komme mit sportlichem 27er Schnitt wieder zuhause an. Das war mal eine knackige Renner-Tour!