Darß: Zingst - Pruchten - Barth - Fuchsberg - Barth - Pruchten - Zingst (38,2km, Route bei GPSies.com)

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Blick zurück nach Barth. Ab hier wirds mückig.

Kurz nach sieben abends fällt mir auf, dass ich immer noch keine Strandmuschel habe. Und morgen soll tolles Strandwetter werden! Also schnell in die Radklamotten und ab nach Barth ‒ hatte der Laden, der die Strandmuscheln draußen in der Grabbelkiste stehen hatte, nicht auch am Sonntag bis acht abends geöffnet? Bis dort sind es laut meiner Fahrradkarte geschätzte 15 Kilometer, das sollte in einer Dreiviertelstunde zu schaffen sein. Also los!
Mit dem Ziel, es nur ja bis um acht nach Barth zu schaffe, jage ich los und ignoriere die landschaftlichen Schönheiten links und rechts des Wegs. Leichter Gegenwind und der Mangel an Trainingskilometern machen die Hatz ziemlich anstrengend, und so bin ich froh, als ich eine Minute vor acht (!) auf den Parkplatz des Ladens einbiege. Im Kopf lege ich mir einen freundlichen Satz zurecht, um die Kassiererin, die ihren Feierabend sicher schon herbeisehnt, milde zu stimmen. Und dann: Alles geschlossen. Ja, die haben auch sonntags auf ‒ aber eben nur bis um sieben. Mëh.

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Nicht nur an der Küste ists schön, sondern auch im Hinterland.

Okay, dann kann nun der touristische Teil der Fahrt beginnen. Laut Karte ragt eine Landzunge in den Barther Bodden hinein, dort als “Hinterste Berge” bezeichnet. Der Radwegweiser beschildert den Abzweig mit “Wandergebiet Fuchsberg”. Wie auch immer, das sieht nach einem kleinen Abenteuer und viel, viel Natur aus. Los gehts! Der Weg ist etwas rumpelig und für eine Familientour nicht zu empfehlen. Dafür ist es sehr ruhig, und ein Blick zurück zeigt Barth mit seiner Marienkirche im abendlichen Licht am Ufer des Boddens. Nur kann ich leider nicht allzu lange anhalten, hier befinde ich mich mitten im Mückenparadies. Die sind überall ‒ und was das für Riesenviecher sind! Die warme Feuchtigkeit der letzten Wochen hat die Mücken dieses Jahr zur echten Plage werden lassen. Was am Ostseestrand mit einer kleinen Brise kein Problem darstellt, ist hier, feuchte Wiesen auf der einen, das Schilfufer des Boddens auf der anderen Seite des Wegs, einfach nicht auszuhalten. Also halte ich mich nicht lange mit Fotografieren auf, sondern fahre weiter in Richtung des vor mir liegenden Waldes. An dessen Rand stehen einige hohe hölzerne Aussichtstürme, von denen man weit über den Bodden und seine Ufer sehen kann. Überall hört und sieht man allerlei Wasservögel, das ist sicher ein Paradies für (mückenresistente) Ornithologen. Ich selbst folge weiter dem Weg, der an der Spitze der Landzunge nicht mehr als eine kleine schlammige Schneise durch Wald und Schilf ist. Auf der Karte ist dieses Wegstück als “mäßige Oberfläche (feste und etwas unebene Wege)” ausgezeichnet ‒ eine glatte Lüge.

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Spätabends an der Meiningenbrücke

Der sich anschließende, noch recht intakte Plattenweg bringt mich ‒ vorbei an der Gedenkstätte für das Strafgefangenenlager “Stalag Luft I” ‒ wieder zurück nach Barth. Von dort aus führt der Radweg (hier übrigens als Abschnitt des Ostseeküstenradwegs) an der Trasse der ehemaligen Bahnstrecke Barth-Zingst-Prerow entlang. Über die Meiningenbrücke geht es hinüber auf den Zingst, wo mich noch einmal Wolken von Mücken erwarten. Ich ziehe mir das Tuch über Mund und Nase und sehe zu, dass ich flott mein Ferienquartier erreiche.
Obwohl ich keine Strandmuschel bekommen konnte, war das eine wirklich lohnende Tour mir durchaus abenteuerlichen Abschnitten. Einiges am Wegesrand bleibt noch auf meinem Zettel für spätere Touren, zum Beispiel das Darßbahn-Museum in Bresewitz.