Darß: Zingst - Bresewitz - Barth - Bresewitz - Zingst (31,3km, Route bei GPSies.com)

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Der Radweg auf der Darßbahn-Trasse: Nicht viel breiter als das Gleis, das vorher hier lag

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs führte eine Eisenbahnstrecke von Barth über Zingst nach Prerow: Die Darßbahn. Von ihr ist noch so einiges zu sehen: Der Bahndamm und einige Brücken stehen noch, und wo noch nicht der Radweg auf den Bahndamm gebaut wurde, liegen auch noch die Gleise. Schon lange wird darüber nachgedacht, diese Strecke zu reaktivieren. Nicht nur von Eisenbahn-Enthusiasten, sondern offenbar auch von der Usedomer Bäderbahn (UBB), der die Strecke (oder das, was davon noch da ist) gehört. Der Radweg von Zingst hinüber aufs Festland nach Barth führt die ganze Zeit parallel zur Darßbahn-Trasse, da gibt es natürlich viel zu entdecken. Genau das wollte ich auf dieser Tour nach Barth tun.
Fährt man auf dem alten Bahndamm aus Zingst heraus, fällt auf, wie schmal der Radweg ist ‒ mit den gleichen Folgen wie am Radweg auf dem Ostsee-Deich: Bei Gegenverkehr, insbesondere mehrspurigem, kann es ganz schön eng werden. Zusätzlich stehen aus dem an sich sehr guten Asphalt immer wieder recht steile Wurzelaufbrüche heraus, die man im Schattenspiel des Laubwerks nur selten früh genug sieht. Man muss also stets sehr konzentriert sein, was das Radfahren an dieser Stelle ziemlich unentspannt macht. Das passt nicht so ganz dazu, dass auch diese Strecke ein Teilabschnitt des touristisch vermutlich nicht ganz unbedeutenden Ostsee-Küstenradwegs ist. Auch sonst ists schade, denn an sich ist man an dieser Stelle mitten in der Natur unterwegs und durch einen schmalen Waldstreifen und ein Feld akustisch auch gut von der parallel verlaufenden Straße abgeschirmt.

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Gefahrenstelle: Querung der L21.

Die Querung der L21 kurz vor der Meiningenbrücke kann dann getrost als Gefahrenstelle bezeichnet werden. Hier muss man den flott dahinbrausenden Autoverkehr gut beobachten, um “die Lücke” zu finden. Da sämtlicher Verkehr zwischen Barth und Prerow hier durch muss, ist das vor allem an An- und Abreisetagen der Touristen keine Freude.
Dann erreichte ich die Meiningen-Brücke. Über diese schmale Drehbrücke gelangten früher Autos und Eisenbahn auf den Darß ‒ ein echtes Nadelöhr. Die Eisenbahn fährt schon lange nicht mehr, und dem restlichen Verkehr hat man parallel eine Ersatzbrücke gebaut. An deren Ende sah ich Interessantes: Auf dem dort wieder beginnenden Gleis der Darßbahn in Richtung Bresewitz stand ein Schienen-Unimog, und die Presse war auch vor Ort. Ein wenig abseits stand ein Auto der UBB, in dem zwei Arbeiter saßen und offenbar warteten. Ich kam mit Ihnen ins Gespräch und wollte wissen, ob denn eine Reaktivierung der Darßbahn geplant sei ‒ oder was denn der Unimog da auf dem Gleis mache? Sie erzählten mir, dass aktuell vor allem der Bahndamm und die verbliebenen Gleisanlagen gepflegt würden. Über eine Wiederaufnahme des Verkehrs würden höhere Instanzen diskutieren ‒ wie immer sei alles eine Frage des Geldes. Die UBB wollen die Strecke gern wieder in Betrieb nehmen, auch die Gemeinden und deren Tourismusbetriebe würden sich darüber sicher freuen. Auf Usedom sieht man ja die positiven Effekte regelmäßigen Bahnverkehrs. Allerdings kann die “kleine” UBB die nötigen Millionen nicht mal eben selbst auf den Tisch legen, da wird noch viel Arbeit bei Bund, Land, EU und der Deutschen Bahn (als UBB-Muttergesellschaft) zu leisten sein.

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Der Bodden links und rechts der Meiningen-Brücke gehört noch zum Nationalpark.

Was ich nicht wusste: An diesem Tag war der Infrastruktur-Chef der DB vor Ort, um die Möglichkeiten für den Wiederaufbau der Darßbahn auszuloten. Deswegen die Presse! Aber da an diesem Tag nur nichtssagende Aussagen à la “wir haben die Bereitschaft, alles mögliche zu denken” (Profalla laut OZ-Artikel) herauskamen, wird der UBB-Techniker wohl recht haben: Bis das nötige Geld zusammen ist, die Planungen abgeschlossen sind und die Bauarbeiten beginnen, wird es wohl tatsächlich noch eine Dekade dauern.
Ich für meinen Teil fuhr weiter, immer entlang der Trasse in Richtung Barth. Auch hier ist der Radweg zu schmal ‒ vielleicht sind das nicht umstandsbedingte Einzelfälle, sondern eine generelle Planungsschwäche der beteiligten Behörden?

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Nicht (mehr) viel los am Bresewitzer Bahnhof

Nachdem ich in Barth einige Besorgungen und am Hafen Mittag gemacht hatte, fuhr ich auf gleichem Weg wieder zurück. Unterwegs schaute ich mir endlich einmal das alte Bahnhofsgelände in Bresewitz an, an dem ich bisher immer nur vorbeigefahren war. Hier soll sich laut Karte das Darßbahn-Museum befinden; auf den Gleisen stehen einige alte Waggons. Leider erfuhr ich nicht wie erhofft mehr Details zur Darßbahn ‒ sondern nur, dass es das Darßbahn-Museum gar nicht mehr gäbe. Ein Ortsansässiger erzählte mir, dass es auf dem Bahnhofsgelände vor einigen Jahren tatsächlich noch viele Aktivitäten des Museumsvereins gab, eine Ausstellung zur Geschichte der Bahn und viel Musik und Kultur. Aber so nach und nach schwand das Engagement der Mitglieder, es mangelte an Nachwuchs … und so finden aktuell nur noch ein paar wenige Konzerte pro Jahr auf dem Bahnhofsgelände statt. Das Bahn-Museum selbst und die angeschlossene Kunstgalerie gibt es nicht mehr. Schade, da hätte man sicher noch ein paar spannende Geschichten erfahren können.
Wer weiß, in zehn Jahren hat die UBB die Trasse bis Prerow ja vielleicht wiederbelebt ‒ dabei blieben dann bestimmt auch ein paar Mittel für ein schickes kleines Darßbahn-Museum übrig. Aus touristischer Sicht wäre das zu begrüßen, ich finde, da liegt gerade ein gutes Potential brach.