Bochum-Langendreer – Bochum-Zentrum – Jahrhunderthalle – Erzbahntrasse bis zum Rhein-Herne-Kanal – Zeche Ewald – Halde Hoheward – auf selbem Weg retour (58km, Route bei GPSies.com)

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Erzbahnschwinge in Bochum: Hier beginnt die Erzbahntrasse.

Schon seit Wochen liege ich den Kollegen mit der geplanten Tour zur Halde Hoheward in den Ohren. Die Rahmenparameter sind gesetzt: Entspanntes Radeln, ausgiebige Fotopausen, und auch eine Kameradrohne soll zum Einsatz kommen. Zum Schluss sinds tatsächlich nur zwei, die dabei sind; alle anderen haben entweder kein Rad oder keine Zeit. Na gut, dann halt zu dritt :)
Wir treffen uns auf dem Gelände der Jahrhunderthalle an der Erzbahnschwinge. Diese geschwungene Brücke markiert den Beginn der Erzbahntrasse, auf der früher Eisenerz vom Rhein-Herne-Kanal zu den Hochöfen des Bochumer Vereins transportiert wurde. Inzwischen ist diese ehemalige Eisenbahntrasse längst ein Radweg, der kreuzungs- und faktisch steigungsfrei die Bochumer Innenstadt mit dem Rhein-Herne-Kanal verbindet. Und das auf recht spektakuläre Art und Weise, radelt man doch hoch oben auf dem ehemaligen Bahndamm über der Landschaft und überquert dabei diverse beeindruckende Brückenkonstruktionen. Nicht zuletzt dank der zahlreichen Informationstafeln am Wegesrand lässt sich hier für Zugereiste wie mich erahnen, wie das Ruhrgebiet früher tickte – und welch radikalen Wandel es mit dem Niedergang der Schwerindustrie gemeistert hat.

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In kühnem Schwung spannt sich die Grimberger Sichel über den Rhein-Herne-Kanal.


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Die Emscher bei Gelsenkirchen

Die Erzbahntrasse ist bis kurz vorm Rhein-Herne-Kanal in Gelsenkirchen topfeben asphaltiert. Hier könnte man also auch nach Herzenslust sportlich hetzen, und tatsächlich zieht so manches Rennrad schnurrend an uns vorbei. Wir aber sind heute nicht des Sportes wegen unterwegs, sondern wollen in Ruhe schwatzen, die Landschaft betrachten und den sonnigen Tag genießen. Für die Rennrad-Hatz werde ich sicher auch irgendwann noch einmal wiederkommen.
Die letzten paarhundert Meter der Erzbahntrasse bis zum Rhein-Herne-Kanal bestehen dann aus wassergebundener Decke – bei trockenem Sommerwetter eine durchaus staubige Angelegenheit. Den Kanal überqueren wir auf der sehenswerten “Grimberger Sichel”, einer halbkreisförmigen Fuß- und Radweg-Brücke, die mit dicken Stahlseilen an einem einzelnen Pylon hängt. Hier endet der Erzbahn-Radweg also, wie er an der Erzbahnschwinge begonnen hat: Mit einer spektakulären Brückenkonstruktion.
Parallel zum Rhein-Herne-Kanal, nur ein paar Meter weiter nördlich, fließt die Emscher. Was vor langer Zeit mal ein Fluss war, wurde im Zuge der Industrialisierung zum Abwasserkanal degradiert. An vielen Stellen schon renaturiert, ist die Emscher hier in Gelsenkirchen aber noch immer nichts anderes. Wer weiß, wann das hier auch mal wieder als “Fluss” zu bezeichnen ist …

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Panoramablick von oben über Zeche Ewald und die Halde Hoheward.


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Kleine Spielerei mit der Kameradrohne: Planet Ewald :)

Wir biegen nach Norden ab und fahren an der Halde Hoppenbruch vorbei zur Zeche Ewald. Sie steht am Fuß der Halde Hoheward, das ist unser Reiseziel. Bevor wir aber den Anstieg in Angriff nehmen, geben wir uns erst einmal ausgiebig dem Spieltrieb hin und erkunden das Zechengelände mit der extra dafür mitgebrachten Kameradrohne von oben. Dieser Perspektivwechsel erlaubt spektakuläre Aufnahmen – und ganz nebenbei noch einen ganz anderen Blick auf die schiere Größe der früheren Bergbau- und Industrieanlagen des Ruhrpotts.
Nachdem wir uns an den tollen Bildern sattgesehen haben, packen wir den Technikkram zusammen und treten wieder in die Pedale. Der Weg auf die Halde Hoheward hinauf ist zwar steil, aber dafür haben wir die etwa neunzig Höhenmeter auch flott hinter uns. Steht man dann oben auf dem Halden-Plateau und schaut gen Süden, breitet sich das gesamte Ruhrgebiet in seiner Ost-West-Ausdehnung vor einem aus: Dortmunds Fernsehturm “Florian”, die Hochhäuser der Bochumer Innenstadt, die City und der Fernsehturm von Essen, die Schalke-Arena in Gelsenkirchen – bei gutem Wetter wie heute kann man im Südwesten sogar den Düsseldorfer Rheinturm sehen, und der ist immerhin gut fünfzig Kilometer entfernt. Für diesen äußerst beeindruckenden Anblick sind wir hergekommen, und so packen wir erneut das Kamera-Equipment aus. Auch die Drohne darf bei ziemlich böigem Wind noch einmal zeigen, was sie kann. Hat man hier oben gestanden, ist man dem Geheimnis des Ruhrgebiets vielleicht ein Stück näher gekommen – wie gern hätte ich all diese interessanten Aus- und Einblicke einmal zu der Zeit gehabt, in der der Pott noch Stahl und Kohle atmete.


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40km Luftlinie von Halde Hoheward: Der Großbrand in Bönen

Ganz im Osten sehen wir dann noch, wie eine dunkle Rauchwolke vom Boden aufsteigt und sich weiträumig in den höheren Luftschichten verteilt, und fragen uns, was da wohl so heftig brennen mag. Später werden wir herausfinden, dass ein Entsorgungsbetrieb in Bönen in Flammen stand – auch das sind mal eben über vierzig Kilometer Luftlinie von unserem Standpunkt aus.
Dann haben wir uns irgendwann sattgesehen, aber leider noch nicht sattgegessen. Und da auch die Akkus der Drohne inzwischen leergespielt sind, beschließen wir, wieder hinunter zur Zeche Ewald zu fahren und dort im Biergarten mit Speis und Trank aufzutanken. Die Schussfahrt hinab übertreibe ich dann nicht. Einmal kurz über die Sechzig, dann bremse ich sanft ab. Kann es sein, dass ich meinen Bremsen nicht mehr ganz traue…?
Gut gesättigt und bester Laune ob des bisher Erlebten nehmen wir dann den Heimweg unter die Räder. Dabei bleiben wir auf der Hinweg-Route: Emscher, Rhein-Herne-Kanal, und dann die Erzbahntrasse bis zur Jahrhunderthalle in Bochum. Dort trennen wir uns – nach der gefahrenen Strecke recht kaputt, aber sehr zufrieden – und ich radle allein zurück nachhause.

Darß: Im Uhrzeigersinn um Bodstedter und Saaler Bodden.
Zingst - Pruchten - Bodstedt - Saal - Damgarten - Ribnitz - Dierhagen Dorf - Wustrow - Ahrenshoop - Born - Wieck - Prerow - Zingst (91,2km, Route bei GPSies.com)

 

Und es begab sich zu einer Zeit, dass der Wettermann sprach: Ich schenke euch einen ganzen Tag voll Sonne, nutzet ihn zu eurer Gunst. Und die Menschen verstanden; und der, den sie schickten, der hatte ein blaues Fahrrad, und unten am Kopfe trug er einen stattlichen Bart.

So steht es schon in den alten Schriften! Naja, oder so ähnlich. Jedenfalls hatte der Wetterbericht tolles Wetter versprochen, und da ich sowieso am liebsten den ganzen Tag auf dem Fahrrad herumlümmele, gehe ich mein lang ersehntes Urlaubsfinale an: Einmal aufs Festland, den Barther und den Saalstedter Bodden umrunden und über Fischland wieder zurück auf den Darß. Vom Himmel prasselt die Sonne, dass es nur so eine Freude ist, nur der Wind geht recht ordentlich von Westen. Ich verlasse den Darß auf inzwischen wohlbekannten Pfaden über die Meiningenbrücke und biege in Pruchten nach Westen ab. Hier beginnt unbekanntes Terrain, aber ich bin frohen Mutes dank meines GPS-Helferleins am Lenker und der Fahrradkarte im Gepäck.

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Schön ists im Wald bei Neuendorf.

Ich bin nun auf dem Radwanderweg “Östliche Backstein-Route” (ÖBR) unterwegs, bekomme aber den Tipp von einem einheimischen Radler: Fahr lieber durch den Wald nach Neuendorf, das ist die schönere Strecke. Ich folge seinem Rat, und es lohnt sich. Still ists im Wald, angenehm schattig und wirklich schön zu radeln. Dann folge ich wieder der ÖBR und komme nach Saal, wo mich ein kleines Brückenstück neugierig macht. Die alten Schwellen auf der dahinrostenden Konstruktion deuten auf eine Eisenbahnstrecke hin, die hier wohl mal entlangführte; für Regelspur sind sie aber zu schmal. Ein paarhundert Meter weiter, auf einem Radweg, der verdammt nach einer alten Bahntrasse aussieht, treffe ich dann einen Ortsansässigen, den ich freundlich frage. Er erzählt mir mit leuchtenden Augen von den Zeiten, als hier noch die Eisenbahn die Rüben nach Barth brachte (und abends die Bauern aus der Kneipe nachhause). Der Radweg liegt tatsächlich auf der alten Trasse der Franzburger Kreisbahnen, die meterspurig von Damgarten über Saal nach Barth führte. In den Sechzigern sei die Strecke dann aber stillgelegt worden, erzählt er mir, und aus dem Saaler Bahnhof ist das Gemeindehaus mit Kindergarten geworden ‒ unter anderem durch seiner Hände Arbeit. Ein Stück weiter steht in Kückenshagen an der Molkerei noch ein altes marodes Bahngebäude, gibt er mir noch mit auf den Weg. Und tatsächlich, nach Jahrzehnten ist immer noch zu sehen, dass hier weiland eine Bahn entlangzuckelte.

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Im Hafen Ribnitz

Über Damgarten erreiche ich dann Ribnitz (was, wie ich lernte, übrigens nicht “Riebnitz”, sondern “Ribbnitz” gesprochen wird) und mache am Hafen eine kurze Mittagsrast. Am Ribnitzer See entlang geht es dann weiter in Richtung Dändorf. Immer wieder schmunzele ich über die kreativen Radwegweiser: Einfach die Ortsnamen und Entfernungsangaben auf einen großen Findling pinseln, auch sowas schmückt eine Radroute! Offenbar hatten die Urheber dabei mächtig Spaß, denn neben den eigentlichen Wegweisern findet man dann auch Kuriositäten wie die extra beschilderte “Opi-Wolter-Kurve”: “Zu Ehren von Opi Wolter, der hier die Kurve nicht bekam”. Ein amüsierendes Gedankenspiel, wie es wohl dazu gekommen sein mag…
Ich habe inzwischen die Östliche Backsteinroute verlassen und befinde mich auf dem Fischland-Darß-Zingst-Rundweg. Immer am Bodden entlang, erreiche ich über Dändorf Dierhagen. Dort gönne ich mir am Hafen ein herzhaftes Fischbrötchen und fülle die Zuckerspeicher mit Cola neu auf.

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Pause in Dierhagen: Fischbrötchen am Hafen

In Dierhagen komme ich nun wieder an die Ostsee und biege auf den Ostseeküsten-Radweg ein. Bisher hatte ich oft und viel Gegenwind, das ändert sich nun ‒ ich komme verdammt flott voran. Ich jage über Wustrow bis Ahrenshoop, wo ich die Ostsee wieder verlasse und am Saaler Bodden entlang fahre. Ach was, fahre: Rase! Der Wind bläst kräftig von Westen, und nun bin ich exakt in seiner Richtung unterwegs. Trotz mehr als 65 bereits gefahrener Kilometer habe ich keine Probleme, stets knapp an der Dreißig zu kratzen. Sehr zum Unmut der mir entgegenkommenden, sich gegen den Wind stemmenden Pedalisten…
Ich flitze durch Born und Wieck, vorbei an schicken kleinen Reetdach-Häuschen mit den so typischen bunten Darßer Türen. Unterwegs sehe ich in der Ferne die Meiningenbrücke, Luftlinie vielleicht nur drei Kilometer entfernt. Allerdings liegen Bodstedter Bodden und Prerow-Strom dazwischen, die ich noch umrunden muss, also habe ich noch einige Zusatzkilometer vor mir. Dabei wird es dann auch nochmal ordentlich anstrengend, denn ein, zwei Kilometer muss ich nochmal gegen den Wind fahren. Wie das nach der langen Strecke schlaucht! Irgendwann habe ich Prerow dann aber erreicht und kann von nun an wieder mit vollem Rückenwind auf dem Ostsee-Deich ostwärts nach Zingst jagen, wo meine Runde begann und nun wieder endet.

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Sieht näher aus, als sie ist: Die Meiningenbrücke.

Auf die mehr als neunzig gefahrenen Kilometer schaue ich mit größter Freude zurück: Die Boddenrunde hat immer wieder Abwechslung zu bieten, sie führt über Felder, durch Wälder, mal an der Ostsee entlang, mal am Bodden. Auch und vor allem abseits der Küstenlinie gibt es so viele Orte, Landschaften und Kleinode zu entdecken, dass ein flotter Tagesritt auf dem Fahrrad längst nicht ausreicht, um alles gesehen zu haben. Die Radweg-Ausschilderung ist vielleicht nicht perfekt, aber meist ausreichend und bisweilen sehr hübsch und kreativ umgesetzt. Und auch wenn doch mal an entscheidender Stelle ein Schild fehlt, kommt man mit ein wenig Intuition und grobem Richtungsverständnis stets weiter. Ich kann Ostsee-Urlaubern nur wärmstens empfehlen, den touristisch vollkommen überlaufenen Küstenstreifen zu verlassen und das vorpommersche Hinterland zu entdecken. Es lohnt sich!

Usedom: Zempin - Koserow - Zempin (13,3km, Ø 17,3km/h; Route bei GPSies.com)

Endlich wieder Urlaub auf Usedom! Mit dem Rad lass ichs zunächst gemächlich angehen und starte eine kleine Erkundungstour auf dem Achterwasserdeich nach Koserow. Der Deich schlängelt sich um den Zempiner Rieckgraben - hier ist das Achterwasser nur noch reichlich zweihundert Meter von der Ostsee entfernt.
In Koserow war ich bisher schon etliche Male - nie jedoch hatte ich die alte Kirche im Dorfkern entdeckt. Das hole ich diesmal nach und betrachte das Gemäuer von außen - rein komme ich leider nicht, denn sie ist verschlossen. Nach ein paar geschossenen Fotos möchte ich noch nicht direkt wieder heim, sondern noch ein paar Meter dranhängen. Also hinauf zum Streckelsberg! Ich schiebe mein Rad den steilen Direktweg hinauf und genieße die Aussicht auf die Ostsee aus knapp 60 Metern Höhe. Schön hier! Ich jage hinab zur Seebrücke, wo ich gerade noch die Sonne versinken sehe. Eine tolle Tour!

Friesland: Neuharlingersiel - Altfunnixsiel - Middoge - Hooksiel - Horumersiel - Schillig - Harlesiel - Neuharlingersiel (68,4km, Ø 20,3km/h; Route bei GPSies.com)

Den Vatertag gemeinsam mit Dirk auf dem Fahrrad zu verbringen, etabliert sich langsam als angenehme Tradition. Während wir 2013 den Rheinischen Esel unter die Räder nahmen, sollte es dieses Mal ganz woanders hingehen. Die Idee: Die Räder ins Auto und irgendwo hin, wo wir noch nicht waren. Münsterland? Oder tief ins Bergische? Lieber nicht, denn quer durch die Republik zog sich auf dem Niederschlagsradar ein dickes Regenband von West nach Ost. Wie wäre es denn mit der Nordseeküste? Dort scheint bei fast zwanzig Grad die Sonne!

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Das Wattenmeer vor Neuharlingersiel; Spiekeroog am Horizont

Wir packen also Räder, Klamotten und Proviant ins Auto und düsen die A31 nordwärts. Basispunkt für unsere Radtour ist Neuharlingersiel. Da der Wind von Nordost kommt, planen wir unsere Runde gegen den Uhrzeigersinn - so haben wir auf dem Rückweg den Wind im Rücken. Das wird sich später noch als sehr kluge Entscheidung erweisen.
In Neuharlingersiel fahren wir zunächst zum Hafen und lassen uns auf der Mole den Seewind um die Nasen wehen. Das Wetter ist hervorragend, kaum ein Wolke ist zu sehen - wir starten bester Laune in südöstlicher Richtung und tauchen ein in die Weiten der Ostfriesischen Halbinsel. Als Flusstal- und Mittelgebirgsradler sind wir beeindruckt von der schieren Weite der Landschaft - und von der freundlichen Gelassenheit ihrer Bewohner, bei denen mehr als ein knappes “Moin” vermutlich schon als Zeichen für Geschwätzigkeit gilt.

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St. Martin in Tettens

Wir radeln ostwärts durch schnucklige kleine Orte mit Namen wie Altfunnixsiel und erfreuen uns am typischen Anblick der reetgedeckten Häuser. In Tettens beeindruckt uns die mehr als 800 Jahre alte St.-Martins-Kirche mit ihrem (hier üblichen) freistehenden Glockenturm.
In Wüppelser Altendeich entdecken wir dann noch eine Kuriosität, die “Kleinste Bücherei von Friesland”. Aus dieser zur Mini-Bibliothek umfunktionierten und rund um die Uhr offenen Telefonzelle kann man Bücher mitnehmen - und dabei gern auch welche da lassen. Betrieben wird die Bücherzelle vom Ehepaar, auf dessen Grundstück sie steht. Wir setzen unsere Tour schmunzelnd fort - hätten wir das vorher gewusst, hätten wir den lesefreudigen Friesen natürlich auch ein paar Bücher mitgebracht.

Schließlich erreichen wir das Ufer des Jadebusens. Nach einer ausgedehnten Rast butendieks folgen wir nun nur noch der Küstenlinie - zunächst nach Norden bis Schillig, von dort aus dann westwärts.
Mangels jeglicher Steigungen ist das Radfahren auch jetzt, nach mehr als 30 Kilometern, ein entspannter Genuss. So kann man es auf dem Fahrrad aushalten, zumal sich schon längst auch die allerletzten Wölkchen aufgelöst haben - das Wetter ist einfach perfekt. Wir lassen uns vom Seewind westwärts schieben und genießen die Blicke aufs Wattenmeer und die Ostfriesischen Inseln, allesamt Teil des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeer.

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Hafen Horumersiel. Aufs Bild klicken für volle Größe (1547 × 800 Pixel / 202 KB).

Schließlich erreichen wir wieder unseren Ausgangspunkt Neuharlingersiel und lassen die Eindrücke dieser wunderbaren Radtour bei Schollenfilet und kühlem Jever nachwirken. Nicht nur Landschaft und Wetter haben sich von ihrer besten Seite gezeigt, sondern auch die Infrastruktur: Fahrradfahrer sind hier im Norden offenbar tatsächlich gleichberechtigte und ernstzunehmende Verkehrsteilnehmer. Die Routen sind meist bestens asphaltiert, die Beschilderungen zahlreich und deutlich, und gesonderte benutzungspflichtige Radwege gibt es genau dort, wo sie auch wirklich sinnvoll sind. Und auf radweglosen Abschnitten nehmen Auto- (und Trecker-) Fahrer gebührend Rücksicht auf das pedalierende Volk. Da kann sich der Ruhrpott so manche Scheibe abschneiden!

Eine Wiederholung dieser Reise ist keinesfalls ausgeschlossen - ausgesprochen schön hier oben!

Bochum-Langendreer - Kemnader See - Hammertal - (Nieder-) Sprockhövel - Elbschebachtal - Wengern - Ruhrtalradweg bis zum Kemnader See - BO-Langendreer (48,2km, Ø 20,5km/h; Route bei GPSies.com)

2014-05-17_1.jpgIns Märkisch-Bergische Land rund um Sprockhövel wollte ich schon lange mal wieder, bin aber einfach nicht dazu gekommen. Mit dieser Gegend verbinde ich schöne Erinnerungen, genoss ich dort doch 2012 eine wunderbare Rennrad-Ausfahrt.
Da ich dieses Mal aber nicht nur Asphaltkilometer abspulen, sondern durchaus auch ein wenig ins Blaue hinein neue Wege erforschen wollte, entschied ich mich fürs Mounti und fütterte mein GPS-Helferlein mit einer rasch bei den GPSies zusammen­geklickten Route. Dabei baute ich auch ein paar Schlenker über kleine Straßen und Wege ein, um möglichst viel Neues zu entdecken.

Vom Kemnader See aus nahm ich das Hammertal hinauf in Angriff. Da sammelt man durchaus ein paar Höhenmeter, aber wenn man nicht auf Teufelkommraus Sport machen will, lässt es sich sehr entspannt fahren. Die Entscheidung, dem Navi die Routenplanung zu überlassen, erwies sich als die richtige: Schon in Niedersprockhövel wuselte ich das erste Mal über kleine Waldwege und Sträßchen. Genau das hatte ich eigentlich vor: Auch mal abseits der großen Straßen und ausgeschilderten Radrouten unterwegs sein, ohne selbst nach dem Weg suchen zu müssen.

2014-05-17_2.jpgNach der letzten Querung der A43 fiel ich dann auf eine kleine Gemeinheit des örtlichen Tiefbauamts herein: Der Waldweg, auf den ich eigentlich abbiegen wollte, “versteckt” sich hinter einer durchgehenden Leitplanke! Prompt fuhr ich ein paar Meter weiter in die Zufahrt zur Ibachsmühle - wo mich eine Anwohnerin aber freundlich auf meinen Fauxpas hinwies. Wer weiß, wie lange ich sonst die richtige Route gesucht hätte… Also das Rad über die Leitplanke gehoben und ab in den Wald. Auf einem sehr, sehr schmalen Weg - nichts für Trikes, Anhänger oder andere Mehrspur-Radler. Solo fand ich das aber sehr amüsant. Mal was anderes als immer nur auf Asphalt, und solange das Navi sagt, dass es auch nach der nächsten Ecke noch weitergeht…
Dann bog ich auf die Radroute EN 11 ab, der mich im Tal der Elbsche nach Wengern hinunter brachte. Immer in Sichtweite: Die Trasse der auf diesem Abschnitt längst stillgelegten Elbschetalbahn, die eigentlich nur darauf wartet, zum Radweg zu werden.
Planungen dafür gibt es tatsächlich, aber wann es wirklich so weit ist…

2014-05-17_3.jpgNachdem ich die historische Altstadt von Wengern durchquert hatte, befand ich mich auf dem Ruhrtalradweg, dem ich dann bis zum Kemnader See folgte. Kurz voher hatte ich noch ein kleines Déjà-vu: Wie jedes Jahr sorgte der Drachenboot-Cup des Wittener Kanu-Clubs für eine faktische Vollsperrung des Ruhrtalradwegs. Während im Jahr 2011 aber frustrierenderweise keinerlei Ausweichroute erkennbar war und ich mich mit Trailer am Haken durch die Menschenmassen quälen musste, hat der KCW diesmal auch an die Radler gedacht und deutlich eine Umleitung ausgeschildert. Vielleicht haben sich damals außer mir ja noch ein, zwei andere beschwert ;)
Der Pommes-Wagen am Kemnader See kam mir dann noch gerade recht für eine entspannte letzte Pause, bevor ich mich endgültig auf den Heimweg machte. Eine wunderbare Tour!